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Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott

Von Kilian Kirchgeßner, Prag

Am Telefon ist seine Stimme kaum zu erkennen. „Dobrý den, tady Karel Gott“, sagt er auf Tschechisch, die Leitung rauscht dazu. Am Abend trete er live im Fernsehen auf, wir könnten uns ja davor auf einen Kaffee am Wenzelsplatz treffen. Ich möchte die Geschichte schreiben von Karel Gott, dem Superstar – und nicht die von Karel Gott, dem Schlagersänger, der auf ewig mit der Biene Maja auf der Bühne steht. In Tschechien ist der Mann, der stark auf die 70 zugeht, so etwas wie ein Nationalheld. Er war es, der im Kommunismus die Hits von Elvis, den Beatles und Frank Sinatra nach Prag brachte – und dafür wird er bis heute verehrt. „Bozsky Karel“ nennen ihn die Tschechen, den „göttlichen Karel“. Während unseres Gesprächs im ansonsten schwach frequentierten Kaffeehaus füllen sich diesmal die umstehenden Tische im Rekordtempo, verstohlen schauen die anderen Gäste herüber. Und sobald ich das Band abgeschaltet habe, stürmen sie los an unseren Tisch, um ein Wort mit ihrem Helden zu wechseln. Und die Rechnung übernimmt am Schluss der Oberkellner höchstselbst – „wenn Sie mir dafür ein Autogramm schreiben könnten, Meister!“ Meister nennen ihn hier alle. Es ist der höchste inoffizielle Ehrentitel, den die Tschechen kennen. In der Geschichte des Landes haben sie ihn exakt zwei Mal vergeben: Neben Karel Gott trägt ihn nur Jan Hus, der böhmische Reformator aus dem Mittelalter.

Internet: www.karelgott.com

Erschienen in Ausgabe 02+03/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 81 bis 81 Autor/en: Kilian Kirchgeßner, Prag. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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