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Das Match: “Standard” gegen “Presse” on- und offline

Im Rennen um Platz eins im Feld der bundesweit erscheinenden Qualitätszeitungen hat Oscar Bronner in 20 Jahren “Standard” etwas geschafft, dass man ihm und seiner Mannschaft im Gründungsjahr 1988 nie und nimmer zugetraut hätte: der altehrwürdigen “Presse” nachhaltig den Rang abzulaufen. Obwohl Verlagsriese Styria in den vergangenen Jahren heftig in Marketing und Redaktion der “Presse” investierte, stellte die bislang letzte Media- Ananalyse einen kräftigen Dämpfer für Chefredakteur Michael Fleischhacker und seine Mannschaft dar. In der für die Werbewirtschaft mitentscheidenden Währung schneidet der “Standard” deutlich besser ab: Fünf Prozent Reichweite weist die Media-Analyse 2007 für Bronners Blatt aus; damit hat der “Standard” nach einem Durchhänger (4,9 Prozent im Jahr 2006) den alten Abstand zur “Presse” (2007: 3,8 Prozent Reichweite, ein Jahr zuvor waren es noch 4,3) wieder hergestellt. Die verkaufte Auflage des “Standard” liegt heute – laut den bislang letzten ÖAK-Zahlen – bei 76.775 Exemplaren. Die “Presse” verkauft ein bisschen mehr (83.315), hat aber mehr Großverkäufe zu verbuchen.

Richtig einordnen kann man den Erfolg des “Standard” aber nur, wenn man bedenkt, dass sich der Neuling, der zunächst als reines Wirtschaftsblatt gestartet war, binnen kurzer Zeit gegenüber einem Konkurrenten behauptet hat, der sich auf eine bis ins Revolutionsjahr 1848 zurückgehende Geschichte beruft.

Im Online-Geschäft sieht es noch bedeutend schlimmer für die “Presse” aus als bei der Zeitung – ebenfalls trotz massiver Investitionen in den vergangenen Jahren. Nach den bis Redaktionsschluss letzten verfügbaren Zahlen vom Juli 2008 weist die Österreichische Webanalyse (ÖWA) dem Online-”Standard” ( www.derstandard.at) eine Million und 222.353 Unique Clients, also unterschiedliche Besucher aus. Die Online-”Presse” ( www.diepresse.com) kommt gerade mal auf 709.798. Noch dramatischer fällt der Unterschied bei den Visits (der Zahl der Besuche der Unique Clients in einem Monat) und bei den Page Impressions (der Zahl der insgesamt aufgerufenen Seiten) aus. DerStandard.at: Sechs Millionen und 272.287 Visits, 43 Millionen und 946.388 Page Impressions. Diepresse.com: Eine Million 848.554 Visits, Page Impressions: Zwölf Millionen 302.744.

Der Grund für den großen Abstand zwischen “Standard” und “Presse” im Online-Geschäft liegt vor allem in der Zaghaftigkeit der Styria-Geschäftsführung begründet. Während Bronner fast von Anfang an (Der “Standard” war 1995 das erste deutschsprachige Medium im Internet) kräftig in das neue Medium investierte und auch nach dem Dotcom-Crash um die Jahrtausendwende nicht damit aufhörte, maßen die Steirer dem Internet lange keine große Bedeutung bei. Ein Fehler, für den sie bis heute schwer büßen müssen.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik “Titel” auf Seite 48 bis 51. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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