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Journalistin

1st Woman

Von Birgit Wittstock

Sie ist Chefredakteurin des erfolgreichsten Frauenmagazins des Landes. Neben "Woman"- dem ertragsreichsten Titel der Verlagsgruppe News - hat sich Euke Frank noch das Hochglanzmagazin "1st" aus dem Ärmel geschüttelt.

Was antwortet die Chefredakteurin von Österreichs größtem Frauenmagazin auf die Frage, ob sie ihr Heft auch privat kaufen würde? „Mit ‚Woman‘ als Auszeitmagazin würde ich mich gut unterhalten fühlen“, sagt Euke Frank. Sonst nämlich hat es der bekennende „Magazinjunkie“ offenbar gern politisch: Da kauft sie den deutschen „Stern“ oder „Spiegel“. Obwohl Frank „gerne Boulevard liest“ und der britischen „Marie Claire“ – im Gegensatz zu deutschsprachigen Frauenmagazinen – auch einiges abgewinnen kann: „Tolle Reportagen, spannende Interviews“.

BILLA-KASSA UND CHEFETAGE. Dass sie „Woman“ trotzdem nicht als wenig anspruchsvolles Bilderbuch durchgehen lassen will, begründet die Linzerin so: „Man muss ‚Woman‘ als das sehen, was es ist: ein Unterhaltungsmagazin.“ Und unterhalten werden soll sowohl die Frau hinter der Billa-Kassa, als auch jene in der Chefetage. „Die Menschen wollen nicht nur das ‚Zeit-Magazin‘ lesen.“ Zumindest darin sind sich Frank und News-Verlagschef Oliver Voigt einig. Weniger aber in Bezug auf die Art und Weise, wie diese Unterhaltung auszusehen hat: „Mehr Sex und weniger Chronik“, fordert Voigt. Euke Frank will genau das Gegenteil. Als sich Voigt und Frank 2005 das erste Mal im Café „Diglas“ in der Wollzeile im ersten Wiener Gemeindebezirk gegenübersaßen, war Voigt schnell klar: „Sie denkt quer und kommt nahe ans Ideal einer Chefredakteurin heran.“

VERRÜCKT GEWORDEN? Euke Frank feierte im Jänner ihr Zwei-Jahre-Jubiläum im vormaligen Chefsessel von Gründerin Uschi Fellner. Weil sie sich nicht wie viele andere aus dem News-Verlag der „Fellnerkarawane“ angeschlossen hat. Angerufen hatte sie Wolfgang Fellner zur „Österreich“-Gründungszeit mehrmals. Dass sie die Angebote ausschlug, lag letztlich an Franks Lebensgefährten, ZiB-Star Armin Wolf. „Er hat mich gefragt, ob ich verrückt geworden bin. Ob ich mir das tatsächlich antun will.“ Frank, die seit der Gründung des Blatts 2001 zur Chefredaktion des 45 Mitglieder starken „Woman“-Teams gehört, vermisst in ihrer jetzigen Position nur eines: das Schreiben. Was auch Kollegen bedauern: „Euke Frank ist eine sehr einfühlsame Interviewerin. Und eine gute Schreiberin, deshalb tut es mir leid, dass sie nicht mehr schreibt“, sagt Conny Bischofberger, „Woman“-Gründungsmitglied und jetzt Leiterin des „Sonntag-Kurier“.

IST „1st“ FAD? Als wäre die „Woman“-Chefredaktion nicht genug, konzipiert die Mutter zweier Kinder (acht und 16) im Frühjahr 2007 ein Personality-Magazin. „Lange, schöne Porträts und ausführliche Interviews“ – das war Euke Franks Plan. Die Anzeigenleitung von Gruner + Jahr sah das anders und reklamierte Mode und Beauty hinein. „Ins ‚1st‘ bin ich hineingeplumpst“, sagt Frank. Ganz glücklich ist der Start nicht verlaufen. 4.000 Abonnenten zählt das Hochglanzmagazin laut Voigt derzeit. Vom versprochenen Anspruch ist nicht viel zu bemerken. Das Interview mit Anna Netrebko in der ersten Nummer war ebenso glatt, wie die Werbesujets, die den Großteil des rund 200 Seiten starken Ziegels ausmachen. „‚1st‘ ist schön, aber verzichtbar“, sagt eine ehemalige Kollegin Franks, die nicht genannt werden möchte. „Es wird besser“, befindet die Chefredakteurin Frank, „obwohl es sich nicht tonnenweise verkaufen wird.“ Werner Schima, ehemaliger „News“-Chefredakteur und heutiger „Österreich“-Herausgeber, kennt Frank seit „Rennbahn-Express“ und „Basta“-Zeiten. Er konstatiert ihr „eine rasche Auffassungsgabe und ein gutes Sozialgespür.“ Trotzdem findet er das Magazin seiner langjährigen Kollegin schlichtweg „fad“.

