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Medien

USA: schlechtestes Jahr aller Zeiten

Eingelagert in die Furcht vor einer allgemeinen Wirtschaftsrezession ist die spezifische Sorge der Zeitungsverleger, mit dem technischen, durch die Digitalisierung bewirkten Umbruch nicht zu Rande zu kommen. Besonders krass sind die Auswirkungen in den USA. Selbst die weltweit bekannte „New York Times“ gerät durch ihre Aktionäre unter Druck und musste 100 Stellen in der Redaktion aus Kostengründen streichen.

Der us-amerikanische Medienexperte Tom Rosenstiel, Direktor des Project for Excellence in Journalism, sprach vor kurzem in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ vom „schlechtesten Jahr aller Zeiten für die amerikanische Zeitungsbranche“: „Wir nutzen das Internet ja schon seit zehn, zwölf Jahren, aber die dramatischen Auswirkungen auf die Ökonomie des Zeitungsgeschäfts und andere Branchen erleben wir buchstäblich in diesem Moment.“

Unter Hinzurechnung der Internetbesucher sei das Zeitungspublikum heute zwar größer als je zuvor, die Verleger steckten unternehmerisch aber in einem Dilemma: „Die Verleger könnten ungefähr 40 Prozent ihrer Fixkosten einsparen, wenn sie die gedruckte Ausgabe aufgäben – so viel kostet es nämlich, Zeitungen zu drucken und zu vertreiben. Aber zugleich machen nach wie vor Printwerbung und Vertrieb 90 Prozent der Einkünfte der meisten Zeitungen aus, während online nur ein Bruchteil dessen zu erzielen ist.“

Die in Madison im Bundesstaat Wisconsin erscheinende Zeitung „The Capital Times“ leitete bereits den Rückzug ins Internet ein. Sie erscheint nur noch zweimal pro Woche in gedruckter Form und kostenlos, die tägliche Hauptausgabe ist nur noch digital abzurufen.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 72 bis 75. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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