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Zukunft

Todesengel oder Heilsbringer?

Von Freddie Kräftner

Zukunft V. Die nächsten Monate entscheiden über die Zukunft des ORF – und die von Alexander Wrabetz.

Fakt ist: Der ORF ist mit der größten Krise seiner Geschichte konfrontiert. Die Marktanteile bröseln wie die Knochendichte bei einem schwer Osteoporose-Kranken (hauptverantwortlich Programmdirektor Wolfgang Lorenz). Die Werbeeinnahmen sind weit unter Plan. Dem ORF droht ein AUA-Schicksal. Der jüngste Rechnungshofbericht war vernichtend.

Es fehlt – laut Rechnungshof – an einer auch nur ansatzweise zu erkennenden Unternehmensstrategie.

Wie geht Wrabetz mit all diesen Problemen um? Er wirkt in den vergangenen Wochen viel entschlossener, will nicht mehr den „lieben Alex“ spielen, den alle gemocht haben.

Seine Strategie: Auslagern. Das hat der frühere ÖIAG-Generalsekretär gelernt. Das Wortungetüm Arbeitsvertragsrechtsanpassungsgesetz (kurz AVRAG) trägt seine Handschrift. Er ist Jurist. Und kennt sich da sehr gut aus.

Vereinfacht gesagt: Manche Rechte der Dienstnehmer erlöschen mit der Zeit, neue Mitarbeiter werden zu anderen Konditionen angestellt.

Das betrifft den IT-Bereich, das Radio-Orchester, das Facility-Management vielleicht auch. Ebenso wird der Online-Bereich angedacht.

Bei ausgelagerten Tochtergesellschaften kann man ja auch leicht Partner hereinholen, siehe Sendertochter ORS. Das bringt Geld. Und es gibt Interessierte. Jeder normal tickende Betriebsrat, der auf die wohl erworbenen Rechte pocht (man kann sie auch Monster-Privilegien nennen), muss natürlich gegen Auslagerungen sein.

Das wird spannend Ende November – zumal ja auch die Gehaltsrunde bevorsteht. Der neue Zentralbetriebsratsobmann muss was herausschlagen, Wrabetz hätte logischerweise angesichts der Krise des Hauses (2011 droht der Bankrott) natürlich gern eine Nulllohnrunde. Der Kompromiss ist schon im Vorfeld klar: Nulllohnrunde für die Topverdiener, alle unter 3.000 Euro Brutto kriegen was – so bewahren beide Seiten ihr Gesicht.

Der Haussegen hängt schief. Ein viel schwierigeres Problem: Die Stimmung im Haus geht ziemlich gegen Null. Manche meinen auch unter den Gefrierpunkt. Wrabetz und Lorenz befetzen einander – weniger in Sitzungen, sondern vornehmlich per eMails. Die kaufmännische Direktorin ist für Wrabetz auch nicht gerade eine Hilfe, Info-Direktor Elmar Oberhauser macht ohnehin was er will – und das gar nicht so übel. Online-Direktor Thomas Prantner – nun ja. Er soll ausgelagert werden – in die Tochter. Kann man so das wichtigste Medienunternehmen, das der ORF immer noch ist, führen?

In jeder normalen AG würde Wrabetz im Aufsichtsrat einen Abwahlantrag zu Lorenz stellen. Relativ simpel. ORF-Ikone Ernst Wolfram Marboe wurde ja auch abgewählt. Dazu genügt eine einfache Mehrheit im Stiftungsrat. So mutig ist Wrabetz freilich nicht.

Der lupenreine SPÖ-ler (Ex-Vorsitzender der roten Studentenvertretung etc.) setzt auf eine politische Lösung. Refundierung der Gebührenbefreiung, Valorisierung der Gebühren etc.

Für das Programm – immerhin das Hauptgeschäft eines Senders – sollte er sich vielleicht was einfallen lassen. Am besten ohne Wolfgang Lorenz.

Friktionsfrei ist auch nicht das Verhältnis zwischen Wrabetz und seinem Kommunikationschef Pius Strobl. Grund: Wrabetz kommt in der öffentlichen Meinung schlecht weg.

Dabei ist Wrabetz vif und sachkundig. Das haben viele auch über Alfred Gusenbauer geschrieben. Hat nur bekanntlich nicht funktioniert.

Todesengel oder Heilsbringer? Prognose: Diplomat Wrabetz, den man nicht unterschätzen darf, schafft es. Unter schwierigsten Bedingungen – und trotz eines desaströsen Teams.

Das wäre gut für den ORF – und vielleicht auch gut für das Land.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Zukunft” auf Seite 44 bis 45 Autor/en: Freddie Kräftner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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