ES BEGANN MIT BÜROMÖBEL. Begonnen hat Euke Franks journalistische Karriere beim Wirtschaftsverlag. Und das durch Zufall: Die Tochter aus, wie sie sagt „gutbürgerlichem Haus“ – Vater Kreativdirektor, Mutter Malerin -, hatte sich Ende der 1980er-Jahre auf der Wiener Universität für Publizistik und Politikwissenschaften eingeschrieben. Nachdem ihr die Eltern die Kinderbeihilfe gestrichen hatten, meldete sie sich auf ein Inserat des Wirtschaftsverlags und schrieb fortan über Büromöbel und Keramik. Als sie von der Möglichkeit eines Volontariats beim Nachrichtenmagazin „profil“ erfährt, bewirbt sie sich und der damalige „profil“-Chef Franz Ferdinand Wolf nimmt sie auf. Ihr ehemaliger Chronik-Kollege Christian Skalnik und heutiger Geschäftsführer des Redaktionsbüros „Langbein & Skalnik“, hat sie als „journalistisch engagiert“ in Erinnerung. „Sie hat ihren Weg gemacht und es war ein guter“, sagt er.

FELLNER: „HAUT MI NED VOM SOCKL“. Dass Journalismus spannender ist als die Uni, ist für Euke Frank ab diesem Zeitpunkt klar. Trotzdem: sie beißt sich noch eine Zeit lang weiter durchs Studium, um sich gegenüber den Eltern zu beweisen. 1988 stößt sie auf Wolfgang Fellners „RennbahnExpress“. Der gilt als herrisch und unnahbar. Drei Wochen lang quält sie seine Sekretärin, um einen Termin zu bekommen. Schließlich empfängt er sie. Die Beine auf dem Schreibtisch hochgelagert, das Gesicht hinter der „Bild“-Zeitung verschanzt. Als Frank ihm ihre Artikel vorlegt, kommentiert er die mit „haut mi ned vom Sockl“. Den Redakteursjob bekommt sie trotzdem. Euke Frank ist jeden Tag in der Redaktion, schreibt gleichzeitig Reportagen für Fellners Illustrierte „Basta“ und wird Chefreporterin. Für ihre erste große „Basta“-Reportage verbringt sie drei Tage im Flüchtlingslager Traiskirchen. Undercover. Etwas, was sie aus heutiger Sicht nicht mehr täte: „Als gut genährte Österreicherin zwischen armen Menschen zu sitzen, mit ihnen aus dem Blechnapf zu essen, aber ihnen nicht zu sagen, wer ich bin, hat etwas Obszönes“, findet sie. 1991 kommt ihre Tochter Jana zur Welt, drei Monate später beginnt sie wieder zu arbeiten: sie ist Alleinverdienerin, der Kindsvater Zivildiener.

JETZT KOMMT „NEWS“. Es ist Herbst 1992 und Wolfgang Fellner kommt aus den USA mit dem Plan „News“ zu gründen zurück. Wochen und Monate lang ruft ihr Mentor sie an, bis sie endlich zusagt, denn „Wolfgang Fellner hat etwas Euphorisierendes“. Nach einem kurzen Intermezzo in der „News“-Außenpolitik wechselt Frank in die Chronik, wo sie 1994 27-jährig als jüngste Ressortleiterin Nikolaus Glattauer ablöst. „Was mich treibt ist die Neugierde, sich auf Menschen einzulassen“, sagt Frank. Doch eben dieses, sich auf Menschen einzulassen, beginnt an ihren Nerven zu zehren: „Man ist in der Chronik oft mit argem Leid konfrontiert“, so Frank, „es war mit der Zeit für mich nicht mehr auszuhalten.“ 1999 zieht sie einen Schlussstrich, liefert gelegentlich Society-Berichte zu und bekommt 2000 ihr zweites Kind, Sohn Luis.

