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Zukunft
Was bringt 2009? Die Chefredakteure
Christoph Kotanko, Kurier
2009 wird das Jahr der Prüfungen. Zeitungen sind auch wirtschaftliche Unternehmen. Daher werden alle die Wirtschaftskrise deutlich spüren. Fragen der Produktivität und Rentabilität werden wichtiger, vor allem für jene Produkte, die weitestgehend kreditfinanziert sind und wenig Vertriebs- bzw. Anzeigenerlös haben.
Das Anzeigengeschäft wird generell schwieriger, weil manche Auftraggeber am falschen Platz sparen bei Marketing und Werbung, statt selbstbewusst und offensiv gegen die Krise anzugehen.
Trotz aller absehbaren Schwierigkeiten werden sich verantwortungsbewusste Verleger hüten, durch überzogene Sparkonzepte das Kerngeschäft nämlich die redaktionelle Qualität zu beschädigen. Hochwertiger, gut recherchierter Journalismus muss gerade in Krisenzeiten seinen festen Platz haben.
Im nächsten Jahr werden die Veränderungen des Medientyps Zeitung mit erhöhter Geschwindigkeit weitergehen. Die Diskussion darüber, auf welche Art sie erscheinen und wie sie vertrieben und vermarktet werden, wird sich beschleunigen. Die Suche nach einem tragfähigen Online-Erlösmodell wird höchste Dringlichkeit bekommen.
Frank Staud, Tiroler Tageszeitung
Nicht nur die weltweite Finanzkrise, sondern auch die drohende Stagnation bzw. mögliche Rezession der Wirtschaft wird sich auch im Mediengeschäft 09 mit Sicherheit niederschlagen. Wer sich in der Branche nicht auf einen kalten Winter ohne Aussicht auf einen warmen Frühling bzw. einen heißen Sommer einstellt, könnte sich nicht nur einen Schnupfen, sondern eine Lungenentzündung holen. Es ist davon auszugehen, dass die Umsätze etwa im Stellenmarkt zurückgehen, aber auch die Etats generell gekürzt werden. Daher wird es meiner Einschätzung nach notwendig sein, solide zu budgetieren und Umsatzrückgänge im Anzeigengeschäft einzukalkulieren.
Die Tiroler Tageszeitung wird weiterhin voll auf die Ein-Marken-Strategie setzen und mit einer integrierten Redaktion Print und Online bedienen. Auch im Anzeigenverkauf werden wir diese Kombination forcieren und hoffen, hier mögliche Ertragseinbußen via Online zumindest teilweise zu kompensieren.
Hubert Patterer, Kleine Zeitung
Wenn die Zeichen an der Wand nicht trügen, wird es ein ziemlich stürmisches blood, sweat & tears-Jahr. Wer sein Haus nicht bruchsicher macht, wird obdachlos sein. Gegen das, was da im Anzug ist, war das Platzen der Internet-Blase 2001 ein laues Mailüfterl. Wir werden uns rüsten und dagegenhalten.
Manfred Perterer, Salzburger Nachrichten
2009 wird auch für das Mediengeschäft ein hartes Jahr werden. Wenn man den Prognosen glauben schenkt, wird es zu einem Konjunktureinbruch kommen. Die Unternehmen sparen in solchen Situationen bei den Werbeausgaben zuerst. Zudem ist eine Verschlechterung des Arbeitsmarktes absehbar, was sich auf den so wichtigen Stellenmarkt auswirken könnte. Alles in allem keine rosigen Aussichten. Das Vertriebsgeschäft wird sich hingegen konsolidieren. Die qualitativ hochwertigen Kauf-Tageszeitungen werden einen Aufschwung in der Lesergunst erleben.
Der Trend geht eindeutig in Richtung Warum-Zeitung, immer mehr Menschen wollen in einer orientierungslos gewordenen Web-Welt klare Anhaltspunkte, Analysen und Kommentare lesen.
Alexandra Föderl-Schmid, Standard
Ich bin nicht für das Mediengeschäft zuständig, sondern für die journalistische Arbeit. Nächstes Jahr werden wir eine neue Regierung in Österreich haben. Ich fürchte aber, außer neuen Personen an der Spitze wird sich nicht viel ändern.
Außerdem wird Europa im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen: Es gibt die EU-Wahl und die Krise rund um den EU-Vertrag und Irland muss gelöst werden. Ansonsten wird uns alle, das ist absehbar, die Finanzkrise weiter in Atem halten.
Michael Fleischhacker, Presse
Ich glaube, 2009 wird das schwierigste Jahr, an das wir uns alle erinnern können (die Großkrise 2001/2002 eingeschlossen). Ich rechne damit, dass die Anzeigenumsätze um mindestens 20 Prozent zurückgehen. Das auf der Kostenseite aufzufangen, ohne die Qualität der Produkte zu riskieren, wird alles andere als trivial. Wenn die Rückgänge noch stärker ausfallen und die Krise länger als ein Jahr dauert, werden wir vielleicht sogar über eine prinzipielle Revision unseres Geschäftsmodells nachdenken müssen.
Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Zukunft” auf Seite 43 bis 43. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
