ARCHIV » 2008 » Ausgabe 10+11/2008 »
Beruf
Ein Bett von Falk junior
Standard-Medienredakteur Harald Fidler bringt im November sein großes Lexikon zur österreichischen Medienszene heraus. Im Journalist verrät er erste Schmankerl.
Schreiben Sie kein Lexikon. Schon gar keines über die österreichische Medienlandschaft. Erstens, weil im November eine ziemlich gigantomane Enzyklopädie darüber erscheint: Österreichs Medienwelt von A bis Z, 630 Seiten mit laut Falter Verlag rund 1.000 Stichworten. Und zweitens, weil das die Nerven aller Beteiligten doch ziemlich strapaziert.
630 Seiten finden Sie übertrieben? Dutzende, wenn nicht Hunderte Medienmenschen werden mich deshalb einen krummen Hund schimpfen. Biografien ließen das Buch zwischendurch auf an die 1.000 Seiten wachsen in diesem Frühjahr. Schätzungsweise. Die Bios habe ich vorsorglich auf meist zwei, drei, vier Zeilen gekürzt, völlig ungerecht und oft falsch gewichtet, jedenfalls aus der Sicht der Betroffenen, nehme ich an. In der zweiten Novemberhälfte können Sie nachprüfen, ob Sie vorkommen und wie ausreichend oder zuwenig gewürdigt.
Wenn gar nicht, seien Sie versichert: Es steckt gewiss keine böse Absicht dahinter. Sachdienliche Hinweise an fid@dieMedien.at werden garantiert diskret behandelt und unter DieMedien.at gewürdigt. Dort finden Sie auch laufend Aktualisierungen, Ergänzungen, wenn nötig Korrekturen zum Buch, ebenfalls in Lexikonstruktur.
Die Arbeit an einer solchen Enzyklopädie beschert natürlich neben den großen Themen vom gewaltigsten Bauchfleck der ORF-Geschichte über den Krone-Clan bis zur eindrucksvollsten Pokerpartie der österreichischen Zeitungslandschaft (ja, von Österreich ist die Rede) auch kleinere Erkenntnisse, die man nicht übersehen sollte. Die kleinen Feinheiten des Medienlebens, quasi. Feinheiten, wohlgemerkt, nicht Gemeinheiten, wie mancher sie von mir vielleicht erwarten würde.
Zeitungszaren machen Biobauern, zum Beispiel. Denn was verbindet Söhne von Hans Dichand, Kurt Falk und WAZ-Gründer Erich Brost? Lauter Bio-Willis, könnte man sagen. Von Michael Dichand und seinen visionären wie mutig dimensionierten Biobauereien im Burgenland, die er später als Verlustabschreibung definierte, weiß man ja. Aber wussten Sie, dass auch Martin Brost auf einem alten Bauernhof im bayerischen Weilheim-Schongau offenbar noch vor Dichand junior Ökogemüse zog?
Und Viktor Samuel Falk, der seine geerbten 49 Prozent an der Ganzen Woche längst Bruder Rudolf Noah verkauft hat? Der bündelte seine Interessen in einer Firma namens Native Solutions, die sich der EntWicklung des Menschen widmet. Mit einer Sprachschule für Chinesisch zum Beispiel. Film und Fotografie (Beteiligung an der Produktion The Yellow Handkerchief); Design (über Online-Shop bietet Falk junior das von ihm designte Bett Falc an); er erwägt einen Buchverlag, Softwareentwicklung, erarbeitet Texte für Musikstücke für gute und richtige Gedanken und würde gerne in qualitätvolle Lebensmittelproduktion einsteigen, fand aber laut Homepage noch keinen Partner dafür. Wir hätten da zwei mit Erfahrung.
Welches Jobangebot hörte sich ein gewisser Horst Pirker früh in seiner Karriere offenbar interessiert an? Ein in Branchenkreisen nicht unbekannter Headhunter empfahl ihn als Standard-Geschäftsführer, erfuhr ich bei meinen Recherchen. Pirker wurde doch lieber Styria-Chef und versuchte später den Standard zu kaufen. Auch daraus wurde damals nichts.
Was kostet zum Beispiel eine Staffel Dancing Stars? Laut ORF-internem Prüfbericht rund 4,4 bis 4,9 Millionen Euro. Was bringt sie der Anstalt aus Mehrwertnummern? Gut 251.000 Euro (Staffel 2). Was Medienbehörde, aufgepasst! steuern Sonderwerbeformen bei? Rund 331.000 plus 207.000 von Sponsoren. Mehr unter Preise.
Und wofür erhalten ORF-Mitarbeiter Rohrgeld? Mehr im ziemlich ausführlichen Kapitel ORF …
Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Beruf” auf Seite 92 bis 95. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
