Warning: Use of undefined constant cms_navigation_js - assumed 'cms_navigation_js' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /var/www/journalist.at/www/htdocs/wp-content/plugins/cms-navigation/CMS-Navigation.php on line 361
Die Abenteuer im Topf - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2008 » Ausgabe 02+03/2008 »

Journalistin

Die Abenteuer im Topf

Von Sophia T. Fielhauer

Kriminelle Süppchen, koreanische Grammeln, Jakobsmuscheln à la Brüssel - fünf Medienfrauen lassen die Kochlöffel sprechen.

Küchenkrimis aus dem Riedenthal. Ihre Kochprüfung hat Autorin Eva Rossmann vor einigen Jahren absolviert. Die Recherche für ihren ersten Restaurantkrimi führte die Journalistin (ehemals „Oberösterreichische Nachrichten“) in Manfred Buchingers „Alte Schule“ und aus purer Faszination heraus gleich in die Kochlehre. Schon mit 14 Jahren stand sie aus Leidenschaft am elterlichen Herd.

Nun sorgt sie von Donnerstag bis Sonntag, 9 bis 21.30 Uhr, neben dem befreundeten Küchenchef und einem jungen Koch für deliziöse Speisen. In den Kochpausen finden Lesungen statt, schreibt Rossmann einen neuen „Mira Valensky“-Krimi (neun sind es bisher), Glossen und Kommentare für „SN“ und „Kleine Zeitung“ oder fährt demnächst mit den Buchingers und ihrem Mann Ernest Hauer (Ltg. „Journal Panorama“, Ö1) auf Urlaub in die Karibik – im Gepäck hat sie ihren neuen Krimi, Arbeitstitel „Die Russen kommen“. „Zum Glück gehöre ich zu den wenigen Autorinnen, die vom Schreiben leben können. Das Kochen ist mein unbezahltes, irrsinniges Hobby.“ Der aktuellen Koch-Hysterie kann die Autorin wenig abgewinnen: „Es gibt so viele aufgedrehte, doofe TV-Köche. Die Zuschauer glauben, dass sie ebenfalls perfekt kochen müssen. Sarah Wiener ist authentisch, Jamie Oliver ist mittlerweile ein Kunstprodukt. Das finde ich gefährlich. Die Medien machen viel kaputt.“

Am Restaurantherd oder vorne in der Gastwirtschaft küsst sie die Muse. Für das Drehbuch einer „Soko Kitzbühel“-Folge hat Eva Rossmann einen authentischen Streit zwischen einem Rinderbauer und einem Industriellen umgemünzt. „Ich höre hier sehr viele Geschichten, die ich nicht an mich reiße, aber freilich verstricken kann.“ Sie borgt Valensky eine ihrer vier Katzen, die dann „Gismo“ heißt. Dafür wedelt in „Wein & Tod“ Buchingers Schäferhund „Herkules“ als Vorbild für Filmhund „Reblaus“. Die Grazerin lebt seit 18 Jahren im Auersthal und liebt „gute, duftende Erdäpfel mit Butter“, die von hiesigen Biobauern stammen. Ihre Liebe zum Weinviertel werden Rossmann und Buchinger demnächst in einem kulinarischen Reiseführer dokumentieren. „Ich brauche nicht viel extra Freizeit, weil ich das mache, was ich wirklich gerne tue. Ich würde es bezahlt oder unbezahlt machen.“

