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Mit Geduld und Unbeugsamkeit

Schon während des Anlaufs zum Magister (Volkswirtschaft, Wien) hatte Robert Wiesner viele journalisitische Jobs: Mitgründer und Redakteur des „Extrablatt“, Pressesprecher der Außenminister Pahr, Lanc und Gratz (1979-85), Tageszeitungs-Journalist („Neue AZ“). Seit 1987 ist Wiesner im ORF tätig („Report“, „ZiB 2“, „Inlandsreport“ und Korrespondent in den USA). Von 2004 bis 2006 präsentierte er in den Sommermonaten das auf seiner Idee beruhende ORF-Format „Wiesner fragt“ in ORF 2. Seit 2008 ist der 55-Jährige Sendungsverantwortlicher des ORF-Politmagazins „Report“.

Wie viel Macht hat ein Journalist?

Er kann leichter Schaden anrichten als die Vernunft fördern.

Ihr Verhältnis zur Macht?

Distanziert.

Hat Ihre Arbeit schon einmal Einfluss auf wichtige Entscheidungen gehabt?

Ein paarmal, aber eher katalytisch als direkt.

Ihre Vorbilder im Journalismus?

Markus Peter.

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Courage, selbstständiges analytisches Denken, Verantwortung.

Wie wird sich der Journalismus künftig verändern?

Richtung „content production“, fürchte ich.

Warum sind Sie Journalist geworden?

Weil ich erkannt habe, dass das Fragen besser zu mir passt, als auf alles eine Antwort parat haben zu müssen.

Wie kamen Sie an Ihren ersten Beitrag und was war das Thema?

Für die Nullnummer des „Extrablatt“ sollte ich einigen Edelfedern bei der Recherche über „Die Millionen der Kirche“ helfen. Diese wollten ihre sicheren Jobs bei anderen Medien dann doch nicht aufgeben, und ich hab die Geschichte allein geschrieben.

Schon einmal überlegt, den Beruf zu wechseln?

Nicht nur überlegt, auch ausprobiert.

Wo und wie lernt man Journalismus am besten?

Für mich gab’s nur die Praxis, jetzt machen einige Lehrgänge recht guten Eindruck.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Stärke wie Schwäche: ich geb mich nicht leicht zufrieden.

Wie wichtig ist Klatsch?

Hält sich im Gedächtnis leider oft länger als sperrige Fakten.

An welchem Ort würden Sie am liebsten arbeiten?

In New York, fürs Feuilleton.

Mit wem würden Sie Ihren Schreibtisch am liebsten teilen?

Ein Tisch pro Person sollte sich überall ausgehen.

Stört Sie das schlechte Image von Journalisten?

Man kann selbst was dagegen tun.

Journalisten gelten als eitle Zeitgenossen, und Sie?

In diesem Ranking liegen viele vor mir.

Wie kommt ein Nachwuchsjournalist so weit wie Sie?

Auch wenn die Nachwuchsjahre weit hinter mir liegen: Mit Geduld und Unbeugsamkeit – auch wenn manche glauben ‚ohne ging’s schneller.

Ihr bisher größter Erfolg?

Ein Interview mit dem angeblichen Spion Felix Bloch, das alle großen US-Networks dem ORF abgekauft und in den Hauptnachrichten gespielt haben, obwohl es auf Deutsch war.

Ihr größter Flop?

In einem meiner ersten TV-Beiträge habe ich die Prinzen Charles und Philip verwechselt.

Ihr liebstes Hobby?

Handwerkeleien.

Ihr Lieblingsgericht und was trinken Sie dazu?

Rehrücken mit einem alten Roten.

Ihr Lieblingstrinkspruch?

Ist dieser Brauch noch immer nicht ausgestorben?

Was wären Sie gerne – Spitzensportler, Literaturnobelpreisträger oder Rocksänger?

Ab 50 sind Spitzensportler selten und Rocksänger oft peinlich. Also: Literaturnobelpreisträger.

Was törnt Sie an/ab?

Das nahe Ende / endlos wirkender Fragebögen.

Sie haben einen Wunsch frei, der wäre?

Gerechtigkeit, weltweit.

Was machen Sie morgens in der Redaktion als erstes?

Grüßen.

Welche Hoffnungen haben Sie bereits aufgegeben?

Dass die Vernunft siegen muss.

Was sagen Kollegen Böses über Sie?

Dass ich nicht singen könne.

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Das würde ich lieber schon jetzt hören.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 130 bis 130. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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