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Special
Ein Spaziergang wird das keiner
Von Elisabeth Horvath
Groß, schlank, knabenhaft mit ihrem Kurzhaarschnitt, so kommt sie daher, die neue APA-Ressortchefin Innenpolitik. Mit raschem Gang und festem Schritt – zielstrebig, dynamisch, zupackend – ganz so, wie auch ihr Arbeitsstil ist. “Sie macht einen sehr toughen Eindruck”, sagt die langjährige “Kurier”-Innenpolitikerin Daniela Kittner.
Katharina Schell, 36, seit 2006 Kulturredakteurin im “Kurier” und stellvertretende Ressortleiterin, kehrte Mitte April als Ressortchefin Innenpolitik in die APA zurück, wo sie zuvor schon acht Jahre werkte. Ihr Vorgänger Leopold Mayr wechselt in den Rechnungshof. Dort wird der Ex-APA-Mann eine Redaktionsabteilung aufbauen und den Leuten Lust zum Schreiben machen. Mit dem Ziel: “Rechnungshofberichte sollen lesbar werden” (Mayr). Damit sei er weiterhin in der Politik, nur etwas ruhiger werde es zugehen.
Der wichtigste Job. In der Tat ist gerade in einer Nachrichtenagentur das Ressort Innenpolitik eine besondere Herausforderung. Deren Leitung ist der wichtigste Job im Nachrichtenmedium – sowohl vom Journalistisch-Politischen her als auch vom enormen Zeitaufwand. Ein Rund-um-die-Uhr-Job. Man sei “Sklave der Technik”, man gehe mit dem Handy ins Bett, so Insider. Dazu kommt ein irres Tempo. Eine Tageszeitung ist wenigstens irgendwann einmal fertig produziert, in der APA geht es Ende nie. Und die Chefin muss stets erreichbar sein und Entscheidungen treffen. Das ist kein Spaziergang.
Aufgewachsen bei der Großmutter in Wien, der sie “sehr viel verdankt”, Mutter Deutsche, absolviert Katharina Schell im neusprachlichen Gymnasium im 17. Bezirk die Matura. Danach gibt sie ihr inzwischen zweijähriges Musikstudium (Klavier und Blockflöte) auf und studiert Germanistik und Skandinavistik an der Universität Wien. Das Studium schließt sie mit dem Magisteum ab. Während ihrer Studienzeit werkt sie als Fraktionslose in der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) in der Studienrichtung Germanistik. Zuständig ist sie für Beratung, Studienplan und Mitspracherecht der HochschülerInnenschaft. Am UOG ´93 wirkt sie mit. Daneben verfasst sie als “Lohnschreiberin” (Eigendefinition) Artikel in verschiedenen Fachzeitschriften.
Interventionsresistenz. Ihre journalistische Laufbahn startet Schell 1998 in der APA als freie Mitarbeiterin. Gleichzeitig leitet sie die Öffentlichkeitsarbeit beim freien Radio Orange 94.0. Lizenzerteilung und der Aufbau der Regionalradio-Behörde sind damals die Themen. 2000 holt der damalige APA-Medienredakteur Johannes Bruckenberger die quicke und vife Kollegin in sein Ressort, dessen Leitung Schell übernimmt als Bruckenberger zum Chef vom Dienst und später zum stellvertretenden Chefredakteur avanciert. Im Medienressort bearbeitet Schell ein hochpolitisches Feld: KomAustria-Gesetz, ORF-Gesetz, ORF-Stiftungsrat. Dadurch kennt sie alle Leute, was ihr jetzt als Innenpolitik-Chefin besonders zugute kommt.
Schon damals hat sich Katharina Schell einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Kompetent, klug, mit einem Schuss Ironie, präzise, ernsthaft und vor allem: unbeeinflussbar von Interventionen. Unter konkreten Beweis gestellt hat sie diese Eigenschaft, als sie im Frühjahr 2006 interimistisch das Kärntner APA-Büro leitete. Sich der Medienpolitik eines Jörg Haider und seiner Entourage zu entziehen, das sei schon was, sagen erfahrene APA-Kollegen. Und APA-Chefredakteur Michael Lang nennt ihre “Interventionsresistenz” gar als einen der Hauptgründe für die Entscheidung pro Schell. “Denn das ist gerade bei uns im Nachrichtenmedium besonders wichtig.”
Und der Ressortchefin selbst ist dies ebenfalls ein starkes Anliegen: “Auch bei kritischer Berichterstattung muss man Äquidistanz pflegen. Man darf sich nicht angreifbar machen. Das macht journalistische Kompetenz aus. Deshalb schätze ich das Geschäftsmodell APA. Das ist ein gewisser journalistischer Luxus – auch wenn man auf Namen und Bild verzichtet.”
Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Special” auf Seite 100 bis 101 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
