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ARCHIV » 2008 » Ausgabe 06+07/2008 »

Editorial

Am Weg zur Einheitsredaktion

Von Johann Oberauer, Herausgeber.

Ein simples Interview Mitte Juni in einer deutschen Werbefachzeitschrift: WAZ-Chef Bodo Hombach kündigt für seinen Heimmarkt, das Ruhrgebiet, den größten publizistischen Strategiewechsel seines Hauses an. Für seine zahlreichen Tageszeitungen will er eine zentrale Sportredaktion einführen. „Wir glauben, dass in vielen unserer Lokalausgaben die Sportteile besser werden, wenn wir die Redaktionen zusammenziehen“, sagte Hombach. Auch die zum Konzern zählenden Zeitschriften will er „erheblich“ in „die Synergiestrategie einbeziehen“. Nachdem es bei „Gong“ und „Ein Herz für Tiere“ keine Sportredaktion gibt, ist davon auszugehen, dass Hombach auch noch andere Ressorts zentralisieren will.

Bumm! Das sitzt. Bisher arbeiteten die zahlreichen WAZ-Zeitungen zwar bei Vertrieb, Anzeigen, Druck und Verwaltung zusammen, die Redaktionen waren angeblich durch hohe Mauern getrennt. Mit diesem Modell „erkaufte“ sich der drittgrößte deutsche Zeitungskonzern letztlich die politische Zustimmung für seine Machtfülle in Österreich, die – man muss sich das immer wieder vor Augen halten – weltweit einmalig ist. „Krone“, „Kurier“, „profil“, „Trend“, „News“ … überall hat die WAZ ihre Finger drinnen.

Nun, was bedeutet das neue WAZ-Modell für Österreich? Fürs Erste mal nichts, außer dass wir um eine Erkenntnis reicher sind: Was heute gilt, kann morgen schon wieder vollkommen anders sein, und an Versprechen glauben nur Dumme.

In Österreich ist die Macht der WAZ bis auf weiteres durch Hans Dichand neutralisiert. Der hat nach wie vor einen unheimlich Pick auf den „Kurier“ und traut – wenn sich in den vergangenen drei Tagen nichts geändert hat – noch immer nicht seinem Partner WAZ. Zusammenarbeit bei Druck, Anzeigen, Vertrieb: ja. Kooperation der Redaktionen: nein. Aber was kommt nach Dichand? Der journalistische und verlegerische Alltag wird künftig sicher viel pragmatischer. Sturheit, Verbissenheit, Sendungsglaube (und leider auch die Genialität) werden verschwinden, das Machbare, scheinbar Sinnvolle, wirtschaftlich Vernünftige werden (mit einer gewissen Langeweile) die Oberhand gewinnen.

Wenn weitgehend die Rendite im Mittelpunkt steht, könnte sich das neue WAZ-Modell auch in Österreich durchsetzen. Eine vollkommene Überraschung wäre das nicht. Denn einen ersten Versuch haben zumindest „Kurier“ und „News“ mit ihrer gemeinsamen EM-Beilage bereits gemacht.

Kritik hat das WAZ-Konglomerat kaum zu befürchten. Auch bei den Bundesländerzeitungen sehen wir seit kurzem Chefredakteure, die gemeinsam zu Interviews gehen und gemeinsame Supplements machen. Sollte am Ende doch Bodo Hombach Recht behalten, wenn er sagt: „Ein Verlag, der glaubt, er käme alleine durch, wird in relativ kurzer Zeit zum Objekt der Kaufbegehrlichkeiten Dritter.“ Mag sein. Wenn die Maximierung von Attraktivität des Medienproduktes die Triebfeder ist, ist jede Form von Zusammenarbeit sinnvoll. Dabei sollten wir aber das oberste Gebot nicht aus dem Auge verlieren: Zuletzt entscheiden die Kunden – und nur sie. Wir Macher werden gut beraten sein, wenn wir mit Zähnen und Nägeln für die Identität unserer Blätter kämpfen. Denn was austauschbar ist, wird irgendwann auch ausgetauscht.

Beim jüngsten Weltkongress der Zeitungsverleger im schwedischen Göteborg freute man sich über Auflagenzuwächse bei Zeitungen in Europa. Das Plus kommt allerdings nur durch einen Trick: Kauf- und Gratiszeitungen werden inzwischen gemeinsam gezählt. Aber reicht es, kostenlos zu den Leserinnen und Lesern zu kommen? Scheinbar nicht, und beim mörderischen Kampf der Gratiszeitungen in der Schweiz sieht man deutlich, wie sehr der Wettbewerb auch durch die Redaktionen mit entschieden wird. Auf Dauer haben Gratismedien nur eine Berechtigung, wenn sie journalistisch überzeugen und es schaffen, den Leuten auf ehrliche Weise die Zeit zu stehlen. Welche Gratiszeitungen in Österreich Top und welche Flop sind, haben wir in diesem „Journalist“ erstmals untersucht und zugleich Punkte vergeben. Kompliment den Gewinnern. Trost den Schlusslichtern: Vielleicht danken Sie uns in fünf Jahren, wenn Sie – aufgeschreckt durch unsere Ergebnisse – einen Qualitätssprung nach vorne gewagt und damit Ihre Zukunft gesichert haben.

Bitte um Nahsiht, wenn in dieser Ausgabe an mehren Stellen das „c“ fehlen sollte. Die urlaubsreife Taste hat uns einen Streih gespielt. Sie hat uns versprohen, spätestens im September erholt und mit aller Kraft wieder zur Verfügung zu stehen.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2008 in der Rubrik „Editorial“ auf Seite 3 bis 9 Autor/en: Johann Oberauer, Herausgeber.. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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