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Journalistin

„Das Museumsquartier ist mein Meisterstück“

Von Interview: Astrid Kuffner

Wie Daniela Enzi die PR eines der größten Kulturviertel der Welt managed und warum sie im Innenhof des Museumsquartiers Papierl aufhebt.

Daniela Enzi (41) ist Prokuristin und Stellvertreterin von Direktor Wolfgang Waldner in der Museumsquartier Errichtungs- und Betriebsgesellschaft in Wien. Die Linzerin leitet die Bereiche Marketing, Kommunikation, Personal, Event, Organisationsentwicklung und Customer Services in einem der größten Kulturviertel der Welt. Die Absolventin des Tourismuskollegs in Kleßheim ist Namensgeberin der Sitzmöbel im MQ-Innenhof, Bauchmensch, Problemradar, Vielrednerin und -Leserin.

Haben Fremdenverkehr und Kommunikation etwas gemeinsam?

Daniela Enzi: Man lernt anzupacken. Ich gehe täglich durch den Innenhof und hebe auch herumliegende Papierl im Haupteingang auf. Der Dienstleistungsgedanke ist in beiden Branchen stark und bei mir stehen immer die Besucher im Mittelpunkt.

Wie war Ihr Einstieg in die Kommunikationsbranche?

Der Weg war eher von Zufällen bestimmt. Beim Carl-Ueberreuter-Verlag habe ich mich ohne Vorkenntnisse für PR beworben wegen einer Anzeige: „Suchen Personen mit Liebe zu Büchern und Menschen“. Ein toller Einstieg! Ich hatte zunächst die Jugendsparte über, lernte und leitete schließlich den gesamten Buchsektor im PR-Bereich. Auch bei Essl habe ich mich 1994 aktiv beworben. Dass Assessment Center war kein Honiglecken.

War das breite Betätigungsfeld von Baumax bis Kunst eine gute Schule?

Ich habe sechs Jahre die gesamte Unternehmensgruppe betreut. Meine große Chance war Aufbau und Eröffnung des Essl Museums in Klosterneuburg kommunikativ zu gestalten. Wie ich das neben den Baumärkten alleine geschafft habe, weiß ich nicht mehr. Nach dem Erfolgserlebnis im Herbst 1999 mit 20.000 Gästen in drei Tagen habe ich gesagt: In der Kulturszene würde mich nur noch das Museumsquartier interessieren, und kurz darauf wurde ich gefragt. Ich war Wolfgang Waldners Wunschwahl und habe im Jänner 2000 faktisch in einem Baubüro angefangen. In den Umfragen damals war das noch der Messepalast und nicht das Museumsquartier (MQ).

Wo liegen die Herausforderungen in einem Kulturareal, das zu den zehn größten der Welt gehört?

Meine Aufgabe war die (inter-)nationale Positionierung in Tourismus und Kulturszene, der Aufbau der Besucher-Infrastruktur, des Eventbereichs und die Vorbereitung der Eröffnung. Bei Essl habe ich gelernt, alle Sparten der Kommunikation zu integrieren. Wir hatten eineinhalb Jahre Zeit das MQ auf Schiene zu bringen. Ein Kraftakt. Die dreitägige Eröffnung schupften drei Köpfe. Das MQ ist eine Marke geworden mit 3,5 Millionen Besuchern im Jahr. Die Gesellschaft ist Hausbesitzer, Hausverwalter, Hausmeister und Kulturveranstalter in einem und der Spagat zwischen Kunst und Wirtschaft ständig da. Die Ansprüche der Nutzer – von Kindermuseum, über Leopold Museum bis Architekturzentrum – sind total unterschiedlich. Diese exponierte Situation spornt uns zu Höchstleistungen an.

Sind Sie mit den Aufgaben gewachsen?

Das Museum Essl war mein Lehrstück, das Museumsquartier ist mein Meisterstück. Natürlich bin ich mit den Aufgaben gewachsen, aber ich glaube auch an meine Fähigkeiten. Ich bewahre den Überblick und decke in der Kommunikation viele Bereiche ab. Dabei arbeite ich sehr strukturiert, mit einem klaren Konzept für das MQ. Sonst hätte ich meine eigenen Vorgaben gar nicht erreicht. Ich führe über Ziele und meine Mitarbeiterinnen haben viel Spielraum. Ich bin ein Bauchmensch und kann viele Dinge nicht theoretisch erklären, die ich mache. Ich spüre aber, ob etwas passt, oder ob der Hund drin ist.

Wie arbeiten Sie mit dem Direktor des MQ zusammen?

Wir haben eine klare Aufgabenteilung, ein gutes Vertrauensverhältnis und ergänzen uns in Persönlichkeit und Naturell sowie in Strategiefragen. Für das Museumsquartier wollten wir von Anfang an dasselbe: einen belebten, entspannten Ort für Kultur schaffen, mit einem sehr breiten Kulturbegriff. Dafür haben wir schon viele Kämpfe gemeinsam durchgefochten.

Ist Kommunikation weiblich?

Ich weiß es nicht. Bei Interessenten für Kommunikationsjobs beobachte ich, dass die männlichen einfach nicht qualifiziert sind oder vermitteln, dass sie gerne den Job von Wolfgang Waldner hätten. Das hier ist ein beinharter Dienstleistungsjob.

Es ist kein Denkmal, aber das beliebteste Sitzmöbel Wiens ist nach Ihnen benannt…

Das Architektenduo PPAG hat in unserem Auftrag multifunktionale Objekte für die Außenflächen designt und angeblich immer den Arbeitstitel Enzi verwendet, weil sie Alleskönner sein sollten … Ganz realisiere ich das noch nicht, aber es freut mich, dass mein Name nach dem Thonet-Sessel und dem von Roland Rainer in die Designgeschichte eingeht.

Beruf, Familie, Freizeit – wie bringen Sie das unter einen Hut?

Meine Tochter kam Ende November 2000 auf die Welt. Ich war also nie ganz weg vom Job – die kräfteraubendste Zeit meines Lebens. Inzwischen geht sie in eine sehr gute Ganztagsschule mit Spätbetreuung und ich habe Unterstützung von meiner Familie. Ich gehe also auch aus, pflege meinen Freundeskreis und reise gerne.

Und woher kommt die viele Energie?

Ich glaube, die ist mir einfach gegeben. Ich kann aber auch wahnsinnig gut abschalten und entspannen.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2008 in der Rubrik „Journalistin“ auf Seite 56 bis 57 Autor/en: Interview: Astrid Kuffner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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