DIE ARBEITERIN. Im Frühjahr 2001 lässt sie sich erneut von Fellner breitschlagen. Diesmal geht es um die Gründung eines Frauenmagazins: Unter der Chefredakteurin Uschi Fellner entsteht 2002 „Woman“. Oliver Voigt beschreibt Frank als „Arbeiterin“: Während ihrer Zeit als Mitglied der „Woman“-Chefredaktion schreibt sie zwei Bücher. „Späte Mütter, frühe Väter“, gemeinsam mit den Medizinern Nadja Brandstätter und Georg Freude (Linde-Verlag, 2004) und „Promi-Politik. Prominente Quereinsteiger im Porträt.“ zusammen mit Lebensgefährte Armin Wolf (Czernin-Verlag, 2006). Über die Zusammenarbeit mit Wolf sagt Frank, es sei anstrengend gewesen. „Er ist so penibel und ich viel chaotischer“.

STUTENBISSIGKEIT. 2006 wechselt Uschi Fellner zu „Österreich“ und Euke Frank beerbt sie als „Woman“-Chefredakteurin. Seither ist das Verhältnis zwischen Frank und den Fellners ein gespanntes: Die“Österreich“-Samstagsbeilage „Madonna“ hat „Woman“ den Krieg erklärt. Euke Frank nimmt es gelassen: „‚Madonna‘ ist im Anzeigen- und Abo-Bereich nicht spürbar und die angebliche wöchentliche Auflage von 234.000 Stück halte ich für illusorisch. ‚Woman‘ mit knapp 600.000 Leserinnen, hat heute fast 15 Prozent mehr Abonnenten als vor zwei Jahren.“ Im Jänner 2006, als Frank Fellners Erbe antrat, hatte das Magazin etwa 75.000 Abonnenten, Ende Jänner 2008 sind es 86.000.

Zu einem Gespräch über die ehemalige Kollegin Frank sind, trotz mehrmaliger Anfrage, weder Wolfgang noch Uschi Fellner bereit. Die Angriffe, die Uschi Fell
ner gegen sie fährt, erklärt sich Frank damit, dass diese „Phantomschmerzen“ habe, „weil ihr ‚Woman‘ fehlt.“ „Schlammcatchen auf der Blutwiese interessiert mich nicht“, sagt Frank. Der Hick-Hack gipfelt in einem außergerichtlichen Vergleich.

Frank ist von ihrem Produkt überzeugt, auch wenn eine Ex-Kollegin meint, „Woman“ hätte unter ihrer Führung an „inhaltlicher und politischer Relevanz verloren“ und „Madonna“ habe die besseren Interviews und Porträts.“ Euke Frank setzt andere Maßstäbe: „Ich würde einiges anders machen, will meinen Redakteurinnen aber nicht alles vorschreiben. In meiner Zeit bei ‚News‘ waren viele Fragen vorgegeben und es wurde rigoros umgeschrieben. Das will ich nicht.“ Eine Arbeitsweise, die ihre Mitarbeiterinnen goutieren, die besonders das eigenständige Arbeiten, ihre fachliche Kompetenz schätzen und Frank als „am Boden geblieben“ beschreiben.

MIT 50 WEG. Trotzdem fragt man sich, ob Leserinnen von Frauenmagazinen nicht mehr zumutbar ist, als zu erfahren, welche Hosen die Frauenministerin bevorzugt und ob es nicht vergebene Chancen sind, Politikerinnen bei Interviews nicht auf politischen Fragen festzunageln. „Woman“ sei nicht das einzige Medium, aus welchem Frauen Informationen beziehen würden, lautet Franks Erklärung. Und dass die anspruchsvolleren Magazine aus Deutschland importiert werden, stört sie nicht. Schließlich sei es mit Produkten wie „Datum“ und „profil“ um den österreichischen Journalismus nicht schlecht bestellt. Letztlich ist es jedem zumutbar eine mündige Entscheidung zu treffen, findet Frank. „‚News‘ und ‚Österreich‘ können ruhig laut sein, solange es stimmt, was sie da rausbrüllen. Nicht laut sein ist unanständig, sondern lügen“.

Was macht eine Frau, deren Herausgeber als einzigen Kritikpunkt anführt, sie würde im Urlaub zu viel arbeiten, in ihrer Freizeit? Die verbringt sie mit denen, die ihr am wichtigsten sind: mit ihren Kindern. Ihrer Zukunft blickt Euke Frank entspannt entgegen: „Ich bin in zehn Jahren sicher nicht mehr bei ‚Woman‘. Eine 50-Jährige Chefredakteurin wäre nicht gut für das Produkt.“

Erschienen in Ausgabe 02+03/2008 in der Rubrik „Journalistin“ auf Seite 26 bis 29 Autor/en: Birgit Wittstock. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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