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Sprechstunde

Wie geht es in der “Krone”-Innenpolitik weiter?

Dr. Media: Voraussichtlich mit Juli folgt Nadia Weiss auf das alte Schlachtross Dieter Kindermann, der als freier Mitarbeiter aber weiter tätig sein soll. Weiss führte bislang die großen Interviews in der “Krone” – und hat zuletzt vorrangig Politikthemen gewählt.

Kultstatus in der Branche hat freilich ihre Interviewreihe “Auf eine Melange mit Hans Dichand”, die in der Gratiswochenzeitschrift “LiVe” erscheint. Dort interviewt sie den “Krone”-Herausgeber für das Blatt von Schwiegertochter Eva. Hoffentlich auch in Zukunft. Einfach köstlich, was bei Synergien im Haus Dichand so herauskommt.

Die gebürtige Südtirolerin Weiss (geboren 1975 in Bozen) studierte nach der Matura in Wien Psychologie. Ihre journalistische Laufbahn begann 1999 bei der “Krone bunt”, dann wechselte sie als Kulturredakteurin zum “U-Express”, dem Vorgängerprojekt von “Heute”, und brachte es dort zur stellvertretenden Chefredakteurin. Sie ist mit Eva Dichand befreundet und wird von dieser auch nach Kräften gefördert. In Society-Kreisen sorgte Weiss mit ihrer Dann-doch-nicht-Hochzeit mit dem Sohn von Karl Schwarzenberg für heftiges Getuschel.

Für ein “Journalist”-Interview stand sie nach Rücksprache mit Hans Dichand nicht zur Verfügung: “Es ist noch zu früh.” Dr. Media wünscht viel Erfolg mit der neuen Aufgabe, ein erster Ansatz von Generationswechsel kann der “Krone” nicht schaden. (Zum Thema: Ein Porträt der neuen APA-Innenpolitikchefin Katharina Schell finden Sie auf Seite 100).

Warum hat die “Krone”-Astrologin kein Foto?

Dr. Media: Interessante Frage. Ja, das ist auffällig, so ein Horoskop ohne Autorenfoto. Sind wir das nicht gewohnt von Helga Kuhn, Gerda Rogers & Co? Wie sieht sie aus, die Riccarda Ritter, die neue Astro-Dame der “Krone”? Ist sie jünger als ihre Vorgängerin, die Mittsiebzigerin Adelinde Rumpler, die mit Foto deuten durfte? Ein Blick auf die Homepage www.riccarda-ritter.at hilft da leider nicht weiter. Man kann das “Krone”-Phantom auch in der Schweiz und in Deutschland erreichen – in der Münchener Eulenspiegelstraße 86 ist jedenfalls der Hauptsitz von “Riccarda Ritter, Institut für Psychologie und Astro-Analyse”. An dieser schalkigen Adresse residiert auch das “Pressebüro Sonja Bogner”. Dieses beliefert – das ist des Rätsels Lösung – unter dem Künstlernamen “Riccarda Ritter” mehrere Verlage. Große Mühe macht man sich dort für die “Krone” offenbar nicht. Der Blick in die Sterne fällt oft sehr piefkonisch aus. Von Pfunden statt von Kilos ist da zu lesen; wenn was rund läuft wird die sicher jeder “Krone”-Leserin bekannte deutsche Trainerlegende Sepp Herberger bemüht… In der “Krone” schaut sich das vor Drucklegung wohl keiner an -ist ja nur eine der meistgelesenen Seiten.

Betreibt Eva Dichand “Guerillataktik”?

Dr. Media: Ja, und sie steht auch dazu. Wortwörtlich. Sie hat sich zur “Guerillataktik” entschlossen und ruft alle “Österreich”-Inserenten persönlich an. Zwecks Aufklärung über den “Anzeigenbetrug”, den Wolfgang Fellner mit seinem Mix aus Kauf- und Gratiszeitung betreibe (Dr. Media und der “Journalist” distanzieren sich in aller gebotenen Deutlichkeit von diesem Vorwurf). Die erfolgreiche “Heute”-Macherin (Umsatz 2007: 20 Millionen Euro) ist auf Fellner jedenfalls richtig allergisch. Würde ihre Gratiszeitung im Mediaprint-Verbund erscheinen, wäre sie schon längst in allen Bundesländern – “zumindest solange Fellner existiert”.

Wer hat die meisten lokalen Seher?

Dr. Media: Der 2. Mai ist ein Jubeltag – “Bundesland heute”, die beliebteste TV-Sendung der Österreicher feiert ihren 20. Geburtstag. An Toptagen sehen mehr als 1,6 Millionen die Regionalberichte aus den neun Landesstudios. Das Programm zählt zu den nachhaltigen Erfolgen der Amtszeit von Teddy Podgorski.

