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Special

Content-Pools

Von David Röthler

Radio II. Nachrichten kosten Geld. Viele Privatradios kaufen deshalb Content ein. Bekommen sie auch Qualität?

Die Rationalisierung der redaktionellen Arbeit und die Konzentration auf das Kerngeschäft, lassen die Auslagerung der kostenintensiven Produktion des Nachrichten-Contents und eine automatisierte Zuspielung an die jeweiligen Radios naheliegend erscheinen. Dabei kann durch die Bündelung von Ressourcen eine Effektivitäts- und Qualitätssteigerung erwartet werden.

radio content austria

Seit 2003 ist das Tochterunternehmen rca (radio content austria) der Antenne Steiermark (im Eigentum der Styria Medien AG) Lieferant von nationalen und internationalen Nachrichten, die live über Satellit in das Programm von Privatsendern eingespielt werden. „Auf die regionale Ebene gehen wir nicht mehr, da das der USP der einzelnen Sender ist. Wir stärken die Sender, indem wir ihnen die nationale und internationale Komponente abnehmen, “ erläutert die Geschäftsführerin Eva Maria Kubin. Die Preise richten sich nach Reichweite der jeweiligen Sender. Zu den Kunden für den sendefertigen Nachrichten-Content gehören zum Beispiel Life Radio Oberösterreich, Life Radio Tirol und Antenne Vorarlberg. rca beschränkt sich auf Nachrichten, da andere Inhalte bisher nicht nachgefragt worden sind. Darüber hinaus ist das Unternehmen auch in den Bereichen POS-Radio (Einkaufsradio), Podcasts, Sounddesign und Video-Produktionen aktiv.

Radio Arabella

Im gleichen Geschäftsfeld wie rca bewegt sich auch Radio Arabella. Die Nachrichten werden in Wien produziert und zum Beispiel an Radios wie Radio U1, Welle 1 (beide in Tirol) sowie Radio Grün-Weiß in der Steiermark verkauft. „Wir haben eine eigene Software entwickelt, die Nachrichten abholt und dann bei den jeweiligen Radios automatisch und leicht zeitversetzt mit der jeweiligen Sendersignation einspielt,“ erklärt Ralph Waldhauser von Radio Arabella. Die Preise werden auch hier je nach Reichweite der Sender berechnet. Ab dem nächsten Jahr soll es weitere Contentangebote geben. So ist es geplant, ebenso Reportagen, Interviews, O-Töne, die in Wien erstellt werden, zu verkaufen.

Kronehit

Auch Kronehit beliefert mehrere Privatradiosender mit Österreich- und Weltnachrichten. Mischa Kronenfels, Chef vom Dienst bei Kronehit, berichtet: „Wir stellen unsere Nachrichten für die Antenne Wien, Antenne Tirol, Antenne Salzburg sowie für Radio Graz und A1 Radio zur Verfügung.“ Die Nachrichten werden eigens für die jeweiligen Radiosender produziert, da sie sich im Format von Kronehit unterscheiden. Über das Online-System werden die Audio-Files automatisiert bei den Sendern eingespielt. Ebenso wird die Textversion der Nachrichten zur Verfügung gestellt. Verrechnet wird ein „Einheitspreis, der sehr erschwinglich ist“.

Radio:Works

Einen anderen Weg geht das in Kärnten ansässige Unternehmen Radio:Works, das vor fünf Jahren vom Geschäftsführer Peter Mathes gegründet worden ist: „Wir liefern kurze Inhalte wie Comedy, die mit einem werblichen Auftritt in Form von Sponsoring verbunden werden.“ Eine solche Comedy-Geschichte ist der „kleine Nils“, der Leute anruft und erfundene Geschichten erzählt. Es folgt dann zum Beispiel ein Sponsoringhinweis eines Mobilfunkanbieters. Der redaktionelle Charakter muss dabei aufrechterhalten werden. Abnehmer des „kleinen Nils“ ist Kronehit. Ebenso wurden zehn Beiträge zum Thema Kindersicherheit im Auto produziert. Die den Beitrag kaufende Radiostation sucht dann einen Fahrzeughersteller oder Autofahrer-Club als Sponsor.

Bei großen Veranstaltungen wie den Weltcup-Schirennen in Kitzbühel, werden Reporter vor Ort geschickt, die Audioberichte erstellen. Diese Reportagen werden an private Radiosender mit Gebietsschutz verkauft.

O-Ton.at

Als „Brücke zwischen Pressestellen und Medien“ bezeichnet sich das kleine Unternehmen O-Ton.at, das sich mit der Generierung, Bearbeitung und Zurverfügungstellung von redaktionellen Inhalten befasst. „Wir verkaufen keine Inhalte, sondern gestalten O-Töne für Radiosender, die kostenlos zu beziehen sind. Die Aufträge bekommen wir von den Pressestellen,“ erläutert der Chefredakteur Roman Mostofi das Geschäftsmodell. Ab 200 Euro gestaltet O-Ton.at ein AudioPressKit von beispielsweise Pressekonferenzen und stellt es allen Journalisten kostenlos zur Verfügung.

Putz & Stingl

Die ursprünglich als Eventagentur gegründete PR-Agentur Putz & Stingl hat seit dem Jahr 2000 Audio-PR in ihrem Portfolio. Ebenso wie bei O-Ton.at sind die Pressestellen die Auftraggeber für „Österreichs größte Radio-PR-Service-Agentur“. Harald Sorger, Teamleiter der Audio Public Relations bringt die Aktivitäten auf den Punkt: „Wir machen vertonte Presseaussendungen.“ Die Audios werden über APA-OTS zum kostenlosen Download angeboten. Darüber hinaus werden auch Podcasts produziert.

Die Partnerschaft mit APA-OTS findet eine Fortsetzung bei dem monatlich stattfindenden Vernetzungsangebot „Treffpunkt Radio“ in einem Wiener Innenstadtlokal. Neben einem Impulsreferat bleibt viel Zeit für Gespräche und Diskussionen.

Treffpunkt Radio: http://treffpunktradio.blogspot.com/

Cultural Broadcasting Archive der Freien

Einen grundsätzlich anderen Ansatz verfolgt die Content-Austauschplattform „Cultural Broadcasting Archive“ der nichtkommerziellen Radios in Österreich. Die frei zugängliche Datenbank ermöglicht den Programmaustausch zwischen freien Radiostationen bereits seit 1999. Beiträge, Interviews sowie Rohmaterial können ins Archiv geladen, nach verschieden Kriterien beschlagwortet und beschrieben werden und stehen dann für den nichtkommerziellen Weitervertrieb bereit. Zurzeit befinden sich bereits rund 8.500 Sendungen mit einer Dauer von über 5.000 Stunden in dem Online-Archiv. Die Verbreitung ist auch über flexibel generierbare Podcasts möglich.

Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik „Special“ auf Seite 56 bis 57 Autor/en: David Röthler. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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