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Beruf

Nachwuchssuche

Von Thomas Seifert

Die Idee zu Reporter 08 ist von einer Aktion von Starreporter Nicolas Kristof von der “New York Times” inspiriert. Er hat die Aktion “Win a Trip to Africa” ins Leben gerufen. Ein junger Leser oder eine junge Leserin sollte ihn auf eine Reportagereise nach Afrika begleiten. Eine wunderbare Idee: Ein Reisegefährte oder eine Reisegefährtin begleitet mich auch auf eine Reportagereise. Doch die Idee einfach zu “kupfern” ist nicht “Presse”-Stil, also entwickeln wir bei einem Brainstorming die “New York Times”-Idee weiter. Wie gut, dass es Chefs gibt: Peter Krotky (DiePresse.com) und Chefredakteur Michael Fleischhacker greifen den “Presse”-Werbeclaim “Für die, die selbst entscheiden” auf und regen an, dass die Kandidaten sich mit ihren eigenen Reportage-Ideen bewerben sollen. Die, die selbst entscheiden, sollen auch sagen ‘wo’s lang geht.

Das Online-Team macht sich an die Programmierung der Reporter-08-Site, die Marketing-Abteilung freut sich darauf, “Guerrilla-Marketing” für die junge Zielgruppe auszuhecken.

Hearing. Am Ende gibt es dann rund 250 Bewerbungen, von denen sich zwölf dem User-Voting stellen. Fünf Finalisten werden am Ende in die Redaktion zu einem Hearing vor der Jury eingeladen (neben einem “Presse”-Team nimmt auch ORF-Reporterlegende Friedrich Orter, FM4-Chefin Monika Eigensperger und “Presse”-Kolumnistin, Buchautorin und Reporterin Sibylle Hamann an der Sitzung teil). Die Qualität der Präsentationen ist beeindruckend: Eine Finalistin imponiert mit einer ausgezeichneten Diashow ihrer Arbeiten in Ost-Timor, eine zweite durch ihren lebendigen Vortrag. Doch am Ende überzeugt Peter Babutzky, der es als Nummer Sechs gar nicht in die Finalrunde geschafft hätte, wenn nicht einer der Finalisten krankheitsbedingt ausgefallen wäre.

Da sitzt er also und präsentiert seine Idee: Ist Bioethanol aus Zuckerrohr, das in Brasilien in jeden Tank kommt, unterm Strich gut oder schlecht für Umwelt und Klima?

Schneller Vorlauf: Peter, Lucas de Freitas, ein brasilianischer Student, der in Wien internationale Entwicklung studiert und uns nach Brasilien begleitet, und ich stehen in einem Zuckerrohrfeld und lassen uns alles Wissenswerte über die Kultivierung dieses Energieträgers erklären. In den kommenden Tagen werden wir die Kritik von Greenpeace hören, die Ansichten einer Soziologin, die die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen schlicht “unmenschlich” findet, aber auch die hoffnungsvollen Stimmen, die im Ethanol einen Beitrag zur Lösung der Energiekrise aber auch Exportchancen für die brasilianische Landwirtschaft sehen.

Zwei arbeitsreiche Wochen, wir legen 2.256 Kilometer mit dem Auto zurück, fliegen in den Nordosten des Landes, wo die Zuckerrohrernte gerade in vollem Gang ist, recherchieren bis spätabends und schicken in der Nacht unsere Bilder und Blogbeiträge in die Redaktion nach Wien. Es macht Spaß, in einem Team zu arbeiten, sonst bin ich immer allein unterwegs. Und es macht auch Freude, Peter bei der Arbeit zuzusehen: So kann man sich einen frischen Blick auf die Dinge erhalten. Von Reporter 08 habe ich mindestens ebensoviel profitiert wie Peter Babutzky. Besonders motivierend ist, wenn man vor Augen geführt bekommt, dass die Arbeit, die man selbst macht, für Nachwuchsjournalisten ein Traumjob ist. Mal sehen, wer Reporter 09 wird.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Beruf” auf Seite 90 bis 90 Autor/en: Thomas Seifert. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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