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Zweimal leben - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2008 » Ausgabe 08+09/2008 »

APA-Special

Zweimal leben

Von Elisabeth Horvath

Seit Jahrzehnten lebt sie in zwei Welten: Die eine ist jene der Staats- und Ministerpräsidenten, der Könige und Scheichs, der Bundeskanzler, Außenminister und Diplomaten, die sie als außenpolitische Redakteurin der APA hautnah beobachtet. Es ist die Welt der eleganten Ambassadeure, der Machteliten. Es ist der Kaiserhof in Tokyo ebenso wie Fidel Castro in seinen besten Jahren am 1. Mai in Kuba. Und sie ist im Medientross stets bei den österreichischen Staatsbesuchen dabei, sei es in Lybien, Indien, Mexiko oder sonstwo auf diesem Globus. Ihre andere Welt indes ist jene der Slums in Südamerika, ist jene der armen Massen im Maghreb, in Indien, Pakistan, Nahost. In Lybien war sie schon mal in Militärcamps eingesperrt. Zu ihrer Sicherheit, wie die Ghaddafi-Security sie wissen ließ. Sie besuchte Albanien nach dem Sturz Enver Hodschas. Sie war gemeinsam mit Kriegsberichterstatterinnen in Ex-Jugoslawien und sah, welche Greuel der Zivilbevölkerung angetan wurden.

Hermine Schreiberhuber, stellvertretende Ressortchefin Außenpolitik in der APA, hat sich in ihrer journalistischen Freizeit das Dasein jener Tausenden und Abertausenden Menschen erschlossen, die jenseits der Macht leben. „Es war mir immer ein Anliegen“, sagt sie, „beide Welten kennenzulernen. Ich wollte immer schon hinter die Kulissen sehen. Zwischen diesen beiden Welten herrscht eine enorme Kluft. Und zwar nicht nur, was die Dritte Welt angeht, sondern global. Heute ist es so, dass mich am meisten interessiert, was abseits vom journalistischen Mainstream passiert und gelebt wird.“ Nachsatz: „Man verliert schon Illusionen, man wird ernüchtert.“

Workaholic. Aufgewachsen im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern in der Nähe von Linz, lernt Hermine Schreiberhuber, die mittlere von drei Kindern, sehr schnell, sich zu organisieren und mit Hand anzulegen. Muss sie doch neben der Schule und vor allem in den Ferien zu Hause mitanpacken. Nicht Kinderarbeit, um Gottes Willen, aber mithelfen, das wohl. Schreiberhuber: „Meine Eltern waren Workaholics, ich bin eine Workaholic. Das liegt in der Familie, besonders in der weiblichen Linie.“ In ihrer Gymnasialzeit verbringt sie zwei Jahre im Internat bei den „Kreuzschwestern“ in Linz. Da ihr Vater etliche öffentliche Funktionen bekleidet, ist sie schon als Kind mit viel Öffentlichkeit und Politik konfrontiert. Nach der Mittelschule beginnt Schreiberhuber ihr Dolmetschstudium an der Universität Wien. Ihr Diplom macht sie in Englisch und Spanisch. Um ihre dritte Sprache zu vervollkommnen, geht sie nach Paris. Und bleibt gleich fünf Jahre dort. „Bis ich nach Wien ging“, erinnert sich die APA-Außenpolitikerin an ihre Jugend, „war ich sehr brav und hatte stets einen Vorzug in der Schule. Doch dann ging’s los. Meine Neugier war geweckt.“

Tatsächlich pendelt sie in ihren Mittzwanzigern zwischen Frankreich und Spanien, jobbt zwei Sommer lang an der österreichischen Botschaft in Madrid, arbeitet in Paris als freie Übersetzerin und beginnt bereits mit ihren Reisen in andere Kontinente. Die Zeit vergeht, Hermine Schreiberhuber wird 30 und entscheidet sich, nach Wien zurückzukehren und einen „ordentlichen“ Beruf zu ergreifen. Sie schwankt zwischen Tourismus und Journalismus. Und als ihr die APA die Chance auf einen redaktionellen Angestelltenjob gibt, ergreift sie diese. Chefredakteur war damals Otto Schönherr, dem imponierten Schreiberhubers bunte Berufsaktivitäten. Zeugen sie doch von Eigenständigkeit, Fleiß und Tatendrang. Und das braucht man als Journalistin.

Bessere Frauen. Neben ihrer außenpolitischen Berichterstattung liefert die Sprachengewandte auch immer wieder Beiträge für die APA-Ressorts Wirtschaft, Kultur – und Schmankerln für die Chronik. Mit ihrem Namen scheint sie in der „Furche“ auf, da verfasst sie Reportagen, sowie im Diplomatenmagazin „society“. Geheiratet hat sie nie, Kinder hat sie auch keine. In zwei Jahren geht sie in Pension. Ihre Reisetätigkeit außerhalb des Journalistischen hat sie nie aufgegeben. „Das habe ich gebraucht neben der Agenturmühle. Es war für mich das Kontrastprogramm. Nur ein Mal ist ihr ein echter Chefposten angeboten worden, allerdings als Ressortchefin in der APA-Kultur. Und das wollte wiederum sie nicht. Hätte sie doch auf ihr Lebenselixier, das Kennenlernen anderer Länder, anderer Menschen, verzichten müssen. Ob sie sich als Frau im Journalismus benachteiligt fühlt? Schreiberhuber: „Frauen müssen härter als Männer arbeiten, um voranzukommen. In letzter Zeit sehe ich aber, dass etwa im Ressort Außenpolitik im Auswahlverfahren immer mehr Frauen gewählt werden. Weil sie besser sind. Männer verbringen ihre Zeit, um sich mit den richtigen Leuten zu treffen. Sie stricken an ihrer eigenen Karriere. Frauen indes konzentrieren sich auf die journalistische Arbeit.“

Erschienen in Ausgabe 08+09/2008 in der Rubrik „APA-Special“ auf Seite 98 bis 99 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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