ARCHIV » 2008 » Ausgabe 10+11/2008 »

Medien

„Wir lassen uns nicht mehr aufhalten!”

Von Interview: Engelbert Washietl

Hermann Petz hat die Innsbrucker Moser Holding in nur sechs Jahren zu einem nationalen Medienhaus ausgebaut.

?Die Moser Holding fällt durch gesteigerte Aktivität auf. Jetzt eröffnen Sie gerade mit ihrem „Bezirksblatt”-Projekt eine neue Baustelle in Wien. Die Baustelle in Oberösterreich ist noch nicht abgeschlossen. Wie viele Baustellen kann man eigentlich gleichzeitig betreiben?

Hermann Petz: Zu viele Baustellen sollen es nicht werden. Wir haben ein schlagkräftiges Team, das neue Projekte gewohnt ist. Als ich vor sechs Jahren den Vorsitz übernommen habe, war es mir ein Anliegen, das Unternehmen auf Flexibilität und Expansionskraft zu trimmen. Auch wenn nicht jedes Projekt voll aufgegangen ist – die Herausforderung hat Flexibilität in die Mannschaft gebracht.

Den Überblick verlieren Sie nicht?

Vielleicht ist es auch ein großer Vorteil, dass wir nach ganz klaren Systemen arbeiten. Beispielsweise bei den Gratiswochenblättern: Wenn ein Projekt abgeschlossen ist, dann läuft es selbstständig. Die Mitarbeiter rufen aus dem Intranet alle wesentlichen Spielregeln wie aus einem Handbuch ab, halten sich daran und brauchen nicht lange diskutieren. Bei den Gratiswochenblättern ist das Gehaltsschema für alle Mitarbeiter in ganz Österreich gleich. So ein System sollte für alle Bereiche gelten.

Beispielsweise für die Kaufzeitungen?

Kauftageszeitungen hatten bisher verschiedene Finanzierungsströme, und Gottseidank ist das noch so – Geld kommt durch Anzeigen und Vertriebserlöse. Da konnte man überproportional viel Geld in die Redaktion investieren. Wenn aber das Geld nicht mehr in dem Ausmaß hereinkommt, wie man das bei den amerikanischen Zeitungen schon feststellen kann, muss man sich fragen, was macht man jetzt.

Rein managementmäßig gedacht hieße es, bei der Redaktion sparen und streichen?

Streichen würde ich nicht sagen. Man kann redaktionell kooperieren, wie wir das am Sonntag machen, indem wir verschiedene Inhalte im „Leben” der „TT am Sonntag” von der „Kleinen Zeitung” bekommen. In Deutschland wird die Mantel-Idee schon viel extensiver angewendet.

Solche Ideen gab es in Österreich schon vor Jahren. Jetzt wird es ernst damit?

Wenn die wirtschaftliche Entwicklung durchwachsener wird, schon. Bei Autotests und im Fachjournalismus könnte man sogar auf breiterer Ebene, also grenzüberschreitend, zusammenarbeiten. Wir müssen ja nicht einmal reduzieren, sondern bloß schauen, dass die Kosten in der Redaktion nicht mehr wachsen. Dann kann man vielleicht um das gleiche Geld bessere Qualität liefern.

Qualität oder Einheitsbrei?

Das Lokalkolorit bleibt in jeder Region das Wichtigste und darf nicht fehlen. Aber wenn wir, wie vor kurzem in der „TT am Sonntag” ein Interview mit Dr. Treichl von der Erste Bank von der „Kleinen Zeitung” übernommen haben, ist das ja für ganz Österreich interessant und es muss nicht zweimal gemacht werden. Wichtig ist jedoch, dass man auch regionale Kapazitäten hat. Unser Fokus ist Tirol, er muss bleiben. Aber im Gesundheitsjournalismus werden schon jetzt überall die gleichen Artikel gedruckt, die von irgendeiner Agentur in Deutschland kommen.

Ist das schon ein Teil Ihres Krisenmanagements?

