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Heißer Herbst

Von Elisabeth Horvath

Der diesjährige Journalistinnenkongress (9. und 10. Oktober) wird nach längerer Zeit wiederum auch Männer in die Diskussion einbinden. Dies deshalb, weil sich die Veranstalterinnen Antworten auf Frauen erhoffen, die „wir von Frauen so nicht bekommen würden“, erklärt Gerti Kuhn, verantwortlich für TEXT & KONZEPT. „Etwa was Frauen vielleicht noch fehlt, um karrieretauglich bis in die höchsten Spitzen zu sein.“

Dazu erwartet man beispielsweise Oscar Bronner, Herausgeber der Tageszeitung „Der Standard“. Immerhin ist er der einzige in der österreichischen Medienszene, der eine Frau, Alexandra Föderl-Schmid, zur Chefredakteurin berufen hat. Weitere männliche Kollegen bei der Podiumsdiskussion „Mehr Frauen in Spitzenpositionen – Strategien zur Beschleunigung einer notwendigen Entwicklung“ am 9. Oktober nachmittag, geleitet von Trautl Brandstaller: „profil“-Herausgeber Christian Rainer sowie „Journalist“-Herausgeber Johann Oberauer. Mit dabei wird auch der erste Mitarbeiter aus dem norwegischen Ministerium für „Kinder Chancengleichheit“, Sorlien Petter sein. Sein Thema werden die Hintergründe der Quote sein, die Akzeptanz, die Reaktion der Wirtschaft, die der betroffenen Frauen etc.

Oder: Männerforscher Erich Lehner wird von Ursula Puschmann zum Thema „Männliche Hierarchien“ befragt werden. Von ihm wollen die Journalistinnen hören, warum Männer als ihre Nachfolger Männer präferieren. Weiters wie männliche Hierarchien im Detail funktionieren und vielleicht auch welcher Frauentyp Männer irritiert und welchen Männer leichter akzeptieren. Da ist zu hoffen, dass auch andere männliche Kollegen mitdiskutieren, da dies eine sehr individuelle Frage ist. Aber vielleicht ergibt sich doch so etwas wie eine Art Prototyp.

Natürlich könnte man kritisieren, dass dies Frauen überhaupt wissen wollen. Man könnte es als Ausdruck des Selbstzweifels deuten. Dass dem aber keineswegs so ist, es sich vielmehr nur um eine reale Sciht der Verhältnisse handelt, ergibt sich schon alleine aus der Tatsache, dass in Personalfragen auf höheren Ebenen immer noch fast ausschließlich Männer entscheiden. Denn es sind sie, die in den einschlägigen Entscheidungspositionen sitzen.

Im Rahmen der Workshops ist besonders jener zu den Finanzen „Gebt den Frauen das Geld“ interessant. Gender Budgeting, unterschiedliche Entlohnung nach Geschlecht, Umgang mit Geld, werden die Subthemen sein.

Besonders nachgefragt ist der Workshop „Stress, Burnout und Strategien dagegen“. Kein Wunder offenbar, ist dies doch Beweis dafür, wie sehr auch Journalistinnen von der weit verbreiteten und gesellschaftlich offenbar noch immer akzeptierten (brutales Motto: selber Schuld) Doppel- bis Dreifachbelastungen der Frauen betroffen sind.

Neu in der Reihe der Workshops ist jener über „Technik und Kommunikationstechnologien“. Dies ist ein Zentrum des Ausprobierens, des Nachfragens, Sich-Beraten-Lassens. Von Basic bis Visionen, für alles werden Expertinnen zur Verfügung stehen.

Wie überhaupt als Experten für ein Sachthema natürlich keine Männer ausgewählt wurden. Gibt es doch genügend gut ausgebildete und kluge Frauen. Man muss sie nur vor den Vorhang holen.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 14 bis 15 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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