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Journalistin

Frauen im Netz(werk)

300 Journalistinnen zählt das Frauennetzwerk. Ein Kernpunkt der Netzwerktätigkeit ist eine gesteigerte Wahrnehmung der qualifizierten Frau in der Berichterstattung.

Immer mehr Frauen drängen als Journalistinnen in die Redaktionsstuben der heimischen Print- und Funkmedien. Von Entlohnungen und Aufstiegschancen wie sie die männlichen Kollegen erleben, können Medienfrauen aber oft nur träumen. In Netzwerken versuchen Journalistinnen ihr Know-how zu bündeln, um mehr Chancengleichheit zu erreichen. Gleichzeitig soll die Quote der Meinungsmacherinnen in Medienberichten aus dem Keller geholt werden.

Der Blick auf die Zahlen verursacht bei Journalistinnen hängende Mundwinkel. Trotz besserer Ausbildung weniger Lohn und obendrein meist in der zweiten Reihe, wenn es um die Vergabe von Führungspositionen geht.

Auf diese drei Punkte lassen sich die Ergebnisse der ersten empirischen Erhebung “ Journalisten und Journalistinnen in Österreich“ verdichten, die das Medienhaus Wien im Vorjahr veröffentlichte. Die detaillierte Auswertung der anonymisierten Daten von 5.585 Journalisten und Journalistinnen spricht eine deutliche Sprache.

Insgesamt arbeiten 7.100 Menschen als freie oder feste Journalisten in unserem Land, gute 41 Prozent davon sind Frauen. Doch der Teufel liegt im Detail. Zwar haben 41 Prozent der Journalistinnen einen Akademikertitel (29 Prozent bei den Journalisten), doch nur 31,6 Prozent verdienen mehr als 3.000 Euro brutto (57,9 Prozent bei den Kollegen) und mit neun Prozent erreicht die Zahl der Journalistinnen in Führungspositionen (18 Prozent der Männer) nicht einmal den zweistelligen Bereich.

Soweit so schlecht. So schlecht, dass sich bei der Veröffentlichung der Zahlen sogar Frauen- und Medienministerin Doris Bures (SPÖ) für eine Frauenförderung in diesem Beruf aussprach. Im ewigen Kampf gegen die „gläserne Decke“ bräuchte es mehr Aus- und Weiterbildung, Vorbilder und geeignete Kinderbetreuungsplätze. Doch auf Hilfe von außen zu warten, kann lange dauern und während Politikerinnen noch unspezifisch vom „Aufholbedarf für Frauen im Journalismus“ sprechen, haben selbige das Problem bereits vor Jahren in Angriff genommen.

Netzwerken. Um der Stimme im Kampf gegen Ungleichgewicht bei den beruflichen Chancen und gegen Einkommensscheren Nachdruck zu verleihen, muss der Gemeinschaftssinn unter Journalistinnen geweckt werden. Mit diesem Ziel ging vor neun Jahren das größte Journalistinnen-Netzwerk „Frauen Netzwerk Medien“ an den Start. Vereinsvorsitzende Karin Strobl, Journalistin der Tageszeitung „Österreich“ zählt heute knapp 300 zahlende Mitglieder, die auch aus der PR-Branche kommen. „Wir bieten Medienarbeiterinnen die Chance, sich innerhalb der Branche zu vernetzen. Über eMails werden hier zum Beispiel rasch offene Jobangebote ausgetauscht.“ Darüberhinaus gibt es monatliche Treffen, medienpolitische Diskussionen, den Austausch von Know-how und für Einsteigerinnen „Mentoring“, bei dem erfahrene Journalistinnen berufsbegleitende Tipps geben. Die Idee ist auch andernorts auf fruchtbaren Boden gefallen. In Oberösterreich hat sich 2002 das Frauennetzwerk Oberösterreich gebildet, kurz danach öffnete das Salzburger Pendant seine Pforten. „Diese Netzwerke sind zwar unabhängig vom Frauen Netzwerk Medien Wien, aber wir arbeiten eng zusammen“, sagt Strobl.

Expertinnen. Ein Kernpunkt der Netzwerktätigkeit in Wien, Oberösterreich und Salzburg ist eine gesteigerte Wahrnehmung der qualifizierten Frau in der Berichterstattung. Denn es fehlt nicht viel, um von einer Abwesenheit von Frauen als Ansprechpartnerinnen in den Nachrichten zu sprechen. Die jüngste Untersuchung dazu liegt zwei Jahre zurück und brachte Erschreckendes ans Licht, wie Alexandra Buhl Projektleiterin von Medienfrauen.net, ein Gemeinschaftsprojekt des Frauen Netzwerk Medien, Club Alpha und dem Frauennetzwerk des OÖ Presseclubs, erzählt. „2005 erhoben wir an einem Stichtag, es war der 12. Februar, die Präsenz von Frauen in den heimischen Medien in den Hauptnachrichten. Es war ein besonders schlechtes Ergebnis: Frauen waren an diesem Tag – inklusive aller Ressorts, Texte und Bildtexte – nur zu elf Prozent vertreten.“ Abseits der Hauptmeldungen stieg der Wert immerhin auf 18,5 Prozent. Trotzdem keine Glanzleistung, und beschämend, gibt es ein wirklichkeitsfremdes, aber beeinflussendes Gesellschaftsbild wieder.

Abhilfe soll die so genannte Expertinnen-Datenbank leisten: gegründet aus dem aberwitzigen Irrglauben, es gäbe nicht genügend Expertinnen, die zitiert werden könnten. „Wir haben mittlerweile 630 Expertinnen auf unserer Datenbank, die als Ansprech- und Interviewpartnerinnen zur Verfügung stehen, und wöchentlich kommen zwei bis fünf Damen dazu“, erläutert Alexandra Buhl. Wie Medienfrauen heute vernetzt arbeiten, weiß auch Universitätsassistentin Bettina Duval vom Klagenfurter Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft: „Frauennetzwerke und Online-Plattformen kreieren neue Wissens-, Arbeits- und Bildungsräume. Das ist das Ergebnis einer drei Jahre dauernden Forschung zur virtuellen Vernetzung von Frauen. Frauennetzwerke leisten einen wertvollen Beitrag zur Sichtbarkeit von Fachfrauen und helfen dabei diese schnell und einfach zu finden.“

Zuckerbrot & Peitsche. Schließlich schadet es nicht, ab und zu herausragende Leistungen von Journalistinnen zu würdigen. Insbesondere dann, wenn es sich um Beiträge handelt, die Frauen zum Inhalt haben. Das Frauen Netzwerk Medien möchte mit seinem Journalistinnenpreis „Die Spitze Feder“ Mut machen, vor allem frauenpolitische Themen den Lesern und Leserinnen näher zu bringen. Die Damen des Vereins können aber auch anders. Für „medial festgehaltene Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens“ sowie allgemeine Medienberichte, die in die Schublade Frauenfeindlichkeit fallen, gibt es ebenfalls eine – zwar ironische aber trotzdem irgendwie ernst zu nehmende -Auszeichnung: das Handtaschl.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2008 in der Rubrik „Journalistin“ auf Seite 46 bis 46. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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