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Die Sprecher der Medien
Von Astrid Kuffner
Nun haben auch Tageszeitungen den professionellen Umgang mit der Öffentlichkeit entdeckt. Sie leisten sich Pressesprecher - drei Porträts.
Lisa Berger
Moserholding, Leiterin der Kommunikation
Seit Anfang März ist Lisa Berger an Bord der – zur Zeit rasch expandierenden – Moserholding tätig. Es ist also zu früh, um über Erfolgserlebnisse im Job zu sprechen. Gerade ist die Leiterin der Kommunikation dabei, alle Bereichsverantwortlichen, die Geschäftsführer der verschiedenen Töchter und so viele Mitarbeiter wie möglich kennenzulernen, auch um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Denn neben klassischer Öffentlichkeitsarbeit möchte sie in der internen Kommunikation Mittel finden, um Mitarbeiter noch strukturierter und umfassend über Vorgänge im Konzern zu informieren. Zu ihren Qualifikationen für den Job gehören Neugierde, der innere Antrieb, Dinge umzusetzen, und Berufserfahrung im Kommunikationsbereich. Vergleichbar ihrer vorhergehenden Position als Pressesprecherin des Ministers Platter, sitzt die Tirolerin in der Geschäftsleitung, ist informiert und kann sich in Abstimmung mit dem Vorstand überlegen, wem, was und wie kommuniziert wird. Zum Warum ihrer Funktion meint sie: “Wo, wenn nicht in einem Kommunikationsunternehmen, soll dem Thema Kommunikation ein entsprechender Platz eingeräumt werden?”
Die Unternehmensziele der Moserholding sind mehrschichtig wie ihre Produkte: ein Expansionskurs im Bereich Gratiswochenzeitung, Kooperationen für Synergieeffekte (z.B. Joint Venture mit der Styria) und eine Ein-Marken-Strategie rund um die “Tioler Tageszeitung”. Das Stichwort lautet Multi-Chanelling: Die Kräfte werden gebündelt und viele Kanäle in Zukunft mit einer Redaktion bedient: “Diese Antwort auf die globale Entwicklung wird auch für die ‘Oberösterreichische Rundschau’ beispielgebend sein”, so Berger. Mastermind hinter strategischen Entscheidungen ist Geschäftsführer Hermann Petz. Lisa Berger konzentriert sich in der Unternehmenskommunikation darauf, diese Entscheidungen nach innen und außen transparent zu machen. Ein Verlagshaus vereint ihre Interessensgebiete Medien, Politik und Kommunikation optimal: “Die Geschwindigkeit in der Branche ist beeindruckend, die handelnden Personen oft ein Erlebnis. Das gefällt mir!”.
Steckbrief:
Geboren am 24. März 1977 in Kitzbühel
Matura 1995 am BORG St. Johann/Tirol
1996/97: Studium Jus und Politikwissenschaft an der Uni Innsbruck
1997 bis 1999: Höherer Speziallehrgang für Tourismusmanagement in Kleßheim
1999 bis 2001: Abschluss Politikwissenschaft, ein Jahr ERASMUS-Studium in Bologna
2001 bis 2003: Pressesprecherin von Landesrat Günther Platter, Tiroler Landesregierung
2003 bis Dezember 2005: Pressesprecherin von Verteidigungsminister Günther Platter
2006: Geburt ihrer Tochter Leni, Karenz
ab 2007: Referentin im Kabinett des Innenministers
seit März 2008: bei der Moserholding
Sarah Kriesche
“Die Presse”, Unternehmenskommunikation
Bei der Tageszeitung “Die Presse” kommuniziert Sarah Kriesche seit Februar 2007 potenziell mit allen: Lesern, Mitarbeitern, Abonnenten, Medienvertretern und der Öffentlichkeit allgemein. Die Gewichtung liegt aber”momentan bei der internen Kommunikation”, so die Unternehmenskommunikatorin. Die langjährige Radiomacherin besetzt die neu geschaffene Stabsstelle der Geschäftsführung und arbeitet eng mit dem Marketing zusammen. Schließlich gilt es, den Wandel und die Neuausrichtung einer ehrwürdigen Institution zu kommunizieren. Der fand bereits 2005 statt, was den Lesern nicht entgangen ist. Nun soll es aber auch den (noch) Nicht-Lesern kommuniziert werden. Im Arbeitsalltag wird Sarah Kriesche “ressortübergreifend in alle Projekte, die intern oder extern von Interesse sind, eingebunden”. Schließlich ist es – wie in anderen Unternehmen auch – in einem Medienhaus wichtig, die Botschaften der Geschäftsführung direkt nach innen oder außen zu tragen, (Informations-) Wege zu verkürzen und eine Anlaufstelle für Fragen von allgemeinem Interesse zu haben. Es ist dies die erste Pionierleistung der Grazerin im Printbereich, wobei die größte Herausforderung bisher war, die Stabsstelle “als Bindeglied zwischen den einzelnen Abteilungen, abseits der linearen Aufgaben im Haus zu etablieren”. Sie schätzt an ihrem Quereinsteiger-Dasein, die Arbeit mit Menschen sowohl intern als auch extern und die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung. In der Kommunikation hält sie vor allem die Abgrenzung zu anderen Medien für schwierig. Es gilt täglich das Credo: “Wie kann man ein Qualitätsmerkmal durch Kommunikation darstellen?”. Dazu benötigt man ihrer Ansicht nach, was man für jeden Job braucht: Man muss es gerne machen.
