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Sprechstunde

Erscheint Österreich bald als Notausgabe?

Dr. Media: Schaut so aus. Der Umfang wird immer dünner. Es wird gespart wo nur geht.

Die Außenpolitik hat oft nur eine Seite. Da erfährt man selbst in der „Krone“ mehr. Hat Fellner uns nicht eine Qualitätszeitung versprochen?

Wo gibt es die beste Journalistenschule?

Dr. Media: Wohl im Monatsmagazin „Datum“, das für diese Tätigkeit eigentlich ordentlich subventioniert werden sollte.

Zur Verdeutlichung eine Liste jener, aus denen schnell was geworden ist (mit zwei Ausnahmen alle unter 30):

* Wolfgang Luef: „Süddeutsche Zeitung“ (vorher Österreich-Korrespondent der „Zeit“ mit Joachim Riedl)

* Solmaz Khorsand: aktuelle Österreich-Korrespondentin der „Zeit“

* Martin Langeder: „Süddeutsche Zeitung“ (Lokalressort und Magazin)

* Gunther Müller: Außenpolitikredakteur „profil“

* Joseph Gepp: Stadtleben-Redakteur „Falter“

* Nikolaus Jilch: „Sonntags-Kurier“ (derzeit karenziert)

* Mathias Huter: Johns Hopkins University Bologna/Washington

* Markus Pühringer: Innenpolitikredakteur „Format“

* Dominik Sinnreich: ORF-Fernsehen („Wie bitte“)

* Nicole Bojar: Lifestyle-Redakteurin Online-„Standard“

* Birgit Wittstock: Chronikredakteurin DerStandard.at

* Peter Draxler: Innenpolitikredakteur DiePresse.com

Jetzt sucht Chef Klaus Stimeder nach neuen Talenten.

Die werden nicht viel verdienen, können aber aufzeigen.

Warum sind Medien in der

Medienarbeit so schlecht?

Dr. Media: Gute Frage. Es ist leider so. Zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit und eigener Erfahrung belegen das.

Beispiel 1: Der Ex-„News“-Chefredakteur Josef Votzi erfuhr von seiner Ablöse, nachdem die Nachricht schon bei „Österreich“ war. Ein dramatischer Vorfall im Lift war die Folge. (Ein Interview mit dem neuen „News“-Chefredakteur finden Sie auf Seite 84).

Beispiel 2: Pius Strobl, im ORF Chef der Monsterabteilung Marketing und Kommuniktation.

Ein Anruf an einem Montag um 9.10 Uhr (eigentlich eine normale Arbeitszeit) landete auf einem Anrufbewantworter. „In dringen Fällen“ wird auf einen guten Kollegen verwiesen, der aber auch nicht alles weiß.

Warum zeichnet Szyszkowits nicht mehr in der „Wiener Zeitung“?

Dr. Media: Wegen Faymann. Es erschienen zwei vergleichsweise harmlose Karrikaturen zum SP-Kanzlerkandidaten. Danach stellte Faymann-Mentor Hans Dichand den „Superrudi“-Zeichner der „Krone“ vor die Frage: „Krone“ oder „Wiener Zeitung“? Zuvor war die Tätigkeit für beide Blätter kein Thema. Die Texte zum „Superrudi“ macht übrigens Andreas Konwallin, der „Herr Strudl“ der „Krone“. Mit dem eiskalten Machtpolitiker Faymann als Kanzler kann sich die heimische Medienbranche auf so manches einstellen. Wachsamkeit ist angebracht. Wohlmeinende Medien werden von ihm und ihm unterstehenden Unternehmen mit Inseraten zugeschüttet. Kritik wird als Majestätsbeleidigung brutal gestraft.

Was ist von den Leserbriefseiten der „Krone“ zu halten?

Dr. Media: Faktum ist, es sind immer die gleichen. Verwunderlich bei einem Medium mit drei Millionen Lesern. Hans Dichand hat da seine Lieblinge. Etwa Franz Weinpolter. Selbst ans Krankenbett im Wiener Rudolfinerhaus ließ Dichand sich zuletzt die Post liefern.

Ein gewisser Ernst Kohl aus Neuzeug (Oberösterreich) hat sich einer mühsamen Aufgabe unterzogen. Der „Krone“-Abonnent hat von 12. Oktober 2005 bis 27. Oktober 2007 die Autoren in einer Excel-Datei gespeichert.

Seine Analyse: Nach den zwei Jahren hatte er die Namen aller Leserbriefschreiber von denen nicht mindestens 24 Leserbriefe stammten, also monatlich einer abgedruckt wurde, gestrichen.

Es blieben 18 Namen und von diesen 18 Leserbriefschreibern – falls es diese tatsächlich gibt – wurden in zwei Jahren 1.282 Leserbriefe abgedruckt, von Platz 1 alle 2,2 Tage bis zu Platz 18 alle 16,6 Tage.

Wissen Sie was über die ominöse „profil“-Gehaltsliste?

Dr. Media: Wir haben sie. Mail ist ein Hund. Da drückt einer mal auf eine falsche Taste und sie landet im falschen Verteiler. Der Systemadministrator hat die fehlgeleitete Mail nach zehn Minuten gelöscht, da hatten sie einige aber bereits vorher ausgedruckt.

Zum Inhalt: „profil“- und Nicht-mehr-„trend“-Chef – Christian Rainer verdient im Monat 27.843 Euro. Wenn er ganz ausscheidet (was manche glauben), kriegt er für jeden offenen Urlaubstag 1.392,15 Euro.

Chefredakteur Herbert Lackner kommt auf 14.620 Euro. Co-Chefredakteur Sven Gächter auf 10.426 Euro. Etwas mehr als Gächter verdient der längstdienende Redakteur: Robert Buchacher (11.692 Euro). Dessen Frau als Sekretärin geht es mit 5.394 Euro auch nicht schlecht.

In diesen Brutto-Entgelten sind auch die aliquoten Sonderzahlungen einberechnet.

Pfuscht „Doktor“ Lackner?

Dr. Media: Weißer Mantel, Stethoskop um den Hals, bedächtige Miene, Arme gefaltet. So stellt man sich eigentlich einen Arzt vor. Geduldig die Sorgen seines Patienten aufsaugend. Aber – das ist doch der Lackner! Äh, „Doktor“ Lackner? Pfuscht der Chefredakteur von „profil“ heimlich? Kuriert er jetzt gar Kranke? Mitnichten, wenngleich in diesem Fall böse Zungen flüstern, dass die Idee nicht ganz abwegig wäre. Paulus Manker stimmte einem Sommergespräch mit Lackner unter einer Bedingung zu: Das Interview müsse in der „Alma“-Kulisse geführt werden und Lackner soll den Doktor spielen. Na dann!

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 120 bis 121. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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