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Was denkt sich der „Staberl“ heute?

Sind Sie besorgt über den Zustand der Republik?

Richard Nimmerrichter: Nicht mehr als in den letzten 50 Jahren.

Es gibt so viele unentschlossene Wähler wie nie zuvor. Gehören Sie auch zu dieser Gruppe?

Es gibt ein Wahlgeheimnis. Aber eins ist für mich klar. Ich wähle niemanden, der für eine große Koalition ist. Das wäre das größte Unglück für das Land.

Was würden Sie sich wünschen?

Das liegt in weiter Ferne. Ein Mehrheitswahlrecht – wie in England, das ja als Mutterland der Demokratie gilt. Ich habe 1950 dort gearbeitet – und war skeptisch. Ein Historiker, der auch Journalist war, hat mich aber mit Argumenten überzeugt. Ich bin ein militanter Verfechter des Mehrheitswahlrechts. Spielen Sie Tennis? Das ist das demokratischste Spiel. Es gibt einen Sieger, die Punkte zählen nichts im Nachhinein.

Alle Zeitungen beschäftigen sich mit der Rolle der „Krone“ in diesem Wahlkampf.

Ich war 37 Jahre dort. Alles, was nach meinem Abgang dort geschehen ist, will ich nicht kommentieren. Das nenne ich Loyalität.

„Krone“-Herausgeber Hans Dichand wünscht sich ein Comeback von Ihnen.

Ja, wir trafen uns mal bei einer Veranstaltung im Rudolfinerhaus und ich sehe ihn gelegentlich. Er meinte, ich könnte ja einmal in der Woche oder einmal im Monat schreiben. Ich habe das nicht ernst genommen. Ich war nie für halbe Lösungen. Jeder intelligente Leser denkt sich: Was will der alte Depp? Braucht er Geld? Ich habe genug verdient in meinem Leben.

Wie verbringen Sie Ihre Tage?

In Ruhe. Ich habe kein Handy, neuerdings gibt es ja auch Fax. Ich freue mich auf jeden Tag und jeden Abend. Ich liebe Kärnten und Gastein.

Einmal Journalist, immer Journalist. Juckt es Sie nicht manchmal?

Nein. Ich habe bis zu meinem 81. Lebensjahr geschrieben. Viel länger als geplant. Ein Ende ist ein Ende. krä

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 12 bis 13. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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