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ARCHIV » 2008 » Ausgabe 06+07/2008 »

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Sprechstunde

Wie macht das der Ganzger?

Dr. Media: Tipp für Journalisten, Chefredakteure und Verleger: irgendwas drucken – und dann den Dr. Ganzger nehmen.

Der durch die Vertretung von Natascha Kampusch auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gewordene Anwalt hat ein wahres Kunststück geschafft. Das muss man sich mal vorstellen: Die Info-Illustrierte „News“ schrieb in ihrer Ausgabe vom 14. September 2006 unter dem Titel „Der flotte Bawag-Rentner“ einen – nun ja, Text. Über das Luxus-Leben von Helmut Elsner in einer der teuersten Gegenden Frankreichs. Das einzig Richtige an der Geschichte war vielleicht die Autorenzeile.

Der beschriebene Porsche war ein anderer, der Fahrer deshalb auch ein anderer.

Nur wegen dieser Geschichte kam Elsner dorthin wo seinesgleichen hingehört – vor Gericht. In einer aber extrem fragwürdigen Aktion wurde er nach „News“-Erscheinen blitzartig nach Wien überstellt.

Im Ersturteil bekam Elsner 15.000 Euro Entschädigung zugesprochen. Das wurde vom OLG Wien kassiert. Mit teilweise wunderbaren Formulierungen. Zitat: „So ist nicht jedes Verhalten, das nicht sozial erwünscht ist, auch tatbildlich im Sinn des Vorwurfs eines unehrenhaften Verhaltens nach Paragraf 111 Abs. 1 STGB. So wird der Umstand, dass politisch Protegierte öffentliche Positionen erreichen, zwar nicht als wünschenswerte Position angesehen, dies jedoch durchaus als gängig und nahezu unvermeidlich als gegeben betrachtet, sodass der Vorwurf jemand habe seine Position nicht aufgrund seiner Eignung sondern aufgrund von Beziehungen erlangt, nicht in dem Maß als herabwürdigend empfunden wird, dass der Tatbestand nach Paragraf 111 erfüllt werde …“

Das Gericht berief sich dabei auf „Persönlichkeitsrecht im Straf- und Medienrecht“ der Kapazunder Hager und Zöchbauer.

Ist es vorstellbar, dass „Krone“ und „Kurier“ ihre Redaktionen fusionieren?

Dr. Media: Im Prinzip natürlich nicht und da gibt es ja auch noch Verträge, Redaktionsstatuten und vor allem handelnde Personen, die das entrüstet von sich weisen würden. Aber was ist schon wirklich unvorstellbar? Ist nicht letztlich alles eine Frage der Zeit und der Umstände?

Bei der WAZ in Essen, eine Hochburg des deutschen Monopoljournalismus, ist jetzt eine Zeitenwende eingeläutet worden, die auch in Wien für Beunruhigung sorgen müsste. Erinnern wir uns: Als sich die Essener bei „Krone“, „Kurier“, „profil“ & Co. eingekauft haben, ist den medienpolitisch sich sorgenden Österreichern das WAZ-Modell als Vorbild hingehalten worden: gemeinsamer Anzeigenverkauf, gemeinsamer Vertrieb, gemeinsame Verwaltung, aber heilig, heilig, heilig, natürlich vollkommen getrennte und unabhängige Redaktionen. Jahrzehntelang hat es die WAZ in ihrem Kernland so gehalten. Mit Juni 2008 ist damit Schluss. WAZ-Chef Bodo Hombach verkauft uns diesen Schritt – hört, hört – als Qualitätsoffensive!

Um die „journalistische Qualität“ seiner Titel zu steigern, will er in Essen eine zentrale Sportredaktion einrichten, sagte Hombach einer deutschen Branchenzeitschrift. Und: Nicht nur zwischen den einzelnen Tageszeitungen sollen die Mauern fallen. Auch die Zeitschriften des WAZ-Konzerns (u.a. „Gong“, „Ein Herz für Tiere“) sollen in diese „Synergiestrategie“ einbezogen werden.

Leider wurde Hobach nicht gefragt, warum er seine Redaktionen nicht aufstockt, wenn sie denn seinen Anforderungen nicht entsprechen. Selbst ein Austausch von Köpfen ist in solchen Fällen kein ungewöhnlicher Vorgang. Spitze Ohren sind also angebracht, wenn Hombach das nächste Mal in Wien über Qualität im Journalismus referieren wird.

Ist Uschi Fellner lockerer geworden?

Dr. Media: Ja, das ist augenscheinlich der Fall. Und es ist gleich zweifach festzustellen. Formal ist festzuhalten, dass Uschi Fellner eine Frau in den allerbesten Jahren ist. Obwohl sie in „Life+Style“ und im außergewöhnlich gut gemachten „Madonna“ ihre Geschlechtsgenossinnen mit seitenlangen Do´s und Don´ts traktiert, steht sie ohne Wenn und Aber zu ihren ersten kleinen Lebensschäden: Zarte Fältchen um die Lippen zum Beispiel, die allerdings ihr Lächeln – und das dürfte auch sie beim morgentlichen Spiegelcheck wahrgenommen haben – noch eine Spur sympathischer machen. Ungewohnt offen, gar emanzipiert auch die Themen ihrer Kolumnen. „Aus dem Schritt ihres Badeanzugs quillt ein haariger Urwald“, schrieb sie erst kürzlich über Miranda (die Rothaarige) in „Sex an the City“. Und dann folgt eine Aufklärung darüber, was Frau in ihrem Leben alles hinnimmt, um an manchen Stellen haarlos zu werden. Milliarden Frauen, lesen wir. Zirka 135 kosmetische Methoden gibt es, erfahren wir. Ein offensichtliches Weltdrama, um das sich Uschi Fellner da angenommen hat – und leider keine Lösung am Ende ihres Textes findet: „Was wollte ich jetzt eigentlich sagen? Weiß nicht mehr genau … Die Welt ist sowieso ungerecht.“ Wie wahr!

