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ARCHIV » 2008 » Ausgabe 08+09/2008 »

APA-Special

Rekord-Umsatzplus zur Hofübergabe

Von Interview: Engelbert Washietl

Wenn 2009 in Ihrem ersten Jahr als APA-Chef die Zeiten schlechter werden sollten – haben Sie einen Alarmplan in der Lade, Herr Kropsch?

Peter Kropsch: Es ist wie beim Autofahren, man muss mögliche Hindernisse weit vorn ausmachen. Jetzt sind keine dramatischen Maßnahmen nötig. Wir haben aus den Krisenjahren 2001/2002 viel gelernt, nämlich dass man auch dann, wenn es anscheinend besser geht, konstant darauf schauen muss, dass wir uns auf der Umsatzseite dorthin bewegen, wo die großen Potenziale sind und nichts außen vor lassen. Wolfgang Vyslozil ist ja bekannt für seine Reden bei Weihnachtsfeiern, in denen er immer sagt, das abgelaufene Jahr war eines der besten, aber das nächste wird besonders schwierig.

Wolfgang Vyslozil: Sie wissen ja, dass es uns jetzt recht gut geht. Also erstarren wir nicht in Panik und warten darauf, dass die Krise kommt. Wir setzen unsere ganz normale Investitionspolitik konsequent fort, wir machen an einer Vielzahl von Stellen hoch innovative Dinge fertig. Wir haben die Akquisition von Keystone hinter uns, wir werden heuer ein Umsatzplus von 32 Prozent in der gesamten APA-Gruppe machen.

So viel haben Sie noch nie gemacht.

Vyslozil: Eh nicht. Wir akquirieren ja auch nicht jedes Jahr ein Unternehmen von der Größenordnung Keystones. Aus dem originären Geschäft wachsen wir mit sieben oder acht Prozent, der Rest kommt durch Keystone. Wir werden einen Umsatz von extra 58 Millionen Euro haben.

Ist die Gratiszeitung schon ein Geschäft für die APA?

Vyslozil: Bis jetzt noch nicht. Es ist wichtig, dass wir die Gratiszeitungen haben und es wäre schlecht, wenn wir sie nicht hätten. In einem Strategiepapier von 2006 steht aber auch, dass wir Gratisangebote von Medieninhalten als wesentliche Bedrohung ansehen. Unser Kerngeschäft besteht zum großen Teil aus der Vermarktung von entgeltlichen Inhalten. Ein Wettbewerber, der Inhalte gratis anbietet, ist dann ein strategisches Problem.

Das heißt aber, dass die Gratislinie doch problematisch ist, weil die Geschäftspartner dabei nichts mehr verdienen?

Kropsch: Es liegen auch Chancen drin. Die Gratiszeitungslandschaft ist ja nicht homogen. Es gibt nicht nur „Heute“, sondern auch sehr regionale Produkte. Bei den regionalen Themen können wir in der APA schon noch einiges tun: die Inhalte regionalisieren, aber auch eine dazu gehörige Strukturkomponente anbieten. Wir werden die Geocodierung ausbauen, so dass wir dann mit einem neuen Angebot dastehen, das für regional ausgerichtete Medien eine Rolle spielen wird.

Brauchen Sie da nicht weitere Mitarbeiter, wenn Sie regional stärker mithalten wollen?

Kropsch: Wenn wir die APA gesamthaft betrachten, dann gehören auch die Angebote dazu, die da sind und die wir auf unserer Datenbank schon vermarkten. Wir sind nicht nur Content-Schöpfer, sondern auch Rechtehändler. Es sind sehr viele Inhalte da, und die APA ist durch ihre technologische Basis in der Lage, die Inhalte so aufzubereiten, dass sie regional wieder verwertbar werden können.

Regionalisierung ist offenbar die aktuelle Herausforderung in der APA?

