ARCHIV » 2008 » Ausgabe 04+05/2008 » Und wie geht es den Journalisten? »
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Medien
Wollen Sie auch ins Management?
Wären Sie bereit, ähnlich wie manche Ihrer Kollegen anderer Zeitungen als Chefredakteurin in die Unternehmensführung einzutreten, beispielsweise als Vorstandsmitglied oder Mitglied der Geschäftsführung?
Alexandra Föderl-Schmid: Geschäftsführung und Chefredaktion sind unterschiedliche Tätigkeiten, die getrennt bleiben sollten. Denn es gibt häufig Interessensunterschiede durch diese beiden Funktionen: Hier die Inhalte, da die Finanzen. Ich möchte bei Entscheidungen nicht vor der Frage stehen, ob ich diese zuerst journalistisch, also als Chefredakteurin, oder zuerst pekuniär, also als Geschäftsführerin, beantworten soll.
Sie kennen aus langjähriger Erfahrung die Medienszene sehr gut. Haben die Zeitungsredaktionen im Allgemeinen genügend Freiraum, um ihren journalistischen Aufgaben nachzukommen, oder gibt es offene und vielleicht auch verdeckte Faktoren, die die journalistische Unabhängigkeit in den einzelnen Verlagshäusern einschränken?
Die Ressourcen in österreichischen Redaktionen sind im internationalen Vergleich etwa zu Deutschland oder Großbritannien viel beschränkter, was aber nicht heißt, dass der Freiraum kleiner ist. Der journalistische Freiraum wird sehr stark durch andere Faktoren bestimmt: Unabhängigkeit, das Nichtzulassen von Interventionen, die Trennung von Werbung und Inhalt. In diesen Bereichen ist in Österreich aber ein Erosionsprozess zu beobachten, der eine viel größere Gefahr darstellt als die schon immer beschränkten finanziellen Möglichkeiten.
Haben die Redaktionen gelernt, kommerziell im Sinne ihres Unternehmens zu denken und waren sie dabei vielleicht sogar zu erfolgreich?
Kommerziell erfolgreich zu sein, heißt nicht, dass man das nur schafft, wenn man die Vorstellungen der Anzeigenkunden befriedigt. Und Qualität ist viel mehr als die Befriedigung von Kundenbedürfnissen, wie in anderen österreichischen Verlagshäusern behauptet wird. Das Beispiel des “Standard” zeigt auch, dass Qualität sich auch kommerziell lohnt.
Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Medien” auf Seite 46 bis 49. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
