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Gefahr für freie Berichterstattung? - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2008 » Ausgabe 08+09/2008 »

Gourmet-Special

Gefahr für freie Berichterstattung?

Von Umfrage Olga Dabrowski

Peter Hauer

Chefredakteur „Österreichische Trafikantenzeitung“

Sowohl Tabakwaren wie auch Alkoholika sind legale Genussmittel. Ein Werbeverbot für diese läuft auf eine Bevormundung der Bürger hinaus. Mit dem Tabakwerbeverbot hat die Europäische Union den Fuß in die Werbeverbot-Türe gestellt, und zwar – weil ja Gesundheit nach wie vor Mitgliedstaatensache ist – über die Harmonisierungshintertüre. Die „Österreichische Trafikantenzeitung“ hat bereits 2004 eine „Genuss braucht Information“-Unterschriftenaktion des Vereins für freien Zugang zur Information unterstützt – im Wissen, dass das Tabakwerbeverbot ein Freifahrschein-Präzedenzfall für die EU-Bevormundung in anderen Genussmittelbereichen ist. „Wenn wir uns dies unwidersprochen gefallen lassen, ist diese undemokratische Einschränkung objektiver Berichterstattung und der Informations- und Werbefreiheit auf andere Genussmittel wie Wein, alkoholische Getränke, das Packerl Chips oder Fastfood nur noch eine Frage der Zeit“, haben wir bereits damals georakelt und leider mit dieser Zukunftsperspektive offensichtlich Recht behalten.

Michael Blass

Fachverbandsgeschäftsführung, Wirtschaftskammer Österreich

Die Betriebe der Lebensmittelindustrie stellen ein breites Sortiment an hochwertigen Artikeln her, das Konsumenten ein abwechslungsreiches, vielfältiges und genussreiches Auswählen ermöglicht. Die Produkte werden mit umfangreichen Kennzeichnungsangaben, die von der EU-Gesetzgebung vorgeschrieben sind, vermarktet. Zusätzlich informieren die meisten Hersteller auf den Verpackungen ihrer Waren, über Folder, Consumer Carelines und ähnliche Medien über Nutzen, Verwendung und Einsatzgebiete der Lebensmittel.

Die Branche setzt auf Aufklärung und Erziehung zu ausgewogener Ernährungsweise und gesunden Lebensstilen. Der Genuss spielt dabei eine wichtige Rolle. Defizite im Schul- und Bildungsbereich können freilich nicht im Wege von Produktinformationen kompensiert werden.

Für ihre Kommunikation insbesondere im Marketing und in der Werbung hat sich die Lebensmittelindustrie eine Reihe von Richtlinien in Form von Selbstverpflichtungen auferlegt. Sie ist davon überzeugt, dass diese Maßnahmen sinnvoller sind als Beschränkungen und Verbote der Kommunikation mit den Konsumenten.

Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, dass Genießer von alkoholischen Getränken mit Alkoholkranken gleichgesetzt werden. Dieser Ansatz ist völlig falsch. Man sollte auch berücksichtigen, dass zwischen unterschiedlichen alkoholischen Getränken, Konsumanlässen und Genusskulturen der einzelnen Länder und Regionen zu differenzieren ist. Beispiele von Tabakwerbeverboten in Italien oder aktuell in Österreich im Printbereich beweisen zudem, dass das Konsumverhalten trotz Verboten unverändert bleibt. Prohibitive Maßnahmen tragen das Risiko der „Verkehrung ins Gegenteil“ mit sich. Im EU-Mitgliedstaat Schweden etwa ist Alkohol erst ab 18 Jahren legal erhältlich und die Abgabe durch ein staatliches Monopol streng geregelt. Das Resultat dieser Politik: Junge Männer unter 18 trinken dort um 50 Prozent mehr Alkohol (pro Kopf) als der durchschnittliche männliche Konsument. Sinnvoller wäre es die Einhaltung bestehender gesetzlicher Regelungen (Abgabealter, Verkauf, Jugendschutzgesetz, etc.) genauer zu kontrollieren, als neue Maßnahmen zu erfinden.

Elisabeth Ruckser

Chefredaktion „Wienerin Food & Style“

Keine Werbung für Nikotin, Alkohol, Süßigkeiten, Medikamente, Mode, Kosmetik, Schweinsbraten, Schlagobers, Schnitzel – wo fängt es an, wo hört es auf? Das mag vielleicht ein Diskussionsanreiz sein, sich über Gesundheits- und Körperbewusstsein ein wenig mehr als üblich den Kopf zu zerbrechen (was dringend notwendig wäre), aber wenn es im selben Atemzug um die Freiheit der Medienberichterstattung geht, hört sich der Spaß natürlich auf. Ob ich in einem Medium über Wein berichte oder nicht, hängt mit denselben Kriterien zusammen, nach denen ich entscheide, ob ich über ein Bio-Produkt, eine Ernährungsstudie oder ein Kinderbesteck schreibe. Das muss redaktionelle Freiheit bleiben und darf keiner Zensur unterliegen. Natürlich haben Medien Verantwortung, aber in Wahrheit geht es um die Frage, ob wir eigenverantwortlich leben wollen, oder Big Brother für alles und jedes zuständig erklären. Und da bin ich eindeutig nicht für Letzteres.

Dieter Angermair

Geschäftsführung

Bacardi-Martini GmbH

Studien belegen, dass ein Werbeverbot für alkoholische Getränke keine Veränderung des Gesamtkonsums ergibt, sondern lediglich Marktanteilsverschiebungen – zumeist zugunsten großer, etablierter Marken. Unserer Meinung nach – und diese deckt sich mit jener des Großteils unserer Gesellschaft – liegt es vielmehr an der Eigenverantwortung des Konsumenten und andererseits an der effektiveren Umsetzung bestehender gesetzlicher Regelungen, den Missbrauch von Alkohol auf ein Minimum zu reduzieren. Darüber hinaus nehmen wir selbst unsere Verantwortung der Gesellschaft gegenüber wahr, indem wir auf Basis unserer Selbstbeschränkungsregelungen („Bacardi Kodex“) jegliche Kommunikation nach außen hin verwenden, um den maßvollen Alkoholkonsum zu promoten.

Irmtraud Weishaupt-Orthofer

Redaktion „Kochen & Küche“

Grundsätzlich denke ich, dass es nicht unbedingt einen Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit bedeuten würde, wenn Nikotin und Alkohol in Zukunft nicht mehr beworben werden.

Ich glaube kaum, dass irgendjemand aufgrund der Bewerbung der genannten Produkte zu rauchen oder trinken anfängt – das spielt sich meist eher unter gesellschaftlichem „Druck“, wenn man es so nennen will, ab.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Gourmet-Special“ auf Seite 64 bis 67 Autor/en: Umfrage Olga Dabrowski. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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