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ARCHIV » 2008 » Ausgabe 08+09/2008 »

Porträt

Dichands Exekutor

Von Elisabeth Horvath

Das letzte Mal“, erinnert sich Peter Gnam, innenpolitischer Redakteur der „Kronen Zeitung“, habe er sich in den 70er-Jahren mit jemandem öffentlich getroffen. Das war Stephan Koren. Der Wirtschaftswissenschafter und eiserne Verfechter einer Hartwährungspolitik, bekannt durch seinen „Koren-Plan“, hatte 1967 das Wirtschaftskonzept der ÖVP erstellt. Von 1968 bis 1970 war Stephan Koren Finanzminister in der ÖVP-Regierung Klaus. Gnam: „Koren lud mich damals zu einem Essen, weil er meinte, er wolle mir da einiges erklären.“

Phantom der „Krone“. Seither gibt es für den „Krone“-Redakteur keinen Kaffeehaus-Treff mit öffentlichen Personen, kein Mittagessen, kein Abendessen, keine Annahme von Einladungen, kein Erscheinen auf Parteiveranstaltungen, keinen Plausch mit Journalistenkollegen, es sei denn am Telefon, aber auch das fast so gut wie nie. Nichts. Absolut nichts. Gnam: „Ich treffe mich mit niemandem. Und ausgehen tue ich nur mit meiner Familie und privaten Freunden.“ Wäre also da nicht sein Kommentar-Foto in der Zeitung, das vor einiger Zeit durch ein aktuelles ersetzt wurde, man könnte meinen, den Peter Gnam gibt es gar nicht. Zumal jüngere Kollegen glauben an ein Phantom der „Krone“, wenn sie ihn lesen. Und zu Pressekonferenzen geht der Tageszeitungsredakteur schon gar nicht. Gnam: „Ich habe dort oft genug erlebt, dass man Fragen stellt, und dann schreiben einem die anderen alles weg. Also wozu?“

Gut möglich, dass Gnam schon deshalb jegliche Öffentlichkeit meidet, um nur ja nicht in seiner Deutungshoheit der österreichischen Innenpolitik beeinflusst zu werden oder sich gar Kritik anhören zu müssen. Immerhin entwickelte sich der ehemalige „Express“-Redakteur mit den Jahrzehnten zum konsequenten und dabei nicht zimperlichen Vollzieher der Sichtweise der „Krone“, strikt vorgegeben von Herausgeber Hans Dichand. Derzeit sind Dichands Kampfziele das Kampagnisieren gegen die EU sowie – jetzt im Wahlkampf – gegen die ÖVP als EU-Anhängerpartei beziehungsweise pro Hans Dichands „Ziehsohn“, SP-Kandidat Werner Faymann. Peter Gnams Instrumente dabei sind nicht gerade jene der feinen Klinge. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Dieter Kindermann, der eher moderat agiert und ÖVP-Leute auch schon mal leben lässt, ist Gnam keine Häme, kein verbaler Schmutzkübel, keine emotionsgeladene Einseitigkeit zu grauslich. Mag sein, dass diese Rollenverteilung – hier der Kampfschreiber, dort der Moderate – ebenso eine Strategie Dichands ist. Jedenfalls scheint sie der Mentalität des Duos zu entsprechen.

Keine Fehler. „Gnam ist ein Umsetzer mit einer sehr starken Loyalität zu Dichand“, beurteilt Heidi Glück, Eigentümerin der Consulting-Agentur „Heidi Glück spirit & support“ dessen journalistisches Werken. Die jetzige Consulterin war von 2000 bis 2007 strategische Beraterin und Pressesprecherin des damaligen ÖVP-Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel. Sie hat Gnam als Schüssel-Sprecherin sogar zwei Mal persönlich getroffen. Sie weiß also als eine der wenigen Menschen in der öffentlichen Szene, wie der Dichand-Wunsch- erfüller leibhaftig aussieht. Ansonsten haben die beiden täglich mindestens zweimal telefoniert. Wie Gnam generell seine Recherchetätigkeit aufs Telefonieren reduziert. Dieses freilich ausgiebig. Dabei geht es zumeist um Einschätzungen, die er sich bestätigen lassen will, oder um kleinere Zusatzinformationen. Auf keinen Fall jedoch darum, um eine Geschichte rundum zu recherchieren oder gar zu hinterfragen. Glück: „Er hat die Geschichte inhaltlich schon fertig im Kopf, wenn er anruft. Er lässt sich dann nur mehr von mehreren Seiten bestätigen bzw. recherchiert er kleine Details dazu. Man kann ihn schwer bis gar nicht beeinflussen. Er ist extrem bestimmt, er ist extrem genau, er macht keine Fehler.“

Alle, die Einblick haben in das Innenleben des mit drei Millionen Lesern und Leserinnen auflagenstärksten Printmediums Österreichs, bestätigen: Es gebe keine geschlossenere Redaktion als jene der „Krone“. Wenn von Hans Dichand die Direktive kommt, das sei die Linie, zieht es die Truppe eisern in allen Ressorts, besonders auf den Leserbriefseiten, durch – sei es in einer Sache, sei es für oder gegen einzelne Personen des öffentlichen Lebens. Kein Wunder, dass die Parteien im Umgang mit den Medien auf das Dichand-Produkt starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Bruno Kreisky indes, der Alleinregierungskanzler von 1970 bis 1983, pflegte stets zu sagen: „Von der ‚Kronen Zeitung‘ lässt man sich nicht benutzen, man benutzt sie.“

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Porträt“ auf Seite 32 bis 33 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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