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Medien

Der neue Lobbyist der Verleger

Von Interview: Johann Oberauer

Gerald Grünberger hat Walter Schaffelhofer als Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Zeitungsherausgeber und Zeitungsverleger abgelöst.

Zuerst Sekretär des Staatssekretärs für Medien, jetzt mit 38 Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Darf man schon zur beruflichen Endstation gratulieren, Herr Grünberger?

Gerald Grünberger: “Endstation” ist für mich in Verbindung mit Venedig ein ganz spannender Krimi Donna Leons, aber keine Lebensperspektive. Schon gar nicht beruflich. Der Job des Verbandsgeschäftsführers ist spannend und ich habe das Gefühl, dass man einiges bewegen kann.

Die aktuelle Medienpolitik – Ihr Eindruck?

Ich sehe eine gewisse Mutlosigkeit.

Verleger-Präsident Horst Pirker hat Sie geholt. Sind Sie auch sein Mann?

Ich bin weder der Mann von dem noch von dem. Sehr wohl beeindruckt und beeinflusst mich Horst Pirker mit seiner Aufgeschlossenheit, seiner guten Auffassungsgabe und seiner Fähigkeit, die Dinge schnell auf den Punkt zu bringen. Aber ebenso beeindrucken mich auch beispielsweise Eugen Russ wegen seines Online-Engagements oder Hermann Petz wegen seines Verhandlungsgeschicks.

Und Wolfgang Fellner? Wann haben Sie zuletzt mit ihm gesprochen?

Das ist schon länger her. Da “Österreich” kein VÖZ-Mitglied ist, haben wir auch keine Berührungspunkte.

Die Abneigung der Altverleger gegen den Neuverleger sitzt ja ziemlich tief. Nur Brotneid?

Von Neid kann keine Rede sein. Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber es gibt wohl auch Erfahrungen im Umgang miteinander, die in der Vergangenheit liegen. Ich möchte das nicht beurteilen. Für mich gilt die klare Beschlusslage: Der VÖZ-Vorstand hat den Aufnahmeantrag der Tageszeitung “Österreich” im Vorjahr einstimmig abgelehnt. Und ich sehe keine Anzeichen, dass sich da in nächster Zeit etwas ändern würde.

Eben waren die Verleger zur traditionellen Jahrestagung in Hochgurgl. Wie war denn die Stimmung?

Ausgezeichnet – und ausgesprochen konstruktiv. Wir haben uns bei diesem “Gipfeltreffen” eingehend mit den ordnungs- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für unsere Medienunternehmen verlegerischer Herkunft beschäftigt, auch mit Entwicklungsperspektiven unserer Branche. Natürlich gibt es “Baustellen”, wo wir anpacken müssen. Und dafür haben wir uns ein Arbeitsprogramm zurechtgelegt.

Neben Schifahren und Sonnenbaden war in Tirol auch Zeit für den Presse- rat. Nichts Besseres zu tun gehabt?

Vielleicht ein bisserl schnoddrig: Abgegangen ist der alte Presse- rat ja irgendwie nicht. Aber im Ernst: Selbstregulierung ist notwendig und gehört zu einer entwickelten Medienkultur. Ich habe mir eine Lösung innerhalb des nächsten Jahres vorgenommen.

Was haben Sie sich für den traditionellen Lieblingsfeind der Verleger vorgenommen, den ORF?

Der ORF ist auf Grund seiner dominanten Marktstellung natürlich ein Faktor, mit dem man sich auseinander setzen muss. Das Thema Online brennt uns in diesem Zusammenhang schon länger unter den Nägeln. Es ist ja einzigartig in Europa, wie der ORF mit Gebührengeld machen kann, was er will. Im Internet sammelte er 2007 so ganz nebenbei inzwischen rund 14 Millionen Euro an Werbegeld ein. Das kann ja nicht sein!

Wie groß ist der Online-Markt in Österreich und wie verteilt er sich?

Alle Medien zusammen haben im vergangenen Jahr 40 Millionen umgesetzt, Google alleine ebenfalls 40 Millionen. An Hand dieser Zahlen kann man erkennen worin die Herausforderung für die Zukunft liegt.

In Deutschland sorgt eben eine Online-Kooperation von WDR und WAZ für Aufsehen. Bei uns nicht denkbar?

Denkbar ist natürlich vieles, allerdings birgt die angesprochene Kooperation eine gewisse Gefahr in sich, auf die man sich nicht leichtfertig einlassen sollte. Das duale System – also ein öffentlich-rechtlicher Rundfunkveranstalter, der mit öffentlichem Geld agiert – einerseits, und private Medienhäuser, die sich frei am Markt bewegen müssen, andererseits unterliegen – ob sie wollen oder nicht – unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten und Verpflichtungen, die eine klare Grenzziehung erfordern. Die kommerzielle Verwertung von öffentlich finanziertem Content ist zweifelsohne ein Grenzgang.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Medien” auf Seite 72 bis 75 Autor/en: Interview: Johann Oberauer. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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