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Beruf
Studium oder Handwerk?
Von Doris Brunner
Obwohl der freie Zugang zum Journalismus geradezu beschworen wird, sinken die Chancen von Jungjournalisten, ohne fachliche Ausbildung in Redaktionen unterzukommen. Das Einmaleins des journalistischen Handwerks vermitteln praxisorientiere Ausbildungsinstitute seit Jahren. Die jüngeren Fachhochschulen glauben, dass die erforderlichen Kompetenzen im Journalismus ohne wissenschaftliche Unterfütterung nicht ohne weiteres erlangt werden können. Den unterschiedlichen Theorie-Praxis-Konzepten der besten Ausbildner im Land ist eines gemein: die Anstrengung, die Qualität im Journalismus zu heben. Hier ihre Konzepte:
Master of Arts. Das Internationale Journalismus Zentrum (IJZ) an der Donau-Universität Krems bietet seit mehreren Jahren ein international ausgerichtetes viersemestriges postgraduate PR-Masterprogramm “Qualitätsjournalismus” an. “Die meisten Studierenden arbeiten bereits für ein Medium. Es kommt aber immer wieder vor, dass PR-Leute den Kurs für Journalismus wählen”, erklärt Silvia Ettl-Huber, Leiterin des Internationalen Journalismus Zentrums.
In 15 Einheiten zu je drei Tagen und fünf Blöcken zu je sechs Tagen erhalten 20 Studenten pro Lehrgang eine berufsbegleitende Ausbildung, die sie mit dem Titel “Master of Arts” abschließen. In die Liste der 143 Prüfer, Betreuer und Mentoren reihen sich heimische wie internationale Journalisten und Fachkräfte aus Wirtschaft und Wissenschaft ein. Für 11.690 Euro Studiengebühr gibt es Vorträge und Übungen in Theorie, Medienmanagement und -wirtschaft, redaktionelle Praxis, Informationsdesign, Produktionstechniken sowie je ein semesterbegleitendes Praxisprojekt. Nach 15 Lehrgängen sieht sich Silvia Ettl-Huber bestätigt. “Unser Modell wird dieses Jahr im Herbst in Deutschland und Griechenland übernommen.” Erfolgreiche und besser noch bekannte Abgänger sind willkommene Aushängeschilder. “Spontan fallen mir ein Angelika Simma von Ö3, Katja Arthofer von Ö1, Angelika Ahrens, Martin Steiner und Christine Newald vom ORF, Doris Grabherr und Michael Korbel von der APA und Edith Lukesch, die ihr eigenes Magazin ‘NANOLogisch’ ins Leben rief.”
Diplomstudium. Namen will Heinz M. Fischer, Leiter des Diplomstudiengangs “Journalismus und Unternehmenskommunikation” an der Fachhochschule Joanneum Graz nicht nennen. Die Liste der Absolventen des achtsemestrigen, kostenfreien Diplomstudiums, die in Redaktionen oder als PR-Mitarbeiter tätig sind, hält knapp die Zahl der Lehrgangsteilnehmer. “Bei uns bleibt niemand auf der Strecke”, fasst Fischer zusammen. “Ich habe pro Monat in beiden Berufsfeldern ein bis zwei Jobangebote, die ich ausschicken kann.” Das Studium soll auch Zugang schaffen zu bisher wenig bekannten Berufsfeldern. “Es entstehen Jobs an der Peripherie wie Rechercheleistungen für Unternehmen, Media Research oder Informations-Broker.”
2002 startete die in Österreich damals neue Verbindung von angewandter Ausbildung und Wissenschaft an einer Universität, die für 20 bis 25 Teilnehmer pro Studienjahr Platz hat. Die Schwerpunkte ruhen in den Seminaren und Vorlesungen auf Medientheorie, -arbeit, -management, -rezeption und -recht, Bildjournalismus sowie Unterricht in den Feldern Public Relations, Politik, Marktwirtschaft, Kommunikationswissenschaft und Multimedia. Praktika inklusive. Zwei Fremdsprachen sind für die Nachwuchsjournalisten verpflichtend. Neben Englisch darf zwischen Russisch und Kroatisch gewählt werden. Die “Drop-out”-Rate ist niedrig. “Wir haben jährlich rund 200 Bewerber aus ganz Österreich und mittlerweile auch aus Deutschland”, erzählt Fischer. “Ich könnte jeden Studienplatz achtmal vergeben.”
