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Ein Stück österreichische Mediengeschichte im Schnelldurchlauf
Mit der Gründung des Wirtschaftsmagazins “trend”, des Nachrichtenmagazins “profil” und der Tageszeitung “Der Standard” hat Oscar Bronner die Medienlandschaft der Zweiten Republik geprägt wie nur wenige andere Verleger. Oscar Bronner wird im Jänner 1943 in Haifa geboren, das damals noch Teil des britischen Mandatsgebiets Palästina ist. Sein Vater ist der Komponist und Kabarettist Gerhard Bronner, der vor den Nazis dorthin geflohen ist. Oscar Bronners Großeltern väterlicherseits und fast alle seine Verwandten werden von Hitlers Schergen ermordet. Nach dem Krieg kehrt die Familie zurück nach Wien, wo er den Gutteil seiner Kindheit und Jugend verbringt.
In den Sechzigern arbeitet Bronner neben verschiedenen Studien (Theaterwissenschaft, Jus, Soziologie, Psychologie, keines abgeschlossen) als Praktikant im Chronikressort der “Arbeiter-Zeitung”, dann als Innenpolitikredakteur beim “Express”, anschließend als Redakteur der “Kurier”-Wochenendbeilage “Weekend”. Nebenbei schreibt er Geschichten für das von Friedrich Torberg gegründete Monatsblatt “Forum” und werkt als freier Mitarbeiter beim ORF. Der Erfolg einer von ihm 1968 gegründeten Werbeagentur und die Hilfe seines Freundes Karl Schwarzenberg (heute Außenminister der Tschechischen Republik) ermöglichen Bronner die Gründung des “trend”, der im Jänner 1970 erstmals erscheint. Nachdem sich dieser schnell etabliert, gründet Bronner kurze Zeit später das “profil”. Vier Jahre und zahllose interne Grabenkämpfe später verkauft Bronner 51 Prozent der Anteile am trend/profil-Verlag um 18 Millionen Schilling an die Kurier-Gruppe; den überwiegenden Rest der Anteile schenkt er langjährigen Mitarbeitern.
Anschließend zieht er nach New York, wo er bis 1986 als Bildhauer und Maler lebt. In diesem Jahr kehrt Bronner nach Österreich zurück, um eine Wirtschaftstageszeitung zu gründen. Nachdem er mit dem deutschen Springer Verlag einen Partner gefunden hat, gründet er den “Standard”, der am 19. Oktober 1988 erstmals erscheint und sich schnell zur “Vollzeitung” auswächst. Sieben Jahre später trennen sich die Fifty-Fifty-Partner der damals schwer defizitären Zeitung. Bronner kauft Springer mit Hilfe eines 200-Millionen-Schilling-Kredits der Bank Austria aus. Erst nachdem die Bank den zunächst auf zwei Jahre angelegten Kredit auf unbestimmte Zeit verlängert, gewinnt der “notorische Einzelgänger mit den unglaublich starken Nerven” (Hans Rauscher) wieder Boden unter den Füßen. Als Ende 1998 der Süddeutsche Verlag (“Süddeutsche Zeitung”) 49 Prozent am “Standard” erwirbt, ist dieser in den schwarzen Zahlen. Mit der Gründung der Bronner Online AG, dem Trägerunternehmen des Online-”Standard” hat sich Oscar Bronner seit Ende der Neunziger ein zweites wirtschaftliches Standbein geschaffen.
Im September kündigte Bronner an, den 49-Prozent-Anteil der “Süddeutschen” am “Standard” wieder zurückkaufen zu wollen. Soll heißen: Die 49 Prozent, die der Süddeutsche Verlag (“Süddeutsche Zeitung”) seit zehn Jahren am “Standard” hält, wird Oscar Bronner demnächst (zurück-) kaufen. Geschehen soll das über die in seinem Besitz stehende Bronner Online AG, die den Online-”Standard” herausgibt. Die neuen Eigentümer der Zeitung werden somit die Bronner Online AG (49 Prozent), die Bronner Familien-Privatstiftung (41 Prozent) und Oscar Bronner selbst (zehn Prozent) sein.
Oscar Bronner ist mit Andrea Bronner, Psychotherapeutin und Fachärztin für Neurologie, verheiratet und hat drei Kinder. Sein ältestes, das aus einer früheren Beziehung stammt, arbeitet in einem seiner Unternehmen: Alexander “Aco” Mitteräcker ist einer von drei Vorständen der Bronner Online AG, welcher der Online-”Standard” gehört. Tochter Laura hat soeben ein zweimonatiges Praktikum bei “profil” absolviert und studiert in Oxford Politikwissenschaft.
Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik “Titel” auf Seite 46 bis 47. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