Die Marktanteile sind aber seit jeher von Region zu Region höchst unterschiedlich. Generell gilt: Im Westen sitzen die meisten Fans. In der Statistik für 2007 liegt Vorarlberg mit Langzeitchef Wolfgang Burtscher klar in Führung, auf den Stockerlplätzen findet sich Salzburg ganz knapp vor Tirol. Im Osten das umgekehrte Bild: Die rote Laterne hängt in St. Pölten, das niederösterreichische Landesstudio liegt mit Restpektabstand hinter Wien, Platz sieben geht an den ORF Steiermark. Das “Pröll-TV”, wie ORF NÖ wegen der Dominanz des Landesfürsten oft genannt wird, hat es freilich objektiv nicht leicht. Einen Bewohner von Wiener Neustadt interessiert Retz nicht – und die Traisenmetropole ist weiter weg als Wien.

Würden Sie von Wolfgang Fellner eine Reise kaufen?

Dr. Media: Naja, das ist so eine Sache. Die Digital Media GmbH aus dem “Österreich”-Konzern ist mit 51 Prozent an der Internetsite oe24.at beteiligt. Dort kann die C-Schicht um sensationelle 299 Euro einen einwöchigen All-inclusive-Urlaub in der Türkei buchen. Fellners Partner dabei ist die Firma Vasco Touristik, sie hält 49 Prozent am Reiseportal. Die musste nur wegen Überschuldung Anfang April den Ausgleich anmelden. Den Aktiva von 86.775,29 Euro stehen Passiva von 1.450.951,90 Euro gegenüber. Anmeldefrist für Forderungen ist der 20. Mai. Alleingesellschafter der Vasco ist Vasco Turizm Yatrirm Sanayi ve Ticaret anonim Sirketi, eingetragen beim Handelsgericht Antalya. Vasco-Geschäftsführer Peter Grossmann ist auch Geschäftsführer von oe24.at (gemeinsam mit Fellner-Mann Martin Gaiger). Die Urlaubshits des “modernen, trendigen und flexiblen Reisepartners” werden weiterhin groß in “Österreich” beworben.

An der Digital Media ist auch der Medienmanager und Sanierungsexperte Michael Grabner beteiligt. Er hat sich im Zuge einer Kapitalerhöhung mit 25,1 Prozent engagiert.

Wechselt “News”-Boss Oliver Voigt nach Frankreich?

Dr. Media: Das Gerücht fußt auf mehreren richtigen Informationen. Der Obernewsianer hat einen Französischkurs belegt und paukt ausgesprochen fleißig, er gilt als sehr frankophil – und will nach eigenem Bekunden seine Berufslaufbahn in Frankreich beenden. Spekulationen, dass ihn die Prisma Presse reize, dementiert Voigt glaubwürdig. Die Prisma Presse ist die größte Auslandstochter des “News”-Mehrheitseigentümers Gruner + Jahr. Sie gibt 20 Magazine heraus, ist ein junger dynamischer Verlag (Durchschnittsalter: 42, Frauenteil in der Belegschaft: 66 Prozent). Und Paris ist auch die Stadt von Axel Ganz – der legendäre frühere G+J-Auslandsvorstand ist Voigts großes Vorbild und Mentor. Der Chefposten in der Prisma Presse ist nur alles andere als vakant, Voigt bleibt Wien also noch länger erhalten. Jetzt gilt es die jüngsten Auflagendellen auszubügeln. Das Flaggschiff “News” verlor laut letzter Mediaanalyse ein Fünftel seiner Leser (mehr zur MA finden Sie ab Seite 76).

Für die Planung des letzten Karriereschritts ist es wohl noch zu früh, Voigt feierte kürzlich seinen 42. Geburtstag. Dass er aber nicht bis zur Pensionierung am Donaukanal sitzen wird, ist wohl klar. Dr. Media tippt mit einem Zeithorizont von drei bis fünf Jahren auf einen Job bei G+J-Mutter Bertelsmann. Paris kann warten.

Coacht Peter Huemer Natascha Kampusch für deren Talksendung?

Dr. Media: Nein. Das ist eine Boulevardente, die durch mehrmalige Wiederholung auch nicht wahr wird. Der legendäre “Club 2″-Chef stellte sich für eine Probesendung als Gast zur Verfügung. Das war ein Wunsch Kampuschs, die in ihrer Gefangenschaft oft Huemers Ö1-Sendung gehört hatte und ihn sehr schätzt. Bei dieser Testsendung wurden Fotos gemacht, die ohne Wissen Huemers in “News” erschienen. Später war Huemer privat Gast beim Geburtstag von Natascha Kampusch. Das ist alles. Von regelmäßigem Coaching für die geplante Talkshow auf Puls4 kann keine Rede sein. Der Minisender war aber nicht unschuldig an den Falschmeldungen. Dort pflegt man eine leicht odiose Pressearbeit – man erinnere sich nur an die Aussagen über die Verhandlungen mit der früheren “ZiB”-Präsentatorin Ingrid Thurnher (heute “Im Zentrum”).

Dr. Media beantwortet in der “Journalist”-Sprechstunde regelmäßig Leserfragen zur Medienbra
nche. Fragen bitte per eMail an: sprechstunde@ oberauer.com

Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 110 bis 113. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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