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„Ich gebe einfach gern einem Mann Befehle“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2008 » Ausgabe 02+03/2008 »

Journalistin

„Ich gebe einfach gern einem Mann Befehle“

Von Heike Hausensteiner

Bei Frauenzeitschriften kommen Journalistinnen am ehesten unter. Aber wie geht es den wenigen Männern, die dort arbeiten? Einige von ihnen waren zu einer Stellungnahme bereit, sie bestätigen und widerlegen allfällige Klischeevorstellungen.

Hahn im Korb“ oder wenn es heißt, „Zickenalarm“, das mag Alex Schütz gar nicht. Er ist Chef vom Dienst und Textchef der monatlich erscheinenden „Wienerin“ und damit auf Ebene der schreibenden Redaktion der einzige Mann. Er könne keines der Vorurteile über Frauenzeitschriften bestätigen, sagt er. Meinungsverschiedenheiten würden unter Männern oft über die Hierarchieebene ausgetragen. In Frauenteams sei das nicht der Fall, berichtet Schütz aus seiner Erfahrung. „Hier geht es einfach netter zu insgesamt“. Und dabei seien seine Kolleginnen kreativer und auch motivierter. „Die Konfliktkultur ist reifer.“ Das weibliche Team der „Wienerin“ beweise, „es geht auch anders“, und erzeuge einen anderen Flow – was mehr Kreativität bewirke. In seiner zweijährigen Tätigkeit für die „Wienerin“ habe er noch kein einziges Mal erlebt, dass man sich in der Redaktion anschreit. Unter Männern komme das sehr wohl vor, „wenn die Alpha-Tierchen erst einmal auspacken“.

Wird bei der „Wienerin“ gekocht? Ja, doch. Zwei männliche Kollegen, die in der Redaktion nicht schreibend tätig sind, tun es. Einfach, um sich gesund zu ernähren. Man könne doch nicht darüber schreiben, wie man sich richtig ernährt, „und dann tun wir’s selbst nicht“, sagt der Chef vom Dienst. Nur er selbst geht mit schlechtem Beispiel voran und holt sich manchmal eine Schnitzelsemmel, aus Zeitgründen, wie er bekennt. Als Textchef einer Frauenzeitschrift will Alex Schütz seinen Job professionell machen. Als Mann muss er freilich manchmal schmunzeln: Wenn es im Beauty-Bereich heißt, Rosa-Töne seien in und nach drei Monaten heißt es, sie seien wieder out.

Kein Korrektiv. Warum hat Karen Müller, Chefredakteurin der „Wienerin“, ausgerechnet einen Mann als Textchef geholt? „Ich gebe einfach gern einem Mann Befehle“, bekennt sie auf Anfrage. „Als männliches Korrektiv für weibliche Blödheiten hab ich ihn jedenfalls nicht engagiert.“ Dennoch hält Müller gemischte Teams prinzipiell für besser. „Geistige und energetische Monokultur ist nirgendwo inspirierend. Weder in der Formel 1 noch in einer Frauenzeitschrift.“ Sollte jemand Klischeevorstellungen haben, so treffen sie einfach nicht zu. „Der Teufel trägt Prada“ – den verfilmten Roman von Lauren Weisberger scheint man bei der „Wienerin“ zu hassen wie der Teufel das Weihwasser. Frauen intrigieren böswilliger? Alles nicht wahr. Zwischenmenschliche Probleme seien unabhängig vom Geschlecht, meint Textchef Alex Schütz.

Männliches „Woman“. Die Realität in der Welt der Mode- und Frauenmagazine sei „nicht halb so glamourös“, wie im „Teufel trägt Prada“ geschildert, berichtet auch Jörg Bertram. Er leitet bei der 14-täglich erscheinenden „Woman“ aus dem News-Verlag das Ressort für Home, Reise und Trends. Und ist der einzige Mann in der mehrköpfigen Chefredaktion. Die Gründe für seine Position in der Frauenzeitschrift beschreibt seine Chefin Euke Frank folgendermaßen: Jörg Bertram habe ein besonders gutes visuelles Gespür. „Er sucht liebevoll und mit Hingabe zum Detail seine Trendstorys zusammen und ist ein exzellenter Schreiber. Ich erkenne darin keinerlei typisch männliche Eigenschaften.“ Jedenfalls sei er „kein bewusst eingesetzter Mann, der ‚Woman‘ männlicher machen soll. Das würde er sich vermutlich verbieten“, erklärt Chefredakteurin Frank.

