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ARCHIV » 2008 » Ausgabe 02+03/2008 »

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Sprechstunde

Was Sie schon immer über Medien wissen wollten. Dr. Media beantwortet drängende Fragen der Branche.

Wieviel verdienen die Fellners mit „News“?

Dr. Media: Die „News“-Gründer sind mit durchgerechnet exakt 18,675 Prozent am größten Magazinkonzern des Landes beteiligt. Vor dem Start von „Österreich“ haben sie auf alle Mitspracherechte und den Sitz im Gesellschafterausschuss verzichtet. Sie bekommen lediglich eine testierte Bilanz – und den Anteil am Gewinn. Bei einem Umsatz von rund 150 Millionen Euro und – wie Insider sagen – einer nicht schlechten Umsatzrendite von knapp über 12 Prozent macht das im Jahr rund 3,25 Millionen. Damit kann man gerade noch die Zinsen für die erste Kredittranche für die Gründung von „Österreich“ zahlen. Oder auch nicht. Da nicht alle aus der Familie bei „Österreich“ involviert sind. Ganz klar ist das freilich nicht, das Firmen-Konvolut bei „Österreich“ wird immer unübersichtlicher. Immer neue Stiftungen. Rasend seriös sieht das jedenfalls nicht aus.

Warum schreibt Dieter Kindermann immer noch in der „Krone“?

Dr. Media: Nach einem Konflikt mit Herausgeber Hans Dichand sollte der altgediente Innenpolitik-Profi eigentlich das Haus verlassen. Es ging um eine Serie zum neuen EU-Vertrag, es gab Meinungsverschiedenheiten. Jetzt schreibt Kindermann immer noch. „Er ist mehr mit dem Job als mit seiner Frau verheiratet“, sagen „Krone“-Auskenner. Letzter Stand: Kindermann verlässt mit Mitte des Jahres das Haus, pensionsreif ist er wie dort viele längst (das Jugendbild in seiner Kolumne täuscht). Nachfolge offen. Oliver Pink von der „Presse“ hat defintiv abgesagt.

Gibt es einen Machtkampf in der „Krone“?

Dr. Media: Offenbar, und das nicht nur auf Gesellschafter-ebene zwischen den Hälfteeigentümern WAZ und Hans Dichand. Auch in der Redaktion wird gematcht. An einem Sonntag (10. Februar) durfte Claus Pandi auf Seite fünf einen ganzseitigen Essay schreiben. „Regieren ohne Mühe und Meinung, aber heiter“. Er geriert sich als neuer Hausintellektueller der „Krone“, zitiert beflissen Wolf Lepenies, Hans Magnus Enzensberger und Henryk M. Broder. Für „Krone“-Leser vielleicht unverständlich. Darüber stand absurderweise auch „Reportage“.

Tags darauf schlug Peter Gnam (gilt als besonders netter Kollege) zurück. Mit einer ganzen Seite drei und großem Foto: „Politik inoffizell“. Erscheint normalerweise nur am Wochenende. Nur: Gnam, auch pensionsreif, braucht sich nicht fürchten. Pandi will die Innenpolitik nicht, will am liebsten nach Kärnten, dort wollen sie ihn nur nicht so sehr. Irgendwie ist dort Handlungsbedarf.

Ist die „Krone“ frauenfreundlich?

Dr. Media: Ja. In keinem anderen Medium des Landes steigen Frauen so sehr auf. Von der einfachen Sekretärin zur Journalistin mit großen Geschichten. Manche in der „Krone“ sprechen gar von einem Diktat der Sekretärinnen, alle gefördert von Hans Dichand. Manches liest sich gut, anderes sollte man vielleicht nicht drucken.

Wie mächtig ist Eva Dichand in der „Krone“?

