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Medien

Wahlmänner 2008

Von Analyse Freddie Kräftner

Überschätzt bis verrissen

Michael Völker, „Der Standard“

Der Ressortleiter

Musterbeispiel eines Ressortleiters. Organisiert sein Team perfekt. Punktet mit Interviews.

Peter Gnam, „Kronen Zeitung“

Der Kampfschreiber

Ihn kennt keiner. Er geht nirgendwo hin. Laut einem Ondit war er zuletzt dienstlich außerhalb der Redaktion zu sehen beim Olah-Prozess. Ist schon ziemlich lange her. Er selbst sagt, er habe in den 70ern zuletzt einen Politiker getroffen. Prügelt stets die ÖVP und die Grünen. Schreibt wochenlang trotz jahrzehntelanger Erfahrung immer das Gleiche. (Mehr über ihn im Porträt auf Seite 32).

Claus Pándi, „Kronen Zeitung“

Der Hilfskampfschreiber

Von „Presse“-Chefredakteur Michael Fleischhacker als „Buchstaben-Riefenstahl“ bezeichnet. Das ist fast zu viel der Ehre. Titelt nach dem Abgang von Christoph Biró meist die Schlagzeile. Versucht sich als Politkolumnist. Lieblingsgegner: Raiffeisen-Generalsekretär Ferdinand Maier. Ist liiert mit der Pressesprecherin von Werner Faymann. Macht die Arbeit vielleicht leichter.

Dieter Kindermann, „Kronen Zeitung“

Das Rückrat

Intimfeind von Peter Gnam. Kolportiert auch Meinungen und Fakten anderer Seiten. Hat sich geweigert, eine Anti-EU-Serie zu schreiben und sollte zwangspensioniert werden. Ist nicht geschehen. Da Gnam sehr ökonomisch arbeitet, ist der für seinen Fleiß bekannte Kindermann für die „Krone“ unverzichtbar. Hut ab.

Gernot Bauer, „profil“

Der ÖVP-Insider

Zerlegt das Innenleben der ÖVP mit vielen Fakten. Schreibt nur für „profil“-Verhältnisse ultrabrutal. Von ihm wird man noch viel lesen. Ein „profil“-Eigenbau. Der gebürtige Salzburger absolviert 1996 den damals von Hubertus Czernin eingeführten Lehrgang für Magazinjournalismus. Ausbildner waren die „profil“-Chefs und ausländische Kapazunder wie Jürgen Leinemann, „Spiegel“.

Michael Fleischhacker, „Die Presse“

Der Bihänder

Glaubt immer noch sich zwanghaft profilieren zu müssen – dabei ist er schon wer. Teilt nach allen Seiten aus (beispielsweise in seinem Buch „Politikerbeschimpfung“). Wohl ein frustrierter Wechselwähler, der nicht weiß, was er am 28. September tun soll.

Andreas Schwarz, „Kurier“

Der Ruhige

Schreibt staatstragend bis zur Fadesse. Die kurzen Glossen in der „Presse“ lagen ihm wohl mehr als der lange „Kurier“-Leitartikel. Viel aufregender und turbulenter ist sein Privatleben.

Daniela Kittner, „Kurier“

Die Informierte

Schreibt die Geschichte hinter den Geschichten. Will sich noch mehr um ihre Kolumne kümmern und hat den Titel der stellvertretenden Ressortleiterin zurückgelegt. Verheiratet mit „profil“-Chefredakteur Herbert Lackner.

Andreas Koller, „Salzburger Nachrichten“

Die Edelfeder

Gewann nicht durch Zufall schon mehrmals in der Kategorie Politik Journalistenwahlen.

Walter Hämmerle, „Wiener Zeitung“

Der Luzide

Unaufgeregt, profundes Hintergrundwissen, bestechende Analysen.

Peter Ulram, GfK

Der Profi

ÖVP-naher Meinungsforscher mit dem wohl besten Datenmaterial.

Peter Filzmaier, Politologe

Der Polit-Adabei

Omnipräsent, weil er im Gegensatz zu seinen Politologen-Kollegen stets am Handy erreichbar ist. Analysierte für die ZIB2 die TV-Wahlkonfrontationen und ließ gleich zu Beginn mit einem Satz aufhorchen: „Vielleicht liegt es an der Moderatorin.“

Hans Rauscher, „Der Standard“

Der Ratlose

Vielen gestandenen Konservativen gilt er als Salonlinker. Seit dem Faymann-Gusenbauer-Kottau der „Krone“ ist er ratlos. Und stellt in seiner Kolumne die Frage, die sich viele stellen: „Wen wählen?“.

Eva Weissenberger, „Kleine Zeitung“

Der neue Star

Ging durch die Anneliese-Rohrer-Schule, seit Herbst 2007 in der Wiener Redaktion der „Kleinen Zeitung“. Die frühere „Falter“-Redakteurin fällt durch wunderbare Interviews und Kommentare auf.

Ingrid Thurnher, ORF

Die Überschätzte

Dem „Österreich“-Covergirl die beachtlichen Einschaltquoten der TV-Konfrontationen zuzuschreiben, kann nur Ahnungslosen einfallen. Die Reichweiten sind mit der bisher noch nie so hohen Zahl der Unentschlossen zu erklären. Hat sich teilweise wacker geschlagen, die Kritiken fielen unterschiedlich aus. Die immer besser werdende Gratiszeitung „Heute“ schrieb: „Heillos überfordert.“

Hans Dichand, „Kronen Zeitung“

Onkel Hans

Zeigt, wieviel Saft in einem 87-Jährigen stecken kann. Nach Sturz und anderer Erkrankung leider in der Hauptphase des Wahlkampfes ausgefallen. Schade für Wahlneffen Faymann. Noch nie wurde die Rolle der „Krone“ derart intensiv von anderen Medien beleuchtet.

Mariusz J. Demner, Demner, Merlicek & Bergmann

Der Guru

Der neue SPÖ-Werber zeigt, wie man es macht.

Hannes Missethon, ÖVP

Der Unglücksrabe

Einhellig verrissen und sogar verhöhnt wurde die erste Plakatwelle der ÖVP – eine beispiellose Textwüste, ein Volldesaster.

Wolfgang Fellner, „Österreich“

Der Politrambo

Faymann-Aficionado der Sonderklasse. Da gibt es Kontinuität. Sonst vergisst er manchmal, was er gestern geschrieben hat. Und vorgestern.

Hans Bürger, ORF

Der Ärmste

In Tagen wie diesen ist der ORF-Politikchef nicht zu beneiden.

Martina Salomon, „Die Presse“

Die Elegante

Elegant wie ihre Erscheinung ist auch ihre Schreibe. Sehr informiert. Profunde Analytikerin.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 26 bis 29 Autor/en: Analyse Freddie Kräftner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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