Von den fünf männlichen Redaktionsmitgliedern bei „Woman“ ist Jörg Bertram denn auch der einzige Kollege, der zu einer Stellungnahme bereit ist. Er arbeitete früher u. a. auch für „Elle“ und beschreibt sehr wohl differenzierte Erfahrungen. „Frauen intrigieren anders als Männer“, aber am Ende komme das gleiche Ergebnis heraus. Das liege an der unterschiedlichen Art anzugreifen. „Ein Mann bohrt dir den Dolch in die Brust und schaut dir dabei in die Augen“, so Bertram. „Eine Frau besticht dich mit dem Giftpfeil von hinten.“ Einen einzigen Vorteil als Mann in einer Frauenredaktion kann er erkennen: Es ist immer Platz am Herrenklo. Und noch etwas fällt dem Ressortleiter auf: Er redigiert sehr viel und ertappt sich manchmal selbst dabei, wie er seine Kolleginnen dazu ermuntert, emanzipatorischer aufzutreten, und ihnen sagt, „ihr seid stärker“. Aber vielleicht ist man(n) da „besonders sensibilisiert“, meint der gebürtige Deutsche selbstbewusst. Dennoch glaubt Jörg Bertram nicht, dass er erzieherische Arbeit leistet. „Das machen andere wie ‚Emma‘, nicht wir.“ Im Übrigen ist in den „Woman“-Räumen Kochen ebenso ein Thema. Das erste Kochrezept, das in der Redaktion ausgetauscht wurde, wechselte zwischen Jörg Bertram und einem Grafiker den Besitzer. Ganz einfach auch deshalb, „weil die meisten Kolleginnen gar nicht kochen können“.

Frauen kennen lernen. Pawel Sledz scheint an seiner Arbeit bei einer Frauenzeitschrift zu schätzen, „dass ich meine Kenntnisse auf dem Frauengebiet verbessern kann. Dass ich mich besser in der Kosmetik, Schönheit etc. auskenne und dadurch vielleicht einen Vorteil gegenüber anderen Männern habe, die einen sicherlich dafür beneiden, mit so vielen weiblichen Kolleginnen zu arbeiten“. Sledz ist bei der „Wienerin“ für Marketing, Online und Produktion zuständig. Er glaubt ebenfalls, dass das Arbeitsklima in einer Frauenzeitschrift durch männliche Mitarbeiter „aufgelockert“ wird.

„Die meisten Frauen sind besser strukturiert als Männer“, streut Michael Kunz von der „Wienerin“-Anzeigenabteilung seinen Kolleginnen Rosen. Meistens seien sie „auch ehrgeiziger, aber ein Streit unter Frauen eskaliert leichter als bei Männern“. Geht man(n) nach der Arbeit auch auf ein Bier mit den Kolleginnen? „Natürlich geht man auch miteinander fort, statt Bier kann es auch Wein oder ein Cocktail sein. Es ist sicherlich anders als mit männlichen Kollegen aber nicht schlechter“, meint Anzeigenberater Kunz. „Wienerin“-Chefredakteurin Karen Müller hingegen tut es „leider selten. Weil ich abends meine zwei Kinder ins Bett bringe“, so ihre Begründung.

Noch ein Unterschied tut sich offenbar auf: Martin Bauer hat die Erfahrung gemacht, dass im Gegensatz zu den weiblichen Redaktionsmitgliedern die männlichen Schreiber „bei aller Berufsethik doch manchmal die monetäre Seite einer Blattgestaltung nicht ganz aus den Augen verlieren“. Bauer ist für das Anzeigengeschäft u.a. der „Welt der Frau“ verantwortlich, die von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs herausgegeben wird; die monatlich erscheinende Frauenzeitschrift hat ihren Redaktionssitz in Linz und speziell in den ländlichen Gebieten ihr Leserpublikum. Sowohl die Chefredaktion als auch die Geschäftsleitung besetzen Frauen. „Das Anzeigengeschäft bei Monatsmagazinen ist grundsätzlich in den letzten Jahren sehr viel schwieriger geworden“, berichtet Martin Bauer. Bei den Mediaagenturen und in den Marketingabteilungen arbeiten hauptsächlich Frauen. Die Zusammenarbeit funktioniere grundsätzlich sehr gut. Dabei seien Frauen „vorwiegend freundlich, aber eher auf der unverbindlichen Seite zu finden“. Im Gegensatz dazu würden die wenigen in der Agenturszene tätigen männlichen Kollegen „eher auf den Punkt kommen und Perspektiven des möglichen Geschäftes – positiv wie negativ – klar definieren“.

Plaudertaschen. Der Nachteil, wenn man als Mann für eine Frauenzeitschrift arbeitet? Peter Weisz ist Fotochef bei „Diva“, die ebenso wie die „Wienerin“ von der Styria Multi Media AG herausgegeben wird, und beantwortet die Frage so: „Der Nachteil ist, manchmal versteht man nicht, was eine Frau meint. Der Vorteil ist, manchmal versteht eine Frau sehr gut.“ Gefragt nach dem allfälligen Lärmpegel, meint er, „well, Damen plaudern gerne“.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2008 in der Rubrik „Journalistin“ auf Seite 48 bis 49 Autor/en: Heike Hausensteiner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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