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Zukunft

Wir sehen uns dann online …

Von Davis Röthler

Die Interaktion mittels digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien nimmt zu, auch innerhalb eines Unternehmens.Asynchrone Online-Kommunikation wie zum Beispiel eMail ist mittlerweile fixer Bestandteil der Arbeit von Knowledge Workers. Wenn zeitgleiche Kommunikation gefragt ist, wird zum Telefonhörer gegriffen oder der beliebte Internet-Telefoniedienst Skype eingesetzt, der schon wesentlich mehr Möglichkeiten der synchronen Kommunikation als das herkömmliche Telefon – wie zum Beispiel Textchat oder Dateiaustausch während des Gesprächs – bietet. Online-Konferenzsysteme erweitern den Funktionsumfang von Skype um viele weitere interessante Features wie die Möglichkeit der Präsentation von Powerpoint, Bildschirmfreigabe, Videoübertragung, Application Sharing (zwei oder mehr Meetingteilnehmer können in der selben Anwendung, etwa einem Worddokument, arbeiten), Aufzeichnung des Onlinemeetings und vieles mehr.

Die Einsatzszenarien von Online-Konferenzsystemen für die interne und externe Kommunikation sind daher vielfältig: Online-Meetings, Support bei technischen Problemen wie auch interaktive Übertragung von Veranstaltungen oder Pressekonferenzen können umgesetzt werden. Darüber hinaus können Kosten und Zeit für Reisen gespart und der Kreis von Teilnehmern an Besprechungen oder öffentlichen Veranstaltungen erweitert werden.

Einsatz in Redaktionen. Stichproben haben ergeben, dass der Einsatz fortschrittlicher Online-Konferenzsysteme in Redaktionen noch kaum anzutreffen ist.

Das Vorarlberger Medienhaus setzt laut Geschäftsführer Markus Raith auf Skype und eMail. Ein webbasiertes Videokonferenzsystem unterstützt die Kommunikation zwischen Österreich, Ungarn und Rumänien. „Ansonsten geht nichts über persönliche Meetings, weil zuviel an Information über die Ferne verloren geht.“

Ähnliches erläutert Otto Ranftl, leitender Redakteur und Leserbeauftragter des „Standard“. Ein Mal pro Woche wird eine Telefonkonferenz mit dem Korrespondenten in Brüssel zur Abstimmung durchgeführt. Ansonsten erfolgt die Koordination per eMail.

Beim ORF wie auch beim WDR werden üblicherweise ebenso lediglich Telefonkonferenzen gehalten. „Dies ist für uns ausreichend. Für die nähere Zukunft ist auch nichts Weiteres ge- plant“, sagt Alexander Horacek von der ORF-Pressestelle. Falls Bewegtbild notwendig ist, hat der ORF natürlich die entsprechenden Möglichkeiten, dieses auch für die interne Kommunikation einzusetzen.

Die „Salzburger Nachrichten“ haben den Einsatz einer Videokonferenzlösung überlegt. Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur und Leiter der Wiener Redaktion ist allerdings so oft in Salzburg, dass ein avanciertes System nicht erforderlich erscheint. „Das gute alte Telefon und unser Online-Redaktions-System genügen.“

Eine Videokonferenzlösung ist dagegen bei der „Financial Times Deutschland“ im Einsatz. Niels Heinsohn, Systemadministrator, erläutert das nicht internetbasierte System des Anbieters Polyspan, mit dem die Zentrale in Hamburg mit den Nebenstandorten in Berlin und Frankfurt bereits seit einigen Jahren verbunden wird. 50 bis 60 Mitarbeiter können mit drei Videokameras und zahlreichen Mikrofonen an der gemeinsamen Redaktionskonferenz teilnehmen. Die Audioverbindung erfolgt über Telefon. Das Videobild wird dabei über ISDN geschickt. An ein Online-System wird zur Zeit noch nicht gedacht.

High-End-Systeme. Während browserbasierte Konferenzsysteme ohne besondere Hardware – abgesehen von Webcam und Headset – auskommen, benötigen die High-End-Systeme einen komplett eingerichteten Konferenzraum. Man spricht dann auch von „Telepresence“. Das Spitzenmodell eines solchen Raums des weltweit tätigen Anbieters Polycom mit bis zu 28 Plätzen, die in einem leichten Halbkreis um große HD-Videomonitore angeordnet sind, kostet 299.000 Dollar. Die Teilnehmenden erscheinen in ihrer tatsächlichen Größe und sogar direkter Augenkontakt zwischen ihnen ist möglich. Auf den Tischen sind kleine Bildschirme eingelassen, die für Präsentationen verwendet werden können. Im Einsatz befinden sich diese Konferenzräume hauptsächlich in großen Unternehmen mit internationalen Standorten. Bei den Teilnehmern soll dabei das Gefühl entstehen, dass es sich um ein tatsächliches Meeting handelt. Dennoch können Face-to-Face-Treffen nicht ganz ersetzt werden, wie die Pressesprecherin von Polycom, Angelika Kempf, bestätigt.

Als Investition in die Erhöhung der Produktivität durch das Einsparen von Reisen und die damit verbundenen positiven Auswirkungen auf die Umwelt verstehen beispielsweise die Unternehmen Easynet, der Netzprovider von British Sky Broadcasting und der Medienkonzern Time Warner ihre Telepresence-Räume. Innovative Kommunikationsformen werden so auch zum Bestandteil der Corporate Social Responsibilty der Medienunternehmen.

