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Sprechstunde

Was Sie schon immer über Medien wissen wollten. Dr. Media beantwortet drängende Fragen der Branche.

Wie eitel ist „Presse“-Chefredakteur Michael Fleischhacker?

Dr. Media: Natürlich überhaupt nicht. War sicher eine Idee der Werbeagentur, ihn zu plakatieren. Das machte Schule. Der neue „Furche“-Chefredakteur Claus Reitan wirbt nun auch mit seinem Konterfei – nur nicht so gut gestylt wie Fleischhacker. Wann sehen wir endlich Christoph Dichand österreichweit? Und wann wieder Wolfgang Fellner?

Was hat der Manstein gegen den Voigt?

Dr. Media: Der angesehene und ultraseriöse Fachverleger Hans-Jörgen Manstein hat im „Horizont“ in einer Art und Weise, die die Branche überraschte, gegen Oliver Voigt, Generalherausgeber der News-Gruppe, in die Tasten gegriffen.

Überraschend deshalb, weil die beiden Partner bei den heimischen Medientagen sind. Die Geschichte hinter der Geschichte, die Manstein nicht schreiben wollte: Er ist empört darüber, dass Damen in „News“ von Voigt, der immer gern durchs Haus geht, meinen, er wäre ihnen vielleicht etwas zu nahe gekommen. Eine Journalistin hat das Haus nach einer Klagsdrohung abrupt verlassen – versüßt mit einer Abfertigung, die weit über ihren gesetzlichen Ansprüchen liegt.

Vier Mitarbeiterinnen waren auch bei Raiffeisen-Capo und „News“-Miteigentümer Christian Konrad, der so was als grundanständiger Mensch nicht goutiert.

Oliver Voigt, ohnehin unter Druck des Mehrheitsgesellschafters Gruner+Jahr, sagt: „Wir bauen hier im Haus gewaltig um – da sind nicht alle zufrieden.“ Also eine Intrige? Voigt: „Wenn Sie es so nennen wollen: Ja.“ (Was Christian Konrad plant, finden Sie auf Seite 10.)

Was war da zwischen Wolfgang Fellner und Gert Edlinger?

Dr. Media: Die Sache wurde lange vertuscht, dabei ist Gert Edlinger seit 1. Oktober nicht mehr Geschäftsführer der „Österreich“-Redaktion. Wie immer in solchen Sachen hat man sich im besten Einvernehmen getrennt. Lange war von einem Krankenstand die Rede.

Als die Gerüchtelage immer dichter wurde, meinte Gründer Wolfgang Fellner, Edlinger hätte sich nach dem erfolgreichen Aufbau des Newsrooms „unterfordert“ gefühlt. Wer Fellner auch nur ein bisserl kennt, weiß: Der unterfordert niemand. Im Gegenteil. Es gab massive Zusammenstöße. Multimillionär Fellner hat auch ein anderes Verständnis für Geschenkannahmen – da gab es auch früher bei „News“ ein kleines Problem. Was macht Edlinger? Der ist entspannt. Er hat ein „ewiges Rückkehrrecht“ zur Styria-Gruppe, in der er mal tätig war. Es soll dort allerdings nicht so viele geben, die sich auf ihn freuen.

Wie geht es zu im Bergwerk „Österreich“?

Dr. Media: Nun ja, unterfordert ist dort wirklich niemand. Für die Sonderbeilage zum Nationalfeiertag saßen einige bis fünf Uhr morgens in der Redaktion. Na bravo!

Wie macht sich Athanasiadis bei „News“?

Dr. Media: Der erste Eindruck ist nicht übel. Der neue Chefredakteur ist ein Gewinn. Das Heft hat Zug und endlich wieder eine Dramaturgie, Covers auch nicht übel. Jetzt ist noch Feintuning angesagt. Es gehen nur viele weg – das könnte mittelfristig ein Problem, aber auch ein Gewinn werden. Der Jung-Chefredakteur hatte freilich auch Glück: Mit dem Tod von Jörg Haider. Am Kiosk wurde das Doppelte verkauft. Das spätere Heft mit der Zeile „So schön – so traurig“ hatte nochmals 10.000 Käufer mehr. Dazu muss man wissen: Haider war immer eine „News“-Verkaufsrakete.

Was hört Dr. Media zur Entspannung?

Dr. Media: Eine sehr persönliche Frage, die aber gern beantwortet wird. Leonard Cohen. Ein Kollege hat nach dessen jüngstem Konzert in Wien im „Standard“ nicht unzutreffend bemerkt, der Typ könne eigentlich nicht singen. Aber in den Liedern sind echt gute Zeilen. Inspiration für alle, die Titel, Zwischentitel und Vorspänne zu texten haben.

Ist WAZ-Chef Bodo Hombach ein Kapitalistenschwein?

Dr. Media: Der Vorwurf steht zumindest im Raum – auch wenn er etwas feiner verpackt wurde. Bei der Jahrestagung des Deutschen Journalistenverbandes Anfang November in Rostock-Warnemünde fauchte Gewerkschaftschef Michael Konken auch in Richtung WAZ-Chef: Die Verleger seien heute nur an der Rendite der Medienhäuser interessiert und hätten die Beziehung zum publizistischen Auftrag der Zeitungen verloren. „Sie sind Sachverwalter, Profiteure ohne Bindung zu dem, was sie erfolgreich macht: zu ihren Arbeitnehmern“, kritisierte Konken. Und dann kommt es ganz dick für Bodo Hombach: „Ihm fehlen Ideen und Visionen, um auch in stürmischen Gewässern die Flaggen der nordrhein-westfälischen WAZ-Titel hoch zu halten.“ Hintergrund für den groben Ton ist ein 30-Millionen-Euro-Sparpaket, das der WAZ-Chef geschnürt hat. Damit macht man sich nicht nur Freunde, wie Hombach nun spürt.

Wer ist die beste Interviewerin des Landes?

Dr. Media: Die beste ist sicherlich Conny Bischofberger im „Kurier“. Sie hat nur starke Konkurrenz. Nämlich Claudia Stöckl mit ihrer Sonntagssendung „Frühstück bei mir“ in Ö3. Nach dem Interview mit Haider-„Lebensmensch“ Stefan Petzner war der weg. „Ich spüre, dass Jörg bei mir ist“, sagte er. Dann zum „Lebensmensch“: „Das ist ein eigener Begriff, wo nur wir beide wissen, was er bedeutet.“ Das war dann der Partei zu viel – und auch der Familie. „Mit Sanftheit umbringen können nur Frauen“, sagte Dr. Media eine Kollegin zum Interviewstil von Stöckl. Wohlgemerkt: Eine Frau hat das gesagt.

Wer sich für das Sex-Leben von Jörg Haider interessieren sollte, dem sei das „profil“ vom 27. Oktober empfohlen. Herbert Lackner hat eine extrem heikle Gratwanderung bravourös gemeistert.

Dr. Media beantwortet in der „Journalist“-Sprechstunde regelmäßig Leserfragen zur Medienbranche. Fragen bitte per eMail an: sprechstunde@ oberauer.com

Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 96 bis 97. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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