Dr. Media: Sehr. Die Herausgeberin und Geschäftsführerin der immer besser werdenden Gratiszeitung „Heute“ mischt ordentlich mit. Auf direktem Weg. Sie macht es nicht mehr über Umwege, braucht nicht Gatten Christoph (Chefredakteur) oder Schwiegervater Hans (Herausgeber). Sie ruft direkt an. Und treibt damit zum Beispiel „Adabei“ Karin Schnegdar zur Verzweiflung. Nicht wenige Geschichten wurden reinreklamiert.

Wie die Familie Dichand immer sagt, haben „Heute“ und „Krone“ nichts miteinander zu tun. Man kennt sich halt.

Gibt es wieder einen Buchtipp von Dr. Media?

Dr. Media: Ja gerne. „Speak German“ von Sprachgroßmeister Wolf Schneider. Untertitel: „Warum Deutsch manchmal besser ist“ (Rowohlt, 160 Seiten, 15,40 Euro). Schneider geißelt die falschen Anglizismen. „Joggen“ soll laufen bedeuten, wörtlich übersetzt heißt es freilich „schlurfen, sich fortbewegen“. Mit dem Wort Handy können Englischsprechende übrigens auch nichts anfangen. Gute Lektüre für Sprachtüfftler.

Welcher Dolm verhindert Antonia Rados im ORF?

Dr. Media: Die Frau ist Weltklasse, keine Frage. Manchmal ein bisserl kapriziös, aber das sind Stars nun mal. Der ORF-Eigenbau brillierte seit 14 Jahren bei RTL. Nach dem Abgang von Hans Mahr, der als Chefredakteur dem Sender Info-Kompetenz gebracht hat, dürfte sie sich beim Privatsender nicht mehr so wohl gefühlt haben. Und wechselt nun zum ZDF. Sie will neben aktuellen Berichten aus Krisenregionen auch große Dokumentationen drehen. Und dafür gibt es bei RTL kaum Sendeplatz.

Rados (sie liebt Wien) hat auch mit dem ORF gesprochen – mit Infodirektor Elmar Oberhauser. Der hat offenbar die Chance nicht erkannt und man verblieb ORF-typisch irgendwie. Ergebnislos. Oberhauser wäre gut beraten, die ZDF-Dokumentationen von Rados anzukaufen.

Was treibt eigentlich Wolfgang Maier?

Dr. Media: Der frühere „News“-Chef hat in einem großspurigen Interview mit einer Satirezeitung gesagt, er mache es nie wieder unter Chefredakteur. Dann ging er notgedrungen doch zu „Österreich“, zuständig für redaktionelles Marketing (Eigeninserate, Kochbücher etc.). Damit ist Schluss. Gert Edlinger, Geschäftsführer der Redaktionsgesellschaft, sprach im „Standard“ von einem lang geplanten Sabbatical. Entweder kennt Edlinger sich nicht aus oder er spricht nicht immer die Wahrheit. Maier, der eine lange Asien-Reise vor hat: „Ich komme nicht zurück. 15 Jahre Bergwerk sind genug.“

Maier war Gründungsmitglied der Fellner-Illustrierten „Basta“, war dann in Deutschland („Playboy“), dann bei „TV-Media“ und „News“. Wohin es ihn zieht ist offen.

Wie gut ist eigentlich Uschi Fellner?

Dr. Media: Sehr gut. Ihr Arbeitseinsatz ist enorm, die von der Co-Herausgeberin von „Österreich“ verantworteten Teile werden immer besser. Manchmal blitzen bei ihr nur Bildungslücken durch. Anlässlich der vom TV-Publikum gut aufgenommen Verfilmung von „Krieg und Frieden“ (Regie: Robert Dornhelm) fragte sie die Redaktion, ob jemand wisse wie die letzte Folge ausgehen könne. Und dann der schöne Satz, den nicht einmal Bösmeinende erfinden können: „Gibt es zu dem Film auch ein Buch?“

Dr. Media beantwortet in der „Journalist“-Sprechstunde regelmäßig Leserfragen zur Medienbranche. Fragen bitte per eMail an: sprechstunde@ oberauer.com

Erschienen in Ausgabe 02+03/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 88 bis 89. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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