Kropsch: Sie ist sicherlich eine der Herausforderungen. Wir erkennen den Markttrend. Die „New York Times“ schreibt ja nicht zufällig über ein kleines regionales Blatt in Kansas City, das sei die Zeitung der Zukunft. Wir müssen unser Angebot in dieser Richtung optimieren.

Den Trend kann man auch kritisch betrachten. Das Publikum bleibt fixiert auf das, was im unmittelbaren lokalen Bereich passiert, und blendet alles andere aus. Mit Ihren Geocodes könnte man von vornherein alles Lokale für sich herausfiltern und den Rest vergessen. Ist das eine gute Entwicklung?

Vyslozil: Also so wird es nicht laufen, das kann auch nicht unsere Antwort sein. Wir behalten ja das bei, was wir zur Zeit machen. Wir wollen aber dort, wo wir wie in Linz oder Salzburg unsere zwei Korrespondenten haben, tiefer in die Räume eindringen. Das kommt dazu, aber nicht stattdessen. Wir halbieren deswegen ja auch nicht unsere Außenpolitik. Wir wollen die neuen Märkte besetzen, beispielsweise auch auf das antworten, was bei Styria und Moserholding passiert. Da wollen wir dabei sein, nicht nur mit technologischen Lösungen, sondern auch mit Inhalten.

Was nützt da der Korrespondent in Graz, wenn Sie an Ereignisse im letzten steirischen Tal herankommen wollen?

Vyslozil: Es kann nicht heißen, dass wir analog zur „Kleinen Zeitung“ überall APA-Büros aufmachen. Das würden wir nicht schaffen, außerdem kämen wir sogar in Konkurrenz zu unseren Genossenschaftern. Es geht um Synergien, um das Zusammenspiel mit den lokalen Anbietern. Wenn wir die Tageszeitungen in der Datenbank vermarkten, dann ist das eine zusätzliche Leistung, die wir auch gegenüber unseren Genossenschaftern erbringen. Ähnliche Modelle könnten wir uns im Fachbereich lokale Information vorstellen.

Was ist Ihre nächste große Aufgabe?

Kropsch: Die sehr erfolgreiche Akquisition von Keystone ist ein gro- ßer Brocken für uns. Die APA muss schauen, dass sie die Chance auch entsprechend nützt. Wir haben im Bildbereich sehr viele Erfahrungen gewonnen, auf der technischen Ebene gibt es noch Herausforderungen. Es geht um die Plattform, auf der wir die Bilder in Zukunft anbieten wollen. Außer den aktuellen Nachrichtenbildern gibt es bei Keystone auch noch Bilder aller Art – Celebrities, Red-Carpet-Fotos, Bilder für Plakate. Diese Kategorie ist eine sehr breite.

Vyslozil: Perspektivisch geht es darum, dass wir mit Keystone eine Marke entwickeln wollen, die international tätig ist. In drei bis vier Jahren soll Keystone einer der drei größten Bildanbieter sein, beispielsweise neben der skandinavischen Scanpix und der dpa. Wir halten 60 Prozent an Keystone, die Schweizer Depeschenagentur SDA 40 Prozent. Das ergibt ein Dreieck, in dem alle drei Partner einander im Technologiebereich schon sehr nahe sind und wir in Kooperation mit den Schweizern unsere Kompetenz einbringen können – da entsteht mehr als bloß eine Beteiligung in Zürich. Wir sind im Dachraum Österreich-Deutschland-Schweiz ein großes Stück weitergekommen und sind beispielsweise an den dpa-AFX Finanznachrichten der Deutschen Presse-Agentur beteiligt.

Kropsch: Ja, die dpa hat uns 2001 eingeladen, an dem Unternehmen mitbeteiligt zu sein, und das hat sich sehr gut entwickelt.

Kommen weitere Akquisitionen?

