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Finanzkrise sorgt für Strohfeuer

Von Barbara Markert, Paris

Während sich die globale Wirtschaftskrise in Deutschland zur Medienkrise ausweitet, erfreut sich in Frankreich die Wirtschaftspresse eines ungeahnten Aufschwungs. Zeitungen und Magazine wie „Les Echos“, „Les Tribunes“, „Vie Financière“ melden Zuwachsraten von 20 bis 40 Prozent in den vergangenen Wochen. Doch trotz des zwischenzeitlichen Auflagenanstiegs gilt: Frankreichs Presse steckt bereits seit 2001 in einer Art Dauerkrise. Multikonzerne und Großunternehmen aus medienfernen Branchen haben sich die Sahnestücke der französischen Tagespresse, wie „L’Express“, „Libération“ und selbst „Le Monde“ aufgeteilt. Selbst die Mitarbeitergesellschaft der Tageszeitung „Le Monde“ musste aufgrund von Finanzengpässen eine Beteiligung des Rüstungs- und Medienkonzerns Lagadère und der spanischen Verlagsgruppe Prisa hinnehmen. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits umfassend Stellen abgebaut wurden, wird über weitere Kürzungen derzeit nicht in großem Maße gesprochen. Man will sich nicht noch schlechtere Zeiten herbeireden. Präsident Nicolas Sarkozy sieht sich dennoch in der Verantwortung, zu handeln. Nach seinen umstrittenen Reformen zur Werbeschaltung beim öffentlichen und privaten Fernsehen, durch die Werbeschaltungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen peu à peu verschwinden sollen und dessen Einnahmeverluste durch eine Steuer bei privaten Fernsehsendern und Mobilfunkanbietern ersetzt werden soll, hat er nun eine Arbeitsgruppe für die geschriebene Presse einberufen. Sie soll nach Lösungen gegen den Auflagenschwund suchen, erste Ergebnisse sind für 2009 geplant. Sarkozy: „Die Probleme der Tageszeitungen und Magazine sind seit 30 Jahren die gleichen. Es ist ein Irrglaube zu denken, dass eines Tages die Werbung die Information finanzieren könne. Gratiszeitungen sind der Tod der Presse.“ Doch genau diesen weht nun durch die Finanzkrise der Wind am härtesten ins Gesicht. Laut internationaler Untersuchungen durch AFP und Prognosen der Beratungsfirma OC&C, einer der wenigen, die die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Medien überhaupt thematisieren, werden bis 2015 rund 500 Mio. Euro weniger Werbeeinnahmen erwartet. Eric Scherer von AFP Mediawatch: „Die, die nur auf Werbung bauen, wie die Gratiszeitungen, trifft das ins Mark.“ Internet:

http://info.france2.fr/medias/47297355-fr.php

Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 88 bis 88 Autor/en: Barbara Markert, Paris. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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