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Portät

Nie bierernst

Von Elisabeth Horvath

Hineingeboren in eine Vollblut-Journalistenfamilie ließ sich Rainer Nowak, einer der zwei Ressortchefs „Chronik“ und Gastro-Kritiker der „Presse“, weder von Eltern noch deren Freunden seinen Wunschberuf Journalismus ausreden. Immerhin waren Großvater und Onkel mütterlicherseits ebenso Journalisten wie Rainers Mutter, die ORF-Kulturjournalistin Christa Hauser, und sein Vater, der frühere APA-Chefredakteur Andreas Nowak. „Viele wollten mir den Beruf austreiben“, sagt der 36-Jährige. „Wie man sieht, vergeblich.“ Vor allem als Rainer Nowak auf Anneliese Rohrer traf, war es um den Jungredakteur geschehen. Rohrer, damals „Presse“-Ressortchefin Innenpolitik, „wollte immer, dass ich mein Studium der Geschichte und Politologie fertig und danach beruflich was anderes mache“, erinnert sich Nowak. „Aber sie war meine große Lehrerin. Und wer unter ihr gelernt hat, der hat Blut geleckt – auch wenn ich schon oft zornig geworden bin und mir die Tränen gekommen sind.“

Einziges Hobby. Ist die politische Berichterstattung Rainer Nowaks Haupt-Profession, so ist die Gourmet-Kritik sein Hobby. Und zwar sein einziges, wie er beteuert. Denn in Summe sind es nur etwa zehn Prozent der Arbeitszeit, die der leidenschaftliche Restaurantgeher dafür aufwendet. Allerdings: Es sind genau diese zehn Prozent, die den Gourmet in der Öffentlichkeit sehr schnell sehr bekannt gemacht haben. Dies, obwohl er neben den klassischen Chronik-Storys immer wieder g’schmackig aufbereitete Wien-Themen bringt und diese auch zeichnet. Etwa die Darstellung der gesellschaftlichen Struktur und Lebensweise des siebten Bezirks mit einem grünen Bezirksvorsteher. Oder: Wie entwickelt sich der zweite Bezirk, einst der Wohnort vieler jüdischer, zum Großteil orthodoxer Familien?

Aufgewachsen bis zum elften Lebensjahr in Innsbruck übersiedelt Rainer Nowak nicht zuletzt aufgrund der beruflichen Veränderung der Eltern nach Wien. Er besucht das gutbürgerliche Gymnasium Wasagasse im neunten Bezirk, beginnt sein Studium an der Uni Wien und wird später zum „klassischen Studienabbrecher“, wie er es formuliert. Klingt, als wäre er stolz darauf. Klar, für Vollblut-Journalisten ist Studienabbruch ein Markenzeichen. Seinen ersten Artikel verfasst er für das Uni-Magazin des VSSTÖ (Verband Sozialistischer Studenten Österreichs). Thema: eine Kritik über Schillers „Räuber“ am Wiener Burgtheater.

Den Zivildienst absolviert er beim „Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands“ (DÖW). Und 1988 war für ihn ein „prägendes Jahr. Da war der Fall Waldheim“, erinnert sich der Ex-Zivildiener. „Da hatte ich ganz klar eine andere Meinung als mein Vater und auch so mancher in der ‚Presse‘. Heute stellt sich die Frage nicht. Aber mein Vater sagt oft, ich sei ein Linker.“ Dabei agiert der Parteilose bewusst in Distanz zu allen Parteien und Verbindungen. Es sei doch viel angenehmer, kritisch sein zu können. Aber natürlich sei es auch eine Form von Eitelkeit, „wenn man sich von niemandem vereinnahmen lässt“.

In seiner „Presse“-Jungredakteurszeit durchwandert Nowak nahezu sämtliche Ressorts: Innenpolitik, Kultur, Feuilleton, irgendwann wieder zurück zur Innenpolitik und jetzt Chronik, wo zwölf Leute werken. Nowak gilt als Experte in Restitutionsfragen. Zwischendurch nimmt er ein halbes Jahr New-York-Sabbatical und berichtet auch von dort für die „Presse“. Verheiratet ist Rainer Nowak mit Petra Schenk, Kreativ-Mitarbeiterin bei „Publicis“ und nebstbei Kritikerin im Gastro-Magazin „A la carte“. Die gemeinsame Tochter Paula ist zwei Jahre alt.

Sterneaffin. Zu seinem Lebenselixier Gastronomie, gutes Essen, gutes Trinken in einer Atmosphäre, die die Sinne belebt, hat auch der spätere Lebenspartner von Rainer Nowaks Mutter, der frühere ÖVP-Pressechef und vormalige Chefredakteur der „Wiener Zeitung“, Peter Bochskanl, seinen Beitrag geleistet. Immerhin habe Peter ihn im Alter von 13, 14, 15 Jahren „durch die Michelin-Lokale Europas geschleppt“. Das hat den Teeny geprägt, da hat er seine Geschmacksnerven verfeinert. Kein Wunder also, dass Nowak im Herausgeber von „A la carte“, Christian Grünwald, einen „guten Freund“ hat. Ebenso wie er in Michael Horowitz, Chefredakteur des „Kurier“-Lifestyle-Magazins, seinen „Mentor“ sah.

Inhaltlich ist dem Gastro-Kritiker Nowak denn auch eines wichtig: Die Leser „sollen sich unterhalten, auch wenn sie nicht in diese Lokale gehen.“ Deshalb schreibe er bewusst anders als seine Branchenkollegen, eher pointiert, eher ein wenig persiflierend und ja nicht detailverliebt. Rainer Nowak: „Diesen Bierernst der Kollegen, den halte ich schwer aus.“

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Portät“ auf Seite 60 bis 61 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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