Kropsch: Wir halten die Augen offen. Wir haben in der Zwischenzeit eine weitere Erwerbung gemacht, nämlich den Medienbeobachter Eisenbacher. Die Medienbeobachtung hat sich auch sehr geändert, da steckt Corporate intelligence dahinter. Es werden neue Dienstleistungen auf zwei verschiedenen Märkten angeboten. Auf dem einen brauchen Entscheider die neuesten und für sie relevanten Informationen, um im Tagesgeschäft bestehen zu können – einen Art Radarschirm für den Markt und ihre Mitbewerber -, in der zweiten Sparten werden aus Anlass bedeutender Entscheidungen eher große Dokumentationen über die Medienlage gewünscht, ein Überblick über 2.000 oder 2.500 Medien, die wir in Österreich haben und darüber hinaus. Mit der Firma Eisenbacher stärken wir vor allem diesen zweiten Markt.

Die APA könnte mit ihren vermarktungsfähigen Produkten auch in Osteuropa stärker auftreten, weil dort ein Bedarf an Know-how und Innovation besteht?

Vyslozil: Man soll die Fähigkeiten der osteuropäischen Nachbarn nicht unterschätzen. Ich nehme nur Prag: Die CTK ist außerordentlich gut aufgestellt. Aber der langfristige Fokus der APA wird den osteuropäischen Raum gewiss nicht außer Acht lassen. Akquisition ist immer auch eine Frage der Opportunities.

Akquisition heißt aber auch, die personellen und menschlichen Ressourcen zu entwickeln.

Und jetzt kommt also die Hofübergabe: in den Gremien schon abgesegnet, völlig reibungslos zum Jahreswechsel?

Vyslozil: Also mit dem Thema Generationswechsels setzte ich mich seit fünf Jahren ganz systematisch auseinander. Das ist bei mir ein ganz rationaler Prozess gewesen. Ich habe nachgedacht und bin zu
dem Ergebnis gekommen, dass eine hausinterne Lösung die beste wäre. Diese Option habe ich den Eigentümern angeboten. Sie entschieden sich einstimmig für Peter Kropsch, der in einem ersten Schritt ja schon mein Co-Geschäftsführer geworden war.

Was tun Sie nach dem 31. Dezember den ganzen Tag über, Herr Vyslozil?

Vyslozil: Das frage ich mich auch manchmal. Wenn ich davon absehe, dass ich auf einmal Reiseseiten in den Zeitungen zu lesen beginne – dass ich nur den Garten neu gestalte, das wird es nicht sein. Ich möchte am Rand mit den Themen und dem Erfahrungsschatz, den ich mir erworben habe, schon dabeibleiben. Nicht in der APA, aber im universitären Bereich, und vielleicht mache ich auch Strategie-Consulting. Da gibt es ein paar Anfragen. Ein Buchmanuskript liegt in der Lade, also zumindest angefangen.

Über Medienmanagement?

Vyslozil: Präzise: Über vom Staat unabhängige Nachrichtenagenturen. Darüber können wir gleich noch eine Stunde reden, aber ersparen wir uns lieber die Zeit.

Abgesehen davon, dass die APA-Redaktion die bevorstehende Nationalratswahl journalistisch bewältigen muss, ist die Wahl im politischen Sinn für die APA kein Thema?

Vyslozil: Sie können sich nicht vorstellen, welche tiefe Befriedigung mir das innerlich bereitet. Wenn ich andere Nachrichtenagenturen anschaue, und da brauche ich gar nicht nach Osten zu schauen, sondern zum Beispiel auf die große spanische Nachrichtenagentur efe, was da bei den Managern dieser Agenturen vor einer Wahl für Zitterei herrscht, weil sie nicht wissen, was mit ihnen nach einer politischen Wende passiert. Also ich will gar nicht nachrechnen, wie viele Regierungswechsel ich als APA-Geschäftsführer erlebt habe. Für die APA ist diese Unabhängigkeit selbstverständlich.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „APA-Special“ auf Seite 94 bis 95 Autor/en: Interview: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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