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Medien
Betriebswirte ersetzen Verleger
Im Verlagsgeschäft stehen fast durchwegs Markt, Auflage und Reichweiten im Vordergrund und nicht die journalistische Leistung. Was ist der Grund für dieses Phänomen?
Wolfgang Langenbucher: Ohne Zweifel spielt die Generationsablöse in den Verlagshäusern eine Rolle. An die Stelle der genuinen Verleger sind die Betriebswirte und Manager getreten, nicht erst jetzt, sondern schon seit zehn oder 15 Jahren. Der verstorbene “SZ”-Journalist Herbert Riehl-Heyse hat in dem Buch “Götterdämmerung. Die Herren der öffentlichen Meinung”(1995) die Bedingungen analysiert, unter denen großer Journalismus überhaupt entstehen kann. Da kommt er im Nachwort zur Feststellung: “Siegfried Unseld, damals Suhrkamp-Verleger, hatte gesagt, der wesentliche Unterschied zwischen einem Pferd und einem Autor sei der, dass das Pferd die Sprache der Pferdehändler nicht verstehe. Nicht auszudenken wäre das Glück, wenn sich die Händler eines Tages wieder bemühen würden, uns Pferde zu verstehen.” Die entscheidende Frage ist, ob diese angestellten Manager eines Tages doch so irgendetwas wie ein Verlegergewissen bekommen.
Man kann Chefredakteure in die Verlegeretage holen, damit die Redaktion mit den kommerziellen Bedürfnissen synchronisiert wird. Ist das die Realität?
Genau das ist das Problem. Und führt zur Frage: Wie lange kann man Zeitungen so führen, als ob sie ganz normale Wirtschaftsgüter wären?
Das geschieht Ihrer Meinung nach?
Ich teile die Diagnose vom allgemeinen Niedergang der Zeitungen nicht. Wenn man die Zeitungen über Jahre beobachtet, kann man nicht sagen, dass die journalistischen Leistungen schlechter geworden sind. Das eigentliche Problem scheint mir die finanzielle Abhängigkeit zu sein, dass die Zeitungen heute viel anfälliger für alle Zumutungen sind, die mit Geld zu tun haben, also für diese Zwischenformen wie Verlagsbeilagen und nicht gezeichnete redaktionelle Teile mit subtiler Werbewirkung.
Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Medien” auf Seite 50 bis 51. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
