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„Alexander Wrabetz’ Propagandashow“

Von Engelbert Washietl

Finden Sie die Optik gut, dass Alexander Wrabetz sein Sanierungskonzept vertagen muss, damit der Betriebsrat Gehaltserhöhungen durchsetzen kann?

Gerhard Moser: Der Betriebsrat hat mit dem Generaldirektor nicht über Optik zu verhandeln, sondern über Gehaltserhöhungen, wie sie in jeder Branche üblich sind. Und wir haben sehr unüblich am allerschlechtesten unter allen Branchen abgeschlossen. Wir sind mit einer prozentualen Valorisierung von 1,9 Prozent und einer Einmalzahlung von 700 Euro ausgestiegen.

Muss man in einer Zeit, in der dem ORF im Konzernergebnis 100 Millionen Euro im heurigen Jahr und 29 Millionen im nächsten Jahr fehlen, nicht an etwas anderes denken als nur an Gehaltserhöhungen?

Ich hoffe, dass das Management in dieser Situation an etwas anderes denkt. Die Belegschaftsvertretung ist im Gespräch mit der Geschäftsführung, es werden eine Reihe von Maßnahmen gewünscht, zu denen der Generaldirektor den Betriebsrat braucht. Eine unserer Feststellung lautet, dass sicherlich nicht die Belegschaft an dem Minus schuld ist.

Sie sind ein prominenter Angestellter des ORF und müssten sich vielleicht um den Betrieb Sorgen machen? Müssen nicht alle nachdenken, wie der Karren flott wird?

Die Betriebsräte, also nicht nur ich, machen sich natürlich Sorgen um solche Finanzzahlen. Wir denken auch viel nach, erwarten aber, dass zunächst einmal die Geschäftsführung ihre Hausaufgaben erledigt. Wir sind bereit, uns an einen Tisch zu setzen und ernsthaft zu reden.

Wrabetz hat Pläne ja schon auf den Tisch gelegt.

Wrabetz hat bis jetzt in einer Starmania-Propagandashow ein ganzes Paket vom Stapel gelassen, das mit der Belegschaftsvertretung überhaupt nicht besprochen war. Seither haben wir eine sehr missmutige Stimmung.

Würden Sie eine Erhöhung der ORF-Gebühren verlangen?

Aber wir werden keine kriegen. Wir Zentralbetriebsräte haben ein großes Unverständnis dafür, dass sich die österreichische Regierung von ihrer Pflicht dem ORF gegenüber befreit.

Es ist letztlich eine weltanschauliche Frage, ob das Geld, das fehlt, von außen zugeschossen werden soll oder von Unternehmen aus sich selbst erarbeitet werden muss. Letzteres wäre doch der direkte Weg, oder?

Es ist doch nicht ok, die Gebührenbefreiung dem ORF nicht zurückzuerstatten, der Post aber schon. Wir sind nicht gegen Gebührenbefreiung, das ist eine wichtige soziale Maßnahme. Aber warum der Unterschied zwischen ORF und Post?

Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 10 bis 10 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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