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Das bittere Erbe des Bischofs Kurt Krenn
Der Niedergang der Diözese St. Pölten, die sich nur auf einen Teil Niederösterreichs erstreckt, ist deckungsgleich mit der Amtszeit des Bischofs Kurt Krenn. Dieser wurde in der Reihe mehrerer Ernennungen von Bischöfen des konservativen Lagers durch Papst Johannes Paul II. 1991 als Bischof in St. Pölten eingesetzt. Schon damals wirkte seine Persönlichkeit extrem polarisierend. Zu schweren Skandalen kam es 1993 im St. Pöltner Priesterseminar. Kinderpornografische Fotos waren auf Computern entdeckt worden, Medien veröffentlichten Fotos, die homosexuelle Beziehungen zwischen Priesteramtsanwärtern belegten. Da Bischof Krenn nicht bereit schien, durchzugreifen, setzte der Vatikan im Juli 2004 völlig überraschend den Vorarlberger Bischof Klaus Küng als Visitator ein. Er gehört als Opus-Dei-Mitglied ebenfalls der konservativen Richtung an.
Küng schloss vorübergehend das Priesterseminar und setzte dessen leitende Persönlichkeiten ab. Die Priester Ulrich Küchl und Wolfgang F. Rothe wurden suspendiert – eine Entscheidung, die der Vatikan im April 2008 nachträglich bestätigte. Im Zusammenhang mit diesen personellen Maßnahmen war es 2004 und auch später zu teils schweren Konfrontationen gekommen. Rothe sprang nach einem entscheidenden Gespräch mit Küng in angeblich alkoholisiertem Zustand vom Balkon seiner Wohnung und verletzte sich schwer. Allein 2004 waren rund 5.000 Katholiken aus Protest gegen die Zustände unter Krenn aus der Kirche ausgetreten. Der Durchgriff des Visitators, der bereits im November 2004 auch als Bischof von St. Pölten eingesetzt wurde, verfehlte aber seine Wirkung auf die Kirchengemeinde nicht. Die Austritte wurden stark abgebremst. Laut aktueller Statistik hat die Diözese heute 549.931 eingetragene Katholiken. Küng bemühte sich um Wiederherstellung des Vertrauens und einen “Aufbruch”. Vor allem der durch den Papst erzwungene Rücktritt Kurt Krenns als Bischof machte Eindruck. Der schwer kranke Krenn lebt in St. Pölten und wird von geistlichen Schwestern gepflegt.
Erschienen in Ausgabe 06+07/2008 in der Rubrik “Medien” auf Seite 88 bis 91. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