Steckbrief:
Geboren am 17. Jänner 1975 in Graz
nach der Matura 1993 Wechsel nach Wien
Studium der Veterinärmedizin (nicht abgeschlossen)
Sprecherausbildung bei Viktor Handlos (ORF),
Mit Start der Privatradios (1997/98) begann sie bei Radio RPN als Moderatorin und Redakteurin
1999 bis 2000: Aufbau einer Radiostation auf Gran Canaria (für Touristen, deutsch/englisch)
2001 bis 2002: Aufbau “Party FM” in Wiener Neustadt
2002 bis 2007: Moderatorin/Redakteurin Hitradio Ö3 (zuletzt “Ö3 Wecker” im Team von Robert Kratky und Comedyautorin)
seit Februar 2007: bei der “Presse”
Wolfgang Renner
“Wiener Zeitung”, Leitung Marketing und Kommunikation
“In der Zeit der Wissens- und Informationsgesellschaft für ein Medium zu arbeiten, gehört zu den spannendsten, interessantesten und erfüllendsten Tätigkeiten meines gesamten Arbeitslebens”, sagt Wolfgang Renner – und er hat schon viel gemacht. Lange Jahre bestritt er alle erdenklichen strategischen und kommunikativen Aufgaben bei den Austrian Research Centers. Der richtige Zeitpunkt für die “Wiener Zeitung” und den Leiter der Unternehmenskommunikation kam Anfang 2007. Seine Funktion wurde als Reaktion auf den sich rasant ändernden Medienkonsum – von der Zeitung zum elektronischen Medium – installiert, um neue Bereiche im Verdrängungswettbewerb zu finden. Vielfalt und Mehrfachnutzung stehen im Mittelpunkt seines Handelns.
“Kommunikation in allen Facetten zu gestalten und damit Dinge bewegen zu können”, fasziniert ihn über die Bürostunden hinaus. Ein zentraler Zusatznutzen seiner Arbeit ist für ihn, “dass ich mich in einem ‘lernenden System’ bewege und mir viele Kontakte zu den unterschiedlichsten Gesellschaftssystemen eröffnet werden”. Zeitungen sieht Wolfgang Renner als Spiegel der Gesellschaft. Daher ist Zeitung “machen” für ihn keine Einbahnstraße: “Man muss sehr viel antizipieren und ständig neue Themenfelder entwickeln”, so Renner. Austausch mit Interessensgruppen ist daher das Kerngeschäft des Kommunikators. Die LeserInnen und PartnerInnen der Wiener Zeitung hält er für sehr anspruchsvoll, wobei es kein Nachteil ist, die älteste Tageszeitung der Welt, angesiedelt im Qualitätssegment, zu vertreten.
Das Thema Netzwerke ist die “alles umspannende Klammer in meinem Arbeitsalltag”. Er betreibt Relationship Management zum Großteil nach außen – hin zu Kunden und Partnern. Bei der Umsetzung sind Teamwork und Transparenz seine Schlüssel zum Erfolg. Die wichtigsten Eigenschaften sind für den mehrfach ausgezeichneten Strategen: positives Denken, Kommunikationsfreude, Loyalität und Lust am Neuen. An Fertigkeiten für den Job sind diplomatisches Geschick und Umsetzungskraft gefragt.
Steckbrief:
Geboren am 19. August 1958 in Ottenschlag (NÖ)
Ausbildung: Gebrauchsgrafik an der Wiener Kunstschule
Universitätslehrgang für Werbung und Verkauf an der Wirtschaftsuniversität Wien
Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft mit Nebenfach Philosophie an der Universität Wien (nicht abgeschlossen).
Zusatzausbildungen: NLP – Neurolinguistisches Programmieren (Österreichisches Trainingszentrum Wien)
Dialektik und Rhetorik (WU Wien).
Derzeit in Ausbildung: MSc
(Executive Management) Abschluss August 2008
1981 bis 1983: Tusch Druck Verlag GmbH: Produktion, Umsetzung und Gestaltung von Zeitschriften und Büchern aus den Bereichen Wirtschaft,
Kultur, Geschichte
1983 bis 1994: Austria Today Verlag GmbH; Art Direction: Gestaltung und Produktion des österreichischen Magazins in englischer, französischer und deutscher Sprache (vertrieben auf allen fünf Kontinenten) .
1985 bis 2006: Austrian Research Centers: Stabsstelle der Geschäftsführung; verantwortlich für “Corporate Communications”: Public Relations-Management, Pressesprecher, Medienarbeit, Eventmanagement, Design des elektronischen Auftritts, interne Kommunikation, Werbung
Seit 2007 Wiener Zeitung GmbH, verantwortlich für Marketing und Kommunikation
Die Tageszeitung “Österreich” hat ebenfalls eine Stelle für die Unternehmenskommunikation eingerichtet, die mit Anfang Mai 2008 neu besetzt wird. Eine Nachfolge für Rita Davidson, die im Februar 2007 Carola Purtscher ablöste, die den Start des Projekts im September 2006 begleitet hatte, ist noch nicht bekannt.
Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “PR” auf Seite 54 bis 61 Autor/en: Astrid Kuffner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
