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Editorial
Wird alles nicht so schlimm?
Alle reden von der Medienkrise. Was erwartet uns wirklich? Dieses Zukunftsheft gibt einige Antworten.
Bankenkrise, Finanzkrise, gar Weltwirtschaftskrise Krise, Krise, Krise. Was mit faulen Krediten amerikanischer Häuslbauer begonnen hat und in Folge ganze Staaten fast in den Ruin trieb, brennt sich in unser Denken ein. Die Angst, dass es nun auch Medienunternehmen erwischt, geht um und sie ist auch berechtigt. Ein zweiter Blick berechtigt aber durchaus zur Hoffnung, dass mit zukunftsorientierten Lösungen eine nachhaltige Medienkrise abgewendet werden kann. Diesem Optimismus und den Gründen dafür sind wir im aktuellen Heft nachgegangen. Drei Beispiele:
* Die Horrormeldungen aus den Vereinigten Staaten (Werbeeinnahmen 2008: minus 14,1 Prozent) sehen unter dem Licht der Aussagen vom Branchenexperten Peter Apert von Goldmann Sachs viel freundlicher aus: US-Zeitungsverlage müssen lernen, mit Profiten von unter 20 Prozent zu leben” (Seite 26).
* Auch die Chefin der größten österreichischen Werbeagentur, der PanMedia Western, Elisabeth Ochsner, sieht keine Ursache für Panik: Der eine oder andere Kunde, der storniert hat, kommt aus dem Bank- oder Versicherungsgeschäft. Das hat nichts mit dem Konsum zu tun. In Österreich sind Telekommunikation und Handel die Top-Werber und nicht die Banken und nicht die Markenartikelindustrie” (Seite 38).
* Der Erfinder der tagesaktuellen Leserforschung ReaderScan, Carlo Imboden, gibt erstaunliche Tipps, wie Printtitel gestärkt werden können unabhängig von jeder Krise. Wer Online liest, liest auch Zeitung” ist eine seiner Thesen und Imboden kann sie auch mit Zahlen belegen (Seite 30). Allerdings will er die schnelle Nachricht” und nicht Mehrheitsfähiges” online publizieren. Print solle ausschließlich zur Warum-Zeitung” werden. Vorraussetzung dafür sei aber, dass die Verleger nicht einen Kampf Print gegen Online” führen. Imboden sagt, die Zeitung dürfe nicht an den Lesern und Online nicht an Pageimpressions gemessen werden. Einzig das gemeinsame Ergebnis zählt. Getrennte Redaktionen oder gar getrennte Verlage für eine Tageszeitung und deren Internetauftritt hält Imboden deshalb für Unsinn. Darüber hinaus empfiehlt er, den Zugang zu den Onlinesites an das Abo zu knüpfen. Also: Schluss mit Online gratis. Zudem erforscht Imboden, wie Anzeigen gelesen werden. Früher galt: Vorne rechts ist gut, hinten links ist schlecht. Auch mit dieser Vorstellung räumen seine Zahlen ordentlich auf.
In die Zukunft blickt auch Hermann Petz seit sechs Jahren. Er hat als Geschäftsführer die Moser Holding von Grund auf modernisiert, die Redaktionen umgekrempelt, ist auf Einkaufstour gegangen und hat mit seinen Bezirksblättern” die Holding vom Regional- zum österreichweiten Player gemacht.
Allerdings: Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Mitarbeiter sieht Petz mitunter nur als Kostenfaktor. So wird momentan die Oberösterreichische Rundschau” umgekrempelt. Neben dem Sonntag werden nun auch die Donnerstag-Ausgaben zu Gratistiteln. Um die beiden Produkte und Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich führen zu können, müssen auch im Personalbereich die Strukturen effizienter gestaltet werden”, sendet Petz aus. Bis zu 90 Mitarbeiter werden entlassen.
Gemeinsam mit Horst Pirker und der Styria will Petz auch mit den Gratiszeitungen nach Wien gehen und damit erstmals einen österreichweiten Verbund schaffen. Der Gegner ist die Krone”. Wir haben in unseren Businessplänen die Erwartung, dass wir auf der Gratis-wochenzeitungs-Schiene in einigen Jahren zehn Prozent der nationalen Anzeigenerlöse der ‘Kronen Zeitung’ erreichen können”, sagt Petz (Seite 18).
Einen positiven Blick in die Zukunft können Sie am 10. European Newspaper Congress 2009 in Wien erhalten. Die besten Chefredakteure und Medienmanager Europas werden von 26. bis 28. April ihre wegweisenden Konzepte vorstellen. Streichen Sie sich den Termin gleich in Ihrem Kalender rot an.
Erschienen in Ausgabe 10+11/2008 in der Rubrik “Editorial” auf Seite 3 bis 7. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
