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Die Sprecher 2008

Von Rudolf Loidl

52 Wirtschaftsjournalisten haben die Qualität heimischer Unternehmenssprecher bewertet. Das Ranking birgt Überraschungen.

Dreiunddreißig Grad. Es ist ein brütend heißer Samstagnachmittag, an dem Michael Mauritz und Peter Thier, Josef Hlinka und Stefan Zach zum Fototermin über den Dächern der Wiener Innenstadt zusammenkommen. Die vier haben eines gemeinsam: 52 heimische Wirtschaftsjournalisten haben die Sprecher von Erste Bank, Generali und EVN – mit Respektabstand – zu den fähigsten ihrer Zunft gekürt. Und doch könnten die vier unterschiedlicher nicht sein: Hier trifft temporeiches Teamplay auf väterliche Verbindlichkeit, weise Gelassenheit auf eine unter Strom stehende Persönlichkeit.

Outfitwechsel. Viel Zeit hat er nicht. Erste-Bank-Holding-Sprecher Mauritz kommt soeben vom Treffen der Mittelosteuropa-Vorstände – und will eigentlich längst auf dem Weg in den dreiwöchigen Urlaub ins heimische Vorarlberg sein. Darum übernimmt Thier, Österreich-Sprecher der Erste Bank, die Rolle des Gastgebers in der Sky Lounge des Kreditinstitutes: Bier zapfen, Wein ausschenken, Mineralwasser organisieren – Teamplay halt. Stefan Zach entschuldigt sich derweil. Der Maria-Enzersdorfer, der direkt von der heimischen Baustelle (Pflastersteine geschleppt!) kommt, wechselt sein Outfit: Von Ruderleiberl und Shorts in die klimatisch und zeitlich adäquate Blau-weiß-Kombination. Josef Hlinka, selbstredend korrekt gekleidet erschienen, beobachtet das Treiben über einem Glas Mineralwasser und übt sich im SmallTalk.

Kategorien. Das sind sie also, jene Unternehmenskommunikatoren, die Österreichs Wirtschaftsjournalisten heuer am meisten beeindruckt haben. „Der Journalist“ hat in Zusammenarbeit mit „Industriemagazin“ Kollegen der Wirtschaftspresse zur Qualität der Kommunikation heimischer Unternehmen befragt. Nach dem Schulnotenprinzip werden Informationsniveau (Was weiß der Sprecher ohne nachzufragen?), aktive Pressearbeit (Timing und Anzahl der Aussendungen), passive Pressearbeit (Rückrufzuverlässigkeit) und journalistische Fähigkeiten (Was ist eine Story?) abgefragt. Die Gesamtnote – das Kriterium für die Rangreihung – ergibt sich letztlich aus den ungerundeten, gleich gewichteten Teilwertungen aller vier Kategorien.

Die Jury. Mehr als 60 Wirtschaftsjournalisten haben sich heuer an der Befragung beteiligt. Von den retournierten Fragebögen stammten 21 aus Tageszeitungs-Redaktionen, elf aus Pressseagenturen und elektronischen Medien. Zwölf Fragebögen wurden von Wirtschafts- und Publikumsmagazinen retourniert und in der Kategorie Fachpublikationen Handel/Produktion/Technik langten acht ausgefüllte Fragebögen ein. Da einige Redaktionen Sammel-Fragebögen retourniert haben, dürfte die Anzahl der Teilnehmer weitaus höher sein, als die Anzahl der 52 erhaltenen Fragebögen vermuten lässt.

Scharfes Profil. Knapper Sieger der heurigen Rangreihung ist das „dynamische Duo“ (Eigendefinition) der Erste Bank. Michael Mauritz, Sprecher der Holding, und Peter Thier, Österreich-Sprecher, teilen sich seit der gesellschaftsrechtlichen Aufspaltung des Konzerns die Aufgaben. Im Vorjahr war Thier noch mit Ildiko Füredi für die Bank Austria auf Platz 2 des Rankings. Warum Banker – angesichts ihrer Dominanz im Pressesprecherranking – offenbar einen Startvorteil haben, vermag Mauritz nicht zu sagen. Er sieht sich eher in einer schwierigeren Ausgangsposition: „Weder haben wir ein Produkt, das angreifbar ist, noch ist das Image von Banken im Allgemeinen besonders gut“, sagt der ehemalige „VN“-Redakteur, der seit 1998 bei der Erste Bank werkt. Aber vielleicht sei gerade dieser Startnachteil etwas, was Bankensprecher veranlasst, härter zu arbeiten. Jedenfalls dürften die Ressourcen im Banken- und Versicherungssektor weitaus reicher sein. So hat alleine die Erste in den vergangenen Wochen drei neue Mitarbeiter (zwei davon sind Ersatzeinstellungen) in der Unternehmenskommunikation aufgenommen. „Dadurch wollen wir unser Profil schärfen“, sagt Peter Thier.

Industriesieger. Das sind Personalstände, von denen die Gewinnerin der Branchen-Rangreihung Industrie nur träumen kann. Mit zwei Mitarbeitern kämpft Astrid Kühn-Ulrich (Platz 5 im Gesamtranking) gegen die Tendenz der medialen Nicht-Wahrnehmung außerhalb der Bundeshauptstadt an. Aus Vorarlberg kostet das besonders viel Energie, wie die Zumtobel-Pressesprecherin weiß. Trotzdem schaffte die geborene Deutsche als Industrie-Siegerin den Sprung von Platz 19 im Vorjahr auf Platz 5 im Gesamtranking – noch vor Thomas Melzer von Wienerberger (Gesamtrang: 7) und Volkmar Weilguny von der RHI (Gesamtrang: 9). Kann gut sein, dass Kühn-Ulrich, hätte sie ihr Büro am Schwedenplatz in der Bundeshauptstadt statt in der Schweizer Straße in Dornbirn – an jenem brütend heißen Samstagnachmittag im Juni mit auf dem Siegerfoto hoch über den Dächern von Wien gewesen wäre.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2008 in der Rubrik „PR“ auf Seite 52 bis 65 Autor/en: Rudolf Loidl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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