Wir haben schon Anfang des Jahres Kostenoptimierungen gemacht. Ich habe für nächstes Jahr eine Planung im Kopf, um auch mit etwas reduzierten Umsätzen das Auslangen finden zu können. Aber es kann auch sein, dass der Weg auf längere Dauer seitwärts geht. Es muss ja nicht das Schlimmste passieren, aber es ist auch gut zu erkennen, was machbar ist. Es gibt ein Überleben der Zeitungen in unseren Breiten, und das auch bei hoher Qualität.

Für Kooperationen ist wohl Styria Ihr gegebener Partner?

Wir sind offen für alle. Aber mit Styria läuft es gut.

Da würden Sie auch redaktionelle Einheiten zwischen „Kleiner Zeitung” und „Tiroler Tageszeitung” austauschen?

Das machen wir in der Sonntagausgabe, da passen die Kleinformate zusammen. Die „TT” an Wochentagen ist großformatig. Täglich auf ein anderes Format umproduzieren ist nicht sehr wirtschaftlich.

Vielleicht wäre es wirtschaftlicher, die „TT” auf Kleinformat umzustellen?

Ich möchte nicht junktimieren und nur deshalb auf Kleinformat umstellen, weil ich den Content von woanders nehmen kann. Man soll Markenentscheidungen nicht durch Synergien rechtfertigen. Aber unabhängig davon prüfen wir genau. Die kleinformatige Sonntagszeitung gibt uns auch Aufschlüsse. Die Entscheidung ob wir umstellen oder nicht, wird bis Ende des Jahres fallen.

Vorher wollen Sie aber noch das „Bezirksblatt” in Wien kaufen oder ein neues gründen. Der Oktober ist ohne Entscheidung des Haupteigentümers Post vorbei gegangen, also ist der Kauf offenbar nicht möglich. Was haben Sie jetzt vor?

Ich gebe mir noch einen weiteren Monat Zeit.

Sind Sie mit dem Projekt „Kauf des Bezirksblatts” voll in die Wiener Innenpolitik geraten, weil ein gewisser Werner Faymann nicht nur zur „Krone” gute Beziehungen hat, sondern auch Bundeskanzler werden kann?

In die Innenpolitik bin ich nicht geraten, ganz sicher. Auf jeden Fall bin ich in den Schrebergarten der „Mediaprint” geraten. Ich habe den Eindruck, dass sich dort alle bemühen, uns den Einstieg nicht gerade einfach zu machen. Was Werner Faymann betrifft, bleibe ich ein Optimist und glaube, dass er als Kanzler die nötige Äquidistanz zu den Mediengruppen halten wird. Aber die „Mediaprint” hat mit der Dichand-Gruppe drei Tageszeitungen und mit dem „Bezirksjournal” eine Gratiswochenzeitung. Da ist es für mich schon erstaunlich, dass die beunruhigt sind, wenn ich eine 14-tägig erscheinende Bezirkszeitung kaufen will. Die Abwehrmaßnahmen wirken so, als würden wir in Wien die „New York Times” gründen wollen.

Sie kündigen ja nicht nur ein „Bezirksblatt” für Wien an, sondern einen Gratis-Bezirksblätter-Ring für ganz Österreich, der mehr Leser haben wird als die „Kronen Zeitung”.

Das können sie sowieso nicht verhindern.

Allerdings blockiert die Bundeswettbewerbsbehörde plötzlich Ihr Jointventure mit Styria. Ist der gesamtösterreichische Ring damit geplatzt?

Der Rekurs der BWB verzögert unser Vorhaben. Ich vertraue auf das Rechtssystem und rechne immer noch mit der Genehmigung. Jetzt eben zu einem späteren Zeitpunkt. Wir haben uns vor zehn Jahren entschieden, dass wir expandieren, haben jetzt eine gewisse Größenordnung zusammen mit dem Jointventure mit den Styria-Wochenzeitungen und lassen uns in Wien nicht mehr aufhalten. Aber man muss die Dimensionen zurechtrücken. Wir haben in unseren Businessplänen die Erwartung, dass wir auf der Gratiswochenzeitungs-Schiene in einigen Jahren zehn Prozent der nationalen Anzeigenerlöse der „Kronen Zeitung” erreichen können. Das heißt, ihr bleiben 90 Prozent, die zehn Prozent sind für uns die Marmelade auf dem Brot. Die Vehemenz des Widerstandes von einigen „Mediaprint”-Persönlichkeiten ist erstaunlich, aber andererseits auch ein Kompliment.

