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Windelwechseln und Sauvignon Blanc

Herbert Bauernebel, 42, begann seine Laufbahn bei den “Niederösterreichischen Nachrichten”, landete jedoch rasch während des Studiums der Publizistik und Kommunikationswissenschaft, sowie Politikwissenschaft (Abschluss: 1991) als Nachrichtenredakteur und -sprecher bei der Privatradiostation Antenne Austria. Nach einem Jahr bei “täglich alles” berichtet Bauernebel aus Singapur für “Die Presse”. Nach seiner Rückkehr 1995 beginnt er in der Außenpolitik-Redaktion des Nachrichtenmagazines “News” und startet 1999 als US-Korrespondent in New York für “News” und “Format”. Seit Sommer 2006 berichtet Bauernebel für “Österreich” aus New York. Bauernebel lebt mit Frau Estee, Sohn Maxwell (5) und der neugeborenen Tochter Mia in Lower Manhattan.

Wie viel Macht hat ein Journalist?

Er ist Teil des demokratischen Systems, doch ist seine Macht durch diverse Abhängigkeitsverhältnisse beim Lukrieren von Infos oft eingeschränkt.

Ihr Verhältnis zur Macht?

Jede Macht braucht Kontrolle, es muss erlaubt sein, Autoritäten zu hinterfragen und durch Kritik und Aufdecken von Missständen das System zu verbessern.

Hat Ihre Arbeit schon einmal Einfluss auf wichtige Entscheidungen gehabt?

Das Aufdecken von möglichen Versäumnissen bei der Suche nach Bert Nussbaumer führte zuletzt zu einer parlamentarischen Anfrage – und hoffentlich zu verbesserter Koordination bei künftigen Geiseldramen.

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Ausdauer, Umgang mit modernen Recherche-Technologien, Fairness und Verlässlichkeit gegenüber Informanten und Gesprächspartnern.

Wie wird sich der Journalismus künftig verändern?

Das Internet führt zu einer Ausdünnung der eigentlichen journalistischen Arbeit, kurz den eigenständigen Recherchen von Journalisten. In Sekunden wissen wir alles – und eigentlich immer weniger. Viel der Reporterarbeit wird in andere Kanäle wechseln, ein Großteils ins Internet. Doch wie dort die News-Budgets aussehen, lässt sich noch nicht abschätzen.

Warum sind Sie Journalist geworden?

Freude am Schreiben, Interesse für News und Politik, eine Begeisterung, Dingen auf den Grund zu gehen. Doch begonnen habe ich mit meiner eigenen Satirezeitung und als Cartoonist …

Ist das Schreiben für Sie Bedürfnis oder Qual?

Beides. Es gibt Themen und Stories, wo man nicht warten kann in die Tastatur zu greifen – und andere, wo man sich abmüht. Routine ist es nie, soll es ja auch nicht sein.

Schon einmal überlegt, den Beruf zu wechseln?

Habe mal kurz nebenbei PR gemacht. Seither weiß ich noch besser, dass ich als Journalist die beste Berufswahl getroffen habe.

Wo und wie lernt man Journalismus am besten?

Praxis, learning by doing – Studium allein macht es sicher nicht.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Stärken: Begeisterungsfähigkeit für Storys, schnelle Recherchen und die “Extrameile” gehen, um tiefer zu bohren. Schwäche: Namen schreibe ich oft falsch – und oft fehlt ein wenig das Akribische.

Mit wem würden Sie Ihren Schreibtisch am liebsten teilen?

Teile ihn mit meiner Frau – klappt erstaunlich gut.

Stört Sie das schlechte Image von Journalisten?

Nein. Die Meinung von Leuten, die alle in einen Topf werfen wollen, ist unbedeutend.

Journalisten gelten als eitle Zeitgenossen, und Sie?

Mir fehlt als ein Tausende Kilometer von zu Hause entfernt werkender Reporter die Umgebung, um eitel zu sein …

Ihr bisher größter Erfolg?

Meine authentische Berichterstattung zum Terror-Horror von 9/11.

Ihr größter Flop?

Das zehntätige Treiben durch den Südpazifik auf einem kaputten Kahn während den französischen Atomtests auf Mururoa …

Ihr liebstes Hobby?

Habe zwei kleine Kids, keine Zeit für Hobbys.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Obamas “Dreams of my Father” (ja ich weiß, besser spät als nie).

Ihr Lieblingsgericht und was trinken Sie dazu?

Thailändischer Beef Salad; Neuseeländischer Sauvignon Blanc.

Was machen Sie, um sich in der Redaktion zu entspannen?

Windelwechseln bei meiner achtmonatigen Tochter…

Welche Hoffnungen haben Sie bereits aufgegeben?

Dass wir uns als Menschheit notwendigerweise immer nach vorne bewegen.

Was sagen Kollegen Böses über Sie?

Keine Ahnung, bin 10.000 km weit weg – meist ein Vorteil, doch bei Intrigen wohl fatal…

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Ist anständig geblieben in einer harten Branche.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2008 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 114 bis 114. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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