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ARCHIV » 2008 » Ausgabe 02+03/2008 »

Editorial

Sie lieben und sie hassen sich

Der Freund meines Freundes ist auch mein Freund und der Feind meines Feindes … Aber wer ist wessen Freund, wer wessen Feind? Viele Jahre war das bei Österreichs Verlegern weitgehend klar. So klar, dass sich praktisch nichts mehr bewegte. Hier die Mediaprint, da die Bundesländerfürsten. Innovationsbereitschaft – bis auf die Styria – praktisch Null.

Das hat sich gewaltig geändert. Sicher wegen der neuen Konkurrenz durch Fellners „Österreich“ und Eva Dichands „Heute“. Verstärkt aber auch wegen der extrem guten Wirtschaftslage. Wer hätte gedacht, dass Stellenanzeigen und Rubrikenmärkte nochmals einen ernsthaften Beitrag für die Verlagsbilanzen liefern und die Unternehmen tief in die schwarzen Zahlen hineinschieben würden. Wer 2007 nicht zweistellige Zuwächse schaffte, darf wohl ungestraft Idiot genannt werden. Zur Klarstellung: Es gibt keine Idioten. Dafür strotzen alle vor Ideen – auch vor Mut.

Überraschenderweise verändern sich in diesem Umfeld die gewohnten Bindungen. Es entstehen dabei nicht nur neue Freundschaften, sondern auch unerwartete Feindschaften: Hermann Petz (Moser Holding, Innsbruck) hat sich massiv mit Andreas Cuturi (Wimmer Medien, Linz) angelegt. Horst Pirker (Styria, Graz) hat sich mit Petz zusammengetan – und damit ebenfalls Cuturi zum Gegner gemacht. Eugen Russ (Vorarlberger Medienhaus, Schwarzach) versucht bei Max Dasch („Salzburger Nachrichten“) Fuß zu fassen. Petz und Russ arbeiten in der Schweiz zusammen. Dasch fühlt sich heute bei der Mediaprint besser aufgehoben als bei seinen Bundesländer-Kollegen, bei Cuturi dürfte das inzwischen ähnlich sein. Petz erklärt Dasch bei jeder Gelegenheit, dass er ihm die Last des Verleger-Daseins gerne abnehmen würde …

Dass in diesem heiklen Umfeld Platz für Gemeinsames entsteht, ist eigentlich kaum denkbar – und doch passiert solches. Wenn uns vor einem Jahr jemand prophezeit hätte, dass die Chefredakteure der Bundesländerzeitungen gemeinsam zu Interviewterminen gehen würden – wir hätten alle herzlich gelacht.

„Arena08“, die EURO-Beilage von „Kleine“, „Presse“, „VN“, „SN“, „TT“ und „OÖN“, ist die zweite große Überraschung und verdient die klare Einordnung „sensationell“. Dass österreichische Zeitungsmacher solches auf die Füße bekommen, hätte ich bis vor kurzem ausgeschlossen. Dass sie es aber bei ihren derzeitigen Frontlinien hinbekommen, müßte als unmöglich gelten. Sollten jetzt auch noch ein paar Anzeigen kommen und vielleicht am Ende auch noch ein kleiner Gewinn übrig bleiben, könnte das der Beginn für viele neue, längst überfällige Projekte sein – und zugleich eine enorme Aufwertung für das Produkt Tageszeitung.

Wer nun meint, dass die Verlage endlich das Große im Sinn haben und sich vom Kleinkram des Alltags gelöst haben, irrt gewaltig. Ein besonders ärgerliches Beispiel wird derzeit in Linz gemeldet. Eine Journalistin ist kürzlich von den „OÖNachrichten“ zur „OÖ. Rundschau“ gewechselt – zugegeben zwei herzlich verfeindete Medien. Jetzt droht der Frau eine Klage wegen Verstoß gegen eine Konkurrenzklausel, die sie in ihrem Arbeitsvertrag bei den „Nachrichten“ unterschrieben hatte. Ein ganzes Jahr dürfte sie laut Vertrag bei keiner Zeitung in Österreich, Deutschland und Tschechien (!) arbeiten. Das ist ein Berufsverbot.

Im Übrigen dürfte man bei den „Nachrichten“ auch nicht sehr weit gedacht haben. Erst auf der Wanderschaft bekommen Leute ihren letzten Schliff. Das ist in jedem Beruf so, Journalisten sind da keine Ausnahme. Von der Wiege bis zur Bahre, das mag im Lesermarkt ein nachvollziehbarer Wunsch sein, bei den Mitarbeitern wäre es der Tod jedes Wettbewerbs um Qualität und Ideen.

Apropos Wettbewerb. Knapp zwei Monate noch bis zum 9. „European Newspaper Congress 2008“. Die besten Zeitungsmacher Europas werden sich von 20. bis 22. April im Wiener Rathaus treffen und dort ihre Innovationen und Konzepte vorstellen. Wer macht die besten Zeitungen in Europa? Wer hat die spannendsten Konzepte? Wer hat neue Ideen?

Wer seine Zukunft vor allem als Wettstreit der besten Ideen sieht, sollte sich diesen Termin unbedingt vormerken – auch die Magazinmacher, die sich schon mal auf ihre künftigen Nachbarn im Mediengeschäft einstellen können.

Die „Journalistin“ ist traditionell unsere erste Ausgabe im neuen Jahr. Für alle Zahlenfüchse: Der ORF hat mit 1.585 Journalistinnen die meisten Frauen in der Redaktion, davon 317 als Ressort- oder Redaktionsleiterinnen. „News“ hat mit 55,9 Prozent den höchsten Frauenanteil.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2008 in der Rubrik „Editorial“ auf Seite 5 bis 7. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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