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Mehr als nur Sambaklischee
Von Peter Babutzky
“Hallo?” – “Ja, Hallo! Hier ist Julia Warnick von DiePresse.com. Spreche ich mit Peter Babutzky?” – “Ja” – “Du bist ja leider bei der Online-Abstimmung von Reporter 08 rausgeflogen. Nun: Es hat sich etwas geändert. Einer der Finalkandidaten hat uns abgesagt, da er krank im Bett liegt. Und wir wollten dich nun fragen, ob du morgen doch noch kommen möchtest, um deine Reportage-Idee zu präsentieren?”
Lange musste ich nicht überlegen. Denn seit ich zum ersten Mal von Reporter 08 gelesen hatte, war ich begeistert von der Idee, eine Reportagereise in ein fernes Land zu unternehmen. In welche Region der Erde meine Reportagereise gehen sollte, war für mich schnell klar – nach Brasilien. Ich verbinde mit diesem Land mehr als nur eine flüchtige Klischee-Vorstellung von Samba und Fußball. Denn einer meiner besten Freunde – Lucas Freitas – kommt aus São Paulo, der größten Stadt des Landes.
Das Zielland stand also fest, nun brauchte ich nur noch ein Thema: Österreich hatte am 1. Oktober 2007 begonnen, normalem Benzin Ethanol beizumischen und pries dies als bedeutenden Schritt im Kampf gegen den Klimawandel an. Brasilien ist da schon weiter: Denn dort werden die meisten Autos nicht mehr mit Benzin, sondern nur noch mit 97-prozentigem Alkohol (Ethanol) angetrieben. Brasilien hatte sich im Jahr 2006 gar vom Erdöl unabhängig erklärt. Doch von Seiten der Kritiker heißt es: Der Treibstoff Ethanol mag sauber sein, doch die Herstellung ist eine schmutzige Sache.
In meinen Augen ein spannendes Thema und offensichtlich sah das nicht nur ich so, sondern auch die Jury-Mitglieder in der “Presse”-Redaktion, denen ich meine Idee vorstellen durfte. Wenige Stunden nachdem feststand, dass Thomas Seifert und ich nach Brasilien fliegen würden, begannen schon die Reisevorbereitungen. Einen Übersetzer hatten wir in meinem Freund Lucas Freitas gefunden.
Lucas und ich begannen, in den kommenden Wochen die Reise zu planen und zu organisieren: Recherche, eMails, Telefonate, Briefe aufsetzen, übersetzen – die Vorbereitungen nahmen sehr viel Zeit in Anspruch, viel mehr als ich je gedacht hätte.
Als die Lufthansa-Boeing 747 am 16. Februar auf der Landebahn in São Paulo aufsetzte, war ich sehr froh, die vielen Wochen der Organisation endlich in die Tat umzusetzen.
Der normale Reportagetag in Brasilien sah meist so aus, dass wir um neun Uhr am Morgen unser erstes Interview führten und erst um zehn am Abend wieder ins Hotel zurückkamen, wo auf mich dann das Blog-Schreiben wartete. Es waren sehr intensive, spannende und aufregende Tage für uns alle, in denen ich sehr viel lernte. Besonders von Thomas, der auch in den stressigsten Situation die Ruhe behielt.
Thomas Seifert und der “Presse” bin ich zu großem Dank verpflichtet, dass sie dieses Projekt ins Leben gerufen haben und mir diese einmalige Chance geboten haben. Schön, dass die “Presse” das Projekt fortsetzt und ab nächstem Herbst wieder einem jungen Menschen als Reporter 09 die Chance gibt, eine spannende Idee, eine interessante Reise zu verwirklichen.
Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Beruf” auf Seite 90 bis 91 Autor/en: Peter Babutzky. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