Einsatz für PR-Zwecke. Nicht für jedes Spezialthema findet man genügend Journalisten vor Ort für Pressekonferenzen. Mit dem im Jahr 2006 gestarteten und mittlerweile wieder eingestellten Dienst der APA „iOTS“ konnten interaktive Veranstaltungen wie Pressekonferenzen, Produktvorstellungen interaktiv durchgeführt werden. Die Anwesenheit der Gäste vor Ort war nicht notwendig. Als System kam Adobe Connect zum Einsatz. Karin Thiller, Geschäftsführerin von APA OTS berichtet von dem schweren Entschluss, das Angebot einzustellen: „Der Dienst wurde nicht wie erhofft angenommen. Möglicherweise hat der schwer kontrollierbare Live-Charakter einige potentielle Veranstalter abgeschreckt.“ Live Online-Events mit ihrer Ortsunabhängigkeit bleiben für sie aber dennoch ein Thema: „Die Zukunft geht in diese Richtung.“ Erfolgreicher ist der nicht interaktive Dienst Web TV der APA, der für die Live-Übertragung von Pressekonferenzen und deren Archivierung genutzt wird. Darüber hinaus werden Videotrainings angeboten, um die Medienkompetenz der Kunden zu stärken.

Die Einsatzmöglichkeiten in der PR sind vielfältig. Konzepte können in geographisch verteilten Teams abgestimmt werden. Journalisten können auch zu One-to-one-Produktvorstellungen eingeladen werden. Im Gegensatz zum Telefonat kommt dabei auch die visuelle Komponente der Präsentation nicht zu kurz.

Hybridlösung. Online-Konferenz und Fernsehproduktionssystem zugleich ist SwitchX, das in BR-alpha eingesetzt wird. Mit diesem onlinebasierten System können Menschen über Webcams oder DV-Cams über das Internet miteinander verbunden werden. Gleichzeitig kann eine PAL 16:9 TV-Aufzeichnung erstellt werden, die auf einen zentralen Server übertragen wird und dort in Broadcast-Qualität zur weiteren Verwendung bereitliegt. Damit können Reisen zu Interviewpartnern vermieden werden und es ergeben sich aus der Mischung zwischen Skype und YouTube neue Möglichkeiten für interaktives Fernsehen und User Generated Content, wie Julius Kratky von der ORF-Redaktion bei BR-alpha ausführt.

Herausforderungen. Verschiedene Kommunikationskulturen der Internetnutzer und manchmal etwas komplizierte Mikrofoneinstellungen stellen oft eine Hürde für die Nutzung der neuen Systeme dar. Direkte Kommunikation in tatsächlichen Treffen wird sich selbst mit den besten Online-Tools nicht ersetzen lassen. Letztendlich geht es um eine Steigerung der Effizienz redaktioneller Arbeit und der Qualität ihrer Ergebnisse durch den Einsatz von Kommunikationswerkzeugen zur innovativen Gestaltung von Arbeitsabläufen unter den aktuellen Gegebenheiten des crossmedialen, partizipativen und dezentralen Arbeitens. Für Michael Goriany, Experte beim Einsatz von Live-Online-Räumen im Bildungsbereich, macht die Kombination aus Audio, Video, Textchat und Präsentationsoberfläche die besonders reizvolle Dynamik aus. Er empfindet diese Form der Kommunikation als „Most Social Software“, denn sie ermöglicht gleichzeitig Zusammenarbeit und Partizipation mit einem hohen Grad an Interaktion.

Adobe Connect im Einsatz. Auswahl an webbasierten Sys
temen:

Die Preismodelle reichen von der Verrechnung der Minuten pro Teilnehmer bis zu verschiedenen Pauschalangeboten.

* Adobe Connect Pro, www.adobe.com/products/acrobatconnect: Benötigt wird lediglich ein Browser mit Flash. Voice over IP, Video, Powerpoint-Präsentationen, Application- sowie Desktopsharing und Aufnahmefunktion. Läuft unter Windows, Mac und Linux.

* Microsoft Live Meeting, www.livemeeting2007.de: Voice over IP nur unidirectional, eingeschränkte Unterstützung für Mac, keine Unterstützung für Linux, eigenes Client-Programm oder javabasiert.

* Netviewer, www.netviewer.at: Ähnliche Funktionen wie die erstgenannten Systeme. Noch keine Unterstützung für Mac.

* WebEx, www.webex.com: Häufig eingesetztes System, das kürzlich vom Netzwerkspezialisten Cisco erworben wurde.

* Dimdim, www.dimdim.com: Open Source System. In der gehosteten Version ist diese Konferenzlöszung kostenlos für bis zu 20 Teilnehmende.

* Acrobat.com: Die neue Kollaborationsplattform des Softwareanbieters Adobe bietet unter anderem eine einfachere Variante von Adobe Connect Pro für bis zu drei Teilnehmende kostenlos.

* Second Life, secondlife.com: Auch wenn es um Second Life seit einiger Zeit vergleichsweise sehr ruhig geworden ist, läßt sich die 3D-OnlineWelt auch als Konferenzsystem einsetzen. Second Life und ähnliche Systeme könnten in Zukunft eine wichtige Rolle für die Online-Zusammenarbeit spielen.

Links:

Teilweise kommentierte Linksammlung des Autors zum Thema: http://del.icio.us/davidro/collaboration

Weblog von Anton Simons zu ähnlichen Themen:

http:// www.redaktionelles-wissensmanagement.de

Auswahl an Telepresence-Systemen, die zumeist eigene Hardware benötigen:

* Tandberg, www.tandberg.com

* Polycom, www.polycom.com

* LifeSize, www.lifesize.com

* Cisco Telepresence, www.cisco.com

Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Zukunft” auf Seite 60 bis 63 Autor/en: Davis Röthler. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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