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Männer draußen bleiben!
Heidi Glück hat es geschafft, den Neid von Salzburgs ORF-Chefredakteur Gerhard Rettenegger zu wecken. Der Herr über 30 Journalistinnen und Journalisten wäre zu gerne dabei gewesen, als Schüssels Ex-Pressesprecherin eine Woche vor der Nationalratswahl von ihren anfänglichen Problemen mit der schwarz-blauen Koalition, den Um und Aufs einer erfolgreichen PR- und Pressearbeit sowie ihrer aktuellen Wahleinschätzung erzählte. Doch Kommunikationsberaterin Glück war einer Einladung der Salzburger Medienfrauen gefolgt und da heißt es für Männer: Draußen bleiben, so sie nicht Kellner oder Referenten sind.
Immerhin stand der ORF-Chefredakteur gemeinsam mit dem SN-Chef vom Dienst Hermann Fröschl schon selbst im Zentrum des geballten weiblichen Interesses, mit einem Vortrag über die Zukunft der digitalen Medien auch wenn das die Ausnahme ist. Denn Salzburgs Medienfrauen setzen vorwiegend auf Expertinnen. Innerhalb von fünf Jahren sind 160 Journalistinnen, PR-Frauen und Pressesprecherinnen zwischen 22 und 65 Jahren dem überparteilichen Frauennetzwerk Medien Salzburg beigetreten, weitere 100 Interessierte lassen sich regelmäßig über die Aktivitäten per Mail informieren. Diesen Erfolg hatten die beiden Netzwerkgründerinnen, ORF-Journalistin Romy Seidl und die freie Journalistin Claudia Lagler (APA, Presse) nicht erwartet, als sie am 24. November 2003 zum ersten informellen Treffen luden. Schon damals waren 70 Frauen dem Vernetzungsangebot gefolgt.
Zuspruch fanden und finden Workshops wie Sprech-, Stimm- und Moderationstraining, Reportage- und Interviewseminar, Polit-PR, Kommunikationsstrategien, Readerscan und Gesprächsrunden.
Eine Mischung, die gut ankommt, wie eine Umfrage ergeben hat: Durch das Netzwerk bekomme ich die Gelegenheit, mich fortzubilden, Kontakte für meinen Beruf zu knüpfen und gleichzeitig noch einen interessanten Abend mit netten Leuten zu verbringen, sagt eine Mitgliedsfrau. Für Netzwerkerinnen in der Karenz ist es ein Fenster zur Welt, erfahrene Medienfrauen schätzen die generationsübergreifenden Kontakte und für viele bereichern ganz einfach die persönlich gewordenen Beziehungen den Joballtag und vereinfachen Arbeitsabläufe. Nicht zuletzt schätzen die Sprachhandwerkerinnen den Jobnewsletter, in dem oft Angebote aus erster Hand zu finden sind und den sie auch großzügig an Jobsuchende des anderen Geschlechts weiterleiten.
Hin und wieder werden Medienfrauen vor allem Journalistinnen von männlichen Kollegen kritisiert, sich durch das Netzwerk abzuschirmen, ernten Spott à la Kaffeetratsch-Runde oder einen spitzen Kommentar in einer Tageszeitung. Wahrscheinlich ist das für die Männer so wie das Phänomen, dass Frauen oft zu zweit auf die Toilette gehen, mutmaßt eine PR-Frau aus dem Netzwerk. Da sie explizit ausgeschlossen sind, interessiert es sie insgeheim wahrscheinlich umso mehr, was da abläuft.
Michaela Gründler
Kontakt: www.salzburgermedienfrauen.at
Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 12 bis 12. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