KMA. Weitaus länger, nämlich seit 1978, lehrt die Katholische Medienakademie in Wien Print- und Hörfunkjournalismus. “Unser Ziel ist es, dass Jungjournalisten am Ende ihrer Ausbildung in einer Redaktion verankert sind”, erklärt Generalsekretär Gerhard Tschugguel. Erreicht wird dieses Ziel über 50 praxisorientierte Seminartage, die sich über vier Semester auf Wochenenden und Ferien verteilen und etwa 1.300 Euro kosten. Die maximal zwölf Teilnehmer erlernen praxis- und theoriebezogen das journalistische und medientechnische Handwerk und erhalten Unterricht in Politik, Wirtschaft und Kirche. Auf die ethische, christliche Dimension journalistischer Arbeit wird besonderes Augenmerk gelegt. In Workshops arbeiten die Teilnehmer unter realen Produktionsbedingungen. Mindestens zehn Wochen arbeiten die KMA-Studenten in Nachrichtenagenturen, bei Tages- und Wochenzeitungen oder in Radio-Redaktionen. Der größte Arbeitgeber für KMA-Absolventen ist der ORF (auch wenn es keine eigene TV-Ausbildung an der Akademie gibt). “Wer Hörfunk beherrscht, kann in der Regel auch zum Fernsehen wechseln. Gut ein Viertel unserer Abgänger werden vom ORF geholt, wie Eva-Maria Kaiser, die für den ‘Report’ arbeitet, Katharina Langsteiner Reigersberg von ‘Wien Heute’ oder Veronika Slupetzky, die Sportmoderatorin.” Die Hälfte der Absolventen landet bei Printmedien, ein Viertel findet sich in der PR wieder. Fachschulen hält Tschugguel für den falschen Weg. “Die bringen der Branche wenig. Der Frust der Absolventen wird bald nicht zu überhören sein”, prophezeit er.
Journalisten-Kolleg. Auf die stark praxisorientierte, berufsbegleitende Ausbildung setzt auch seit 30 Jahren das Österreichische Journalisten Kolleg des Kuratoriums für Journalistenausbildung. Die sozialpartnerschaftlich organisierte Institution mit Sitz in Salzburg ist im Kollektivvertrag verankert und behandelt alle Aspekte des Berufs, um das Handwerk für Agentur-, Print-, Radio- und Online-Journalismus zu erlernen. Die berufsbegleitende Ausbildung, für die sich auch freie Mitarbeiter, Studenten und Berufseinsteiger bewerben können, ist in vier Blockveranstaltungen gegliedert, aufgeteilt auf neun Monate und kostet für Nichtmitglieder 3.420 Euro (Mitglieder 2.910 Euro). Institutsleiter Meinrad Rahofer begrüßt pro Lehrgang maximal 24 Teilnehmer, unter denen auch einst Ingrid Thurnher, Claus Reitan oder Silvia Wörgötter waren. “Wir passen unser Angebot stets an die neuen Herausforderungen an. Dieses Jahr haben wir neu den Schwerpunkt ‘Videojournalisten’. Viel Aufmerksamkeit widmen wir auch dem Online-Journalismus.” Grundsätzlich erfreuen Rahofer Ausbildungsinitiativen, die die Qualität im Journalismus heben. Er sieht aber auch Probleme. “Die Pflichtpraktika an den Fachhochschulen kosten freien Mitarbeitern Jobs. Darüber sehe ich die Gefahr, dass von den Fachhochschulen und Studiengängen eines Tages zu viele Journalisten mit ähnlichem Hintergrund auf den Markt drängen. Der Journalismus lebt von den verschiedenen Zugängen, die Journalisten haben. Außerdem sind wir ein kleines Medienland. Wo wollen diese Absolventen alle hin?”
OÖ Journalistenakademie. Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin von “Der Standard”, ist wahrscheinlich die bekannteste Absolventin der OÖ Journalistenakademie. Die von der “OÖ Rundschau” und dem Bildungshaus Schloss Puchberg getragene Ausbildungsstätte mit Sitz in Wels verzeichnete in den vergangenen Jahren eine steigende Zahl der (ausschließlich oberösterreichischen) Kursteilnehmer. “Der Grundkurs wird mit höchstens 23 Teilnehmern belegt”, sagt Akademieleiter Rudolf Chmelir. Der einwöchige Block und sechs ganztägige Veranstaltungen kosten 450 Euro. Rund 30 praxisgestählte Referenten, vornehmlich aus Österreich, Deutschland und der Schweiz führen die Schüler in die heimische Medienszene ein und referieren über Pressekonferenzen, Interviewtechniken, Reportage und Recherche. Im eigenen Radiostudio in Wels werden erste Erfahrungen mit der Arbeit für Radiosender gemacht. Die Erfolgsquote ist respektabel. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer bleiben im Journalismus, die meisten in Printmedien oder Pressestellen. “Die beste Bestätigung ist das Echo der Absolventen, die uns immer wieder bescheinigen, dass die Ausbildung ein wesentlicher Grundstein für den Ein- und Aufstieg im Journalismus ist und war.”
Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Beruf” auf Seite 62 bis 62 Au
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