Mutter am Herd. Küche, Kinder, Karriere – EU-Parlamentarierin Karin Resetarits, Mutter von vier Söhnen (24, 18, 15, sieben Jahre alt), sind alle „Ks“ ans Herz gewachsen. Allein schon deshalb betitelte sie ihr Kochbuch mit „Ja, ich koche gerne“. „Kommt eine Leidenschaft zu kurz, habe ich die Sehnsucht, die andere auszuleben.“ Im neu geplanten Familiendomizil in Altlengbach wird 2009 freilich die Küche als Herzstück und Lebensmittelpunkt prangen. Den 1950er-Fleischer-Kühlschrank hat sie bereits aus Antwerpen mitgebracht, das Innenleben klimagerecht umbauen lassen. „Für alles rund ums Kulinarische habe ich immer das meiste Geld ausgegeben – Einrichtung, Essen gehen, Zutaten.“ Jeden dritten Tag wacht ein Parlamentarier auf Reisen in einem anderen Hotelbett auf. Resetarits hat sich deshalb in Brüssel für eine Wohnung entschieden. „Für mich ist ein Zuhause immer mit einer Küche verbunden.“ Statt die zehn Restaurants in der Nachbarschaft zu beehren, kauft sie bei einem dem EU-Parlament nahe gelegenen Fischhändler lieber fünf Scampi und vier Jakobsmuscheln und richtet ihren Salat mit Zwiebel und Knoblauch an. Am Mittwoch ist es meist ein Kalbskotelett. Während in Strassburg die Kantine lockt, macht Resetarits in Brüssel lieber einen Bogen um sie herum und zieht Fertigsuppen vor. Als im Februar vor vier Jahren ihre „Restauration Marx“ entstand, platzte mitten in den „Marx“-Aufbau „HPM“ und das Mandat. „Das Restaurant war wie eine Schwangerschaft, die man nicht einfach abbrechen kann. Ich habe in der Gastronomie trotz Beratung alle Fehler gemacht, die man machen kann – ein enormer Lernprozess.“ Nach einem tollen Start setzte abends zu viel Ruhe ein. Umschwung zur eleganten „Mittagskantine“ und zum beliebten Catering-Service (Mo-Fr, 11-15 Uhr). Das junge Talent Patrick Müller („Silent Cooking“, Do, ORF1) kocht, seine Mutter Huberta kümmert sich um Geschäftsführung und Catering.

Wenn ihr Mandat 2009 beendet ist, wird Resetarits nicht mehr kandidieren. Wieder einmal steuert sie in ein neues Leben, plant im nächsten Jahr ihren Partner Martin Kraml („MMK Media“) zu heiraten. „Ich will als Mutter zur Ruhe kommen, viel zu Hause sein. Das öffentliche Leben ist vorbei, ich werde Kraml heißen und habe Sehnsucht, die Schulbank zu drücken.“ Bevorzugt mit dem Studium „Internationale Beziehungen“ an der Donau-Uni Krems. Im Herbst 2008 werden Resetarits und Kraml ein Patrick-Müller-Kochbuch herausbringen.

Die Übersetzerin. Nach 15 Jahren bei D+R werkt Uschi Korda seit zwei Jahren beim Bull-Verlag, sie ist Chefredakteurin des Fußballmagazins „Goal“. Derzeit interviewt sie Österreichs Nationalspieler, letzthin Roman Kienast in Oslo. Beizeiten porträtiert die Autorin, ihrer Leidenschaft gerecht, die Gastroszene für „Seitenblicke“. Uschi Korda ist eine eingefleischte Theoretikerin: „Eine journalistische Handwerkerin, die lieber andere kochen lässt“. Ihr erstes Kochbuch hat sie mit Alois Mattersberger verfasst. „Köche wissen, was sie am Herd tun. Schreiber sind sie keine, einzelne Schritte zu erklären fällt ihnen schwer. Deshalb bin ich ihre Übersetzerin.“ Mit der befreundeten Koreanerin Kim schrieb sie 2004 den Besteller „Kim kocht“ („Edition A La Carte“, 4. Auflage), sie erhielten den „International Best Women Cook-Book Award“. „Es war sehr lustig und viel Arbeit, Kims rudimentäre deutsche Angaben, teilweise in Lautsprache, zu übersetzen. Oft habe ich Stunden überlegt, was für eine Zutat das sein könnte. Ich bin sehr strukturiert und muss mir die Speisen vorstellen können.“

Es folgte ein Werk mit Alain Weissgerber (Restaurant „Blaue Gans“), das „Fabios“-Kochbuch (der In-Italiener in Wien, 1.), „Hanners Gourmet ABC“ und „Carpe Diem Fingerfood“ (die aktualisierte Ausgabe erscheint bald im Bull- Verlag).

Ihre Wohnung ist ideal gelegen – nahe dem Naschmarkt. Dort ist sie Stammkundin im Fischrestaurant „Umar“, liebt also Fisch, Meeresfrüchte und Gemüse. Aus ihrer Berufung erwachsen Freundschaften, wie jene mit Reinhard Gerer. „Wenn wir um 1 Uhr morgens am Naschmarkt ein Gulasch essen und er meint, den Kümmel könnte man auch weg lassen, finde ich das wunderbar. Er lebt im Kochen und überlegt sich ständig was Neues. Allein deshalb werden mir die Küchengeheimnisse nicht fad, das Kochen ist ein so weites Feld.“ Ein großer Wermutstropfen: „Weil sie Prüfungsstress befürchten, werde ich nur von wenigen Freunden zum Essen eingeladen. Zum Beispiel von Kollegin Michaela Ernst, eine sehr gute Köchin. Und Spitzengastronomie verträgt man ja nicht die ganze Zeit über, ich will auch mal einfach Kochsalat, Fischstäbchen oder ein Schnitzel essen.“

