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Keine Medien keine Krise
Von Marcus Bensmann, Düsseldorf
Bei der Bewertung der Medienkrise gilt ein Grundprinzip, das auch bei der Bewertung der Pressefreiheit zur Geltung kommt. Um festzustellen, wie hoch die Repression gegen eine Zeitung, Radio-, oder TV-Station in einem Land ist, muss es diese Medien überhaupt erst geben. Ebenso gilt: Nur Medien, die existieren, können in der Krise sein. In manchen Regionen gibt es deshalb keine Medienkrise dank staatlicher Eingriffe.
In einem Land, das wie Usbekistan kein einziges nicht vom Staat kontrolliertes Medium erlaubt, muss auch keine Zeitung sparen und keine Radiostation den Strom abdrehen, nur weil kein Geld mehr da ist. In Zentralasien sieht es mit der Existenz einer unabhängigen Medienlandschaft düster aus. Bei der in dieser Woche veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit stehen diese Länder im unteren Drittel und Usbekistan und Turkmenistan ganz unten. In der Region zwischen Kaspischem Meer und chinesischer Grenze gibt es lediglich die Zeitungslandschaft in Kasachstan, die der Beobachter als in gewisser Weise lebhaft betrachten kann. In Kirgisistan und in weit abgestufter Form auch in Tadschikistan finden sich zwar unabhängige Medien, aber dort war auch vor der Krise schon kein Kapital vorhanden. Lediglich in Kasachstan schaltete die von steigenden Rohstoffpreisen angefeuerte Wirtschaft vor allem die Bauindustrie großformatige Anzeigen und finanzierte so den Medienmarkt. Nun wurde die Bauwirtschaft in der kasachischen Steppe böse getroffen, viele Baustellen wurden über Nacht geschlossen. Das Platzen der Blase ist aber noch nicht bei den kasachischen Medien angekommen. Bei der Menge der geschalteten Reklame hat sich die Krise nicht niedergeschlagen, sagt Aischan Schalabaejewa von der Wirtschaftszeitung Bisnis und Wlast, Wirtschaft und Macht. Die Bauwirtschaft schaltete zwar weniger Reklamen, dafür engagiere sich der Rohstoffsektor mehr. Auch die Wirtschaftzeitung Kapital.kz hat noch immer die vormalige Blattdicke. Die Stellung von, Kapital.kz im Medienmarkt ist nach wie vor als gut zu bewerten sagt Olga Forminskich von dem Wochenblatt mit der grünen Überschrift. Jedoch schalten die kasachischen Behörden sichtlich mehr Anzeigen, und ein Teil des Geldes für die Medien in Kasachstan kommt damit vom Staat.
Internet: http:// www.reporter-ohne-grenzen.de/ranglisten/rangliste-2008.html
Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 88 bis 89 Autor/en: Marcus Bensmann, Düsseldorf. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