Wie hoch ist der Umsatz Ihrer Gratiswochenblätter?

Die gesamte Schiene, das Jointventure mit den Styria-Wochenblättern dazu gerechnet, wird bald einmal 100 Millionen Euro Umsatz ergeben. Mit steigender Tendenz.

Sie haben als Verlagsmanager primär die Einnahmen aus der Werbung im Kopf. Ist da irgendeine Überlegung auch journalistischer Art dabei, wenn Sie den Wochenblätter-Ring schließen wollen?

Die ist von Beginn da. Der Erfolg der „Bezirksblätter” ist ja, dass sie Journalismus auf Bezirksebene machen. Wir unterscheiden zwischen Qualität und Quantität. Es geht nicht um viele Druckseiten, sondern um gute journalistische Geschichten mit Relevanz für den jeweiligen Bezirk.

Sind Sie ein harter Manager? Man sagt den Managern sehr oft Herzlosigkeit nach.

Ich würde sagen: konsequent bin ich sicher, herzlos sicher nicht. Für mich war immer wichtig, dass auch dann, wenn es zu Trennungen gekommen ist, das Gespräch persönlich geführt und ein Modus vivendi gesucht wurde. Ich habe es immer verglichen mit einer Scheidun
g, bei der man eine Gesprächsbasis aufrechterhält, obwohl alles andere nicht mehr geht. Aber wenn Althergebrachtes verändert werden muss, ist Konsequenz nötig, und die strahle ich aus.

Immer gelingt der Modus vivendi nicht. Bei der „Oberösterreichischen Rundschau” führt eine Mitarbeiterin einen Prozess, weil sie ihrer Tätigkeit nach angestellt hätte werden müssen.

Wir sind sicher nicht die Einzigen, bei denen es so einen Prozess gibt.

Sie haben die Moser Holding kräftig aufgerüstet, es gibt auch eine Schiene zum Styria-Konzern. Jetzt sieht das Ganze aber auch schon wie ein Monopol aus, beispielsweise bei den Wochenblättern. Ist es so, dass man das große Monopol der „Mediaprint” nur dadurch bekämpfen kann, dass man ihm kleinere Monopole gegenüberstellt?

Die Mediaprint versorgt aufgefordert und unaufgefordert jedes Kartellgericht mit vielen Informationen, die gegen uns gerichtet sind. Das ist aber völlig anachronistisch, denn die Mediaprint würde, wenn man das heutige Kartellrecht anlegt, wahrscheinlich gar nicht bestehen. Offenbar geht die Mediaprint davon aus, dass sie das absolute Monopol auf dem nationalen Anzeigenmarkt hat. Unser Wochenzeitungs-Ring wird erstmals die Möglichkeit bieten, Anzeigen außerhalb der „Krone” national durchzuschalten. Dadurch entsteht ja kein Monopol, sondern eine Alternative zum bestehenden Monopol. Und ein zweiter Aspekt ist, dass man einem Unternehmen zugestehen muss, sich so zu entwickeln, dass es international konkurrenzfähig ist. Es könnte ja sein, dass unser Unternehmen in zehn oder 15 Jahren international expansionsfähig sein muss und dazu eine bestimmte Größenordnung braucht. Es gibt keinen Grund, warum die Mediaprint unter Naturschutz gestellt werden soll. Als Staatsbürger wünsche ich mir, dass es Wettbewerb im Medienbereich gibt. Und wann man sich die Berichterstattung der „Kronen Zeitung” im letzten Wahlkampf ansieht, dann ist dieser Wettbewerb dringend nötig.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Medien” auf Seite 18 bis 21 Autor/en: Interview: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;