Wer stalkt Andrea Schurian?

Dr. Media: Das ist leider noch immer nicht geklärt. Als die neue Kulturchefin des „Standard“ nächtens zwischen 2.00 und 3.29 Uhr mit Mails in der Redaktion auffiel, machte man sich ernste Sorgen. Die zweifache Mutter war wach, weil sie Stalking-Opfer ist. Wird verfolgt von einem wohl Irren. Wertkarten-Handybesitzer, also nicht nachvollziehbar. Rasend engagiert ist die heimische Polizei in solchen Fällen leider immer noch nicht. (Ein Porträt der neuen „Standard“-Kulturchefin finden Sie im Supplement „Kultur-Journalist“.)

Ist Kräftner ein Professor?

Dr. Media: Wenn Sie den Medienkolumnisten der „Wiener Zeitung“ meinen: definitiv nicht. Er schmückt sich auch nicht mit dem Titel. Auch wenn er Leserbriefe an „Professor Kräftner“ bekommt, krakelig geschrieben also schwer lesbar. Ein anderer Professor der Branche hat aber ein kleines Problem. Adrian H., der für jeden gemeinen „Krone“-Leser nicht unbedingt verständliche Kommentare im „Sonntagsblatt“ schreibt, soll nun geklagt werden, weil er diesen Titel zu Unrecht führe. Da formiert sich eine bunte Gutmenschen-Allianz aus Juristenkreisen. Dr. Media meint: mal halblang. Professorentitel werden heute auch von Pressestellen vergeben. Zum Beispiel an Georg Taitl, Herausgeber dieses Magazins, der regelmäßig Einladungen und Aussendungen als Professor bekommt. Er ist weit unter 50 und kam daher bisher für die Auszeichnung nicht in Betracht.

Geht „News“-Boss

Oliver Voigt nach Frankreich?

Dr. Media: Oliver Voigt legt Wert auf die Feststellung, dass es ihn derzeit nicht nach Frankreich ziehe. Das sei zwar in seiner Lebensplanung – aber nicht aktuell. Einige in Wien hätten sich nur sehr gefreut …

Gibt es Sippenhaftung bei der

„OÖ Rundschau“?

Dr. Media: Die Geschichte kommt hunderte Male vor, jeden Tag. Zerrüttete Arbeitsbeziehung. Aus und vorbei! Das Unternehmen setzt oft den entscheidenden Schritt, trennt sich von einem Mitarbeiter, einer Mitarbeiterin. Oder, wie in unserem – ungewöhnlichen – Fall von beiden.

Es ist der 24. Jänner 2008, der für Franz Jodlbauer mit einem blauen Brief endet. Bitter für den langjährigen Anzeigenleiter der „Braunauer Rundschau“. Nach 23 Jahren! Aber es kommt noch schlimmer: Auch Ehefrau Sylvia, im gleichen Verlag beschäftigt, wird noch am selben Tag gekündigt. Weil sie silberne Löffel gestohlen hat! Nein, so lautet der Vorwurf nicht. Ihr ist zur Last gelegt, dass sie mit Franz verheiratet ist.

Beide haben beim Arbeitsgericht Ried ein Verfahren eingeleitet. Die Akte Sylvia Jodlbauer gegen „Braunauer Rundschau“ ist inzwischen geschlossen („Rundschau“ muss zahlen). Franz Jodlbauer hat die nächste Streitverhandlung am 4. September 2008. Inzwischen weiß er auch, warum er vor die Tür gesetzt wurde: Der Umsatz sei zurückgegangen, wurde ihm erklärt, was nachweislich nicht stimmt. Genau das Gegenteil war der Fall. Jodlbauer erreichte trotz lebensgefährlichem Aortariss sein bestes Jahr.

„Unser Standpunkt ist, dass sich die ‚Rundschau‘ gegenüber dem Ehepaar Jodlbauer korrekt verhalten hat und alles, was ihm rechtlich zusteht, auch zuerkannt wurde“, erklärt Max Hafele, Gesa
mtverkaufsleiter der Moserholding, auf Anfrage.

Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu. Ein Leitspruch, der es scheinbar nicht in den Kalender der entscheidenden Herrschaften bei der Moserholding geschafft hat.

Wo ist eigentlich Harald Fidler?

Dr. Media: Die Poster seines Branchendienstes derStandard.at/Etat spekulierten wegen zehn Wochen ohne (fid) in diesem Frühjahr schon über dessen Abgang vom „Standard“. Keine Rede, weiß Dr. Media: Fidler bereitet sein nächstes Buch über die österreichische Medienszene vor. Weit umfassender noch als sein Standardwerk „Im Vorhof der Schlacht“ aus 2004. Generalmotto: Warum es ist, wie es ist. Also von Fellners um Eckhäuser zu groß begonnenem Poker um die Printmacht bis zum kleinreformierten ORF und seinen zahllosen Baustellen, von Hans Dichands Entzauberung der „Krone“ und der bröselnden Mediaprint bis zum wilden Wachstum der Regionalkaiser. Erscheint im Herbst im Falter Verlag.

Dr. Media beantwortet in der „Journalist“-Sprechstunde regelmäßig Leserfragen zur Medienbranche. Fragen bitte per eMail an: sprechstunde@oberauer.com

Erschienen in Ausgabe 06+07/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 126 bis 129. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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