Ganz Österreich vorgekocht. „Krone“-Pressehaus, Fernschreiberkämmerchen, zwei Kochplatten. Die Kulturjournalistin und begnadete Köchin Hedi Schulz übernahm die Verköstigung der „Krone“-Mannschaft im samstags verwaisten Haus. Bis zu 20 Portionen gehobene Hausmannskost zauberte Schulz. Eva Deissen, damals 18 Jahre, sah begeistert zu, half und lernte – „in jeder freien Minute hab‘ ich ins Fernschreiberkammerl geschaut. Es war schön zu sehen, wie virtuos Hedi das gemacht hat“.

Als 1975 die „Nouvelle Cuisine“ aufkam, interviewte die Journalistin alle französischen Spitzenköche von Paul Bocuse abwärts. Die Serie „Die neue Kochkunst“ erschien vier Wochen lang täglich. „Ich habe mich bemüht, dass es Rezepte sind, die österreichischen Lesern zuzumuten waren.“ Die Mühe lohnte: vom „Gault Millau“ wurde Eva Deissen zur „Feinschmeckerin des Jahres“ gewählt. Für das „Neue Kronen Zeitung Kochbuch“ (1991) fuhr sie ein Jahr lang mit Fotograf Peter Lehner durch die Bundesländer, ließ prominente Köche Leserrezepte interpretieren, andere hinzufügen. Gemeinsam mit Traude und Thomas Meier-Schomburg verfasste Deissen 2001 „Nasch mich, ich bin der Markt. Anekdoten. Rezepte. Einkaufstipps aus dem Bauch von Wien“.

Seit fünf Jahren beim „Echo“-Verlag, schreibt Deissen Gastronomie-Geschichten in „Wien live“, von Montag bis Freitag ihre Kolumne in „Heute“. Kommt sie abends müde nach Hause, kocht sie asiatisch – etwa Glasnudelsalat mit Koriander, Sojasprossen und geröstetem Rindfleisch. Inzwischen selbst begnadete Köchin, bittet Deissen regelmäßig zu Tisch. Ihren Gästen serviert sie beglückend Deftiges wie Kalbsnierenbraten, Schnitzel oder Rindsrouladen.

Redaktionsküche. Ein Riesenerfolg – zwei Auflagen, je 1.500 Stück. Dabei war das „derStandard.at/Kochbuch“ (2006) erst nur als Geschenk für Kunden und Mitarbeiter gedacht. In gesamt zwölf Koch-Sessions haben zwölf Redakteure aus allen Abteilungen von „derStandard.at“ die liebsten Rezepte aller Mitarbeiter – Vor-, Haupt- und Nachspeisen – in einem angemieteten Kochstudio zubereitet und dabei Schritt für Schritt fotografieren lassen – kein leichtes Unterfangen, noch dazu im Hochsommer (viele Rezepte sind unter „derStandard.at/Essbar“ abrufbar; das Kochbuch käuflich unter „derStandard.at/Leichtsinn“). Auch Vorstand Gerlinde Hinterleitner war beim Kochreigen mit dabei. Petra Eder, Chefin vom Dienst und Ressortleiterin „Panorama“, weiß, wie das in Schicht Rühren und Braten jenseits der redaktionellen Aufgaben an die Substanz ging. „Bei 35 Grad schmolz der Mürbteig fast weg. Am Abend waren immer bis zu 20 Leute der Belegschaft zur Verkostung eingeladen. Doch alle haben dazugelernt, selbst bei den Küchenwerkzeugen. Die kochenden Redakteure hatten Spaß, waren abends aber fix und fertig.“

Die Mutter einer fünfjährigen Tochter muss kochen – „halblustig, weil Kinder so heikel sind“. Dabei kocht Eder schon 20 Jahre aus Vergnügen, doch das ist ein großer Unterschied. Sie schmökert in Kochbüchern, lässt sich von „Kerner kocht“ anregen und lädt gerne Freunde ein, so Zeit bleibt. Was ihr vom Redaktionskochen noch anhaftet: „Oh weh, jetzt habe ich diesen Kochschritt gar nicht fotografiert.“

Erschienen in Ausgabe 02+03/2008 in der Rubrik „Journalistin“ auf Seite 32 bis 32 Autor/en: Sophia T. Fielhauer. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;