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Verletzte „Österreich“? - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

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Verletzte „Österreich“?

Von Kurt Tozzer

Der Rumäne mit dem Vornamen Cornel dürfte besonders zartbesaitet und leicht zu kränken sein. Mit ein paar Hundert Euro jedoch sei sein Gemüt zu trösten, ließ er wissen. Schließlich sei sein Foto veröffentlicht und ihm böse Taten unterstellt worden. Das muss doch von der Zeitung, die das tat, vergolten werden, ließ er seinen Anwalt vor Gericht fordern.

Es war im April, als sich niederösterreichische Polizisten in einem getarnten Auto nahe einer Raststätte bei Schwechat als Lockvögel auf die Lauer legten. Zahlreiche Anzeigen waren eingegangen, wonach sich junge Männer, wahrscheinlich aus Osteuropa, als Polizisten ausgaben, einen Phantasieausweis vorzeigten und bei einer angeblichen „Wagenkontrolle“ die Insassen auszuplündern versuchten. Die Polizisten in Zivil wollten die Gangster auf frischer Tat ertappen.

Die Falle funktionierte. Drei Rumänen kamen knapp vor vier Uhr früh zum Auto, gaben sich als Polizisten aus. Die echten sprangen aus dem Wagen, die falschen flohen in ihrem. Ein Schuss fiel, ein Rumäne wurde tödlich getroffen, die anderen festgenommen. Am Tag darauf gab das Landeskriminalamt Niederösterreich die mögliche Aufklärung der vorangegangenen Aktionen der falschen Polizisten bekannt, bat die Zeitungen um die Veröffentlichung der Fotos der Festgenommenen, um weitere Zeugenaussagen zu erhalten.

Klage. Auch „Österreich“ berichtete einige Male über die Affäre und wurde nun von einem der falschen Polizisten wegen Bekanntgabe der Identität und Verletzung der Unschuldsvermutung geklagt. Richtiger gesagt: Es wurden Anträge eingebracht auf Zuerkennung einer Entschädigung wegen der erlittenen Kränkung. „Das ist ja abenteuerlich – weil die Polizei die Gaunerei auf der Straße gestoppt hat, versucht man jetzt, auf diese Weise zu Geld zu kommen“, meinte erbittert ein Manager des Blattes.

Aus welchem Holz die „Polizisten“-Bande geschnitzt ist, enthüllte ein Bericht des sicherlich nicht voreingenommenen „Falter“. Man habe in Bukarest gehört, dass es „in Österreich möglich ist, Geld zu stehlen, wenn man sich als Polizist ausgibt“, zitiert die Wochenzeitung einen der Festgenommenen. Und schreibt weiter, dass einer von ihnen drogensüchtig sei und der andere in Rumänien wegen Vergewaltigung gesucht werde. Wahrlich Typen, die durch Zeitungsberichte leicht zu kränken sind.

Deutsches Vorbild. Die Richterin Katja Bruzek wird nun, nach Befragung von Zeugen, zu prüfen haben, ob „schutzwürdige Interessen“ des klagenden Rumänen verletzt worden sind. Vielleicht wird von ihr auch ein interessantes Urteil des deutschen Bundesgerichtshofes in Karlsruhe berücksichtigt werden: Demnach muss ein Straftäter „grundsätzlich dulden“, dass das von ihm selbst durch seine Tat erregte öffentliche Interesse nachher Konsequenzen für ihn hat, heißt es im Urteil. „Wer das Gesetz bricht, darf auch gezeigt werden, um Diskussionen über das Geschehene in der Gesellschaft anzustoßen“, so formulierten die deutschen Richter weiter. Man wird sehen, ob derartiges auch von der österreichischen Justiz berücksichtigt wird.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 21 bis 21 Autor/en: Kurt Tozzer. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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