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Editorial

Das Jahr der Nachrichten

Himmel noch mal! Dieses Jahr war wirklich nicht schwach. Weit daneben, wer im Januar mit dem BAWAG-Prozess schon das Thema des Jahres sah und meinte, nur noch Fußball-EM und Olympische Spiele abarbeiten zu müssen. Bumm! Zuerst der unfassbare Fall Fritzl – ein Drama, das die Welt entsetzte. Dann der peinliche Faymann-Gusenbauer-Brief, den wir lieber nie gelesen hätten. Plus Neuwahlen – in Österreich nicht vorgesehen, Ergebnis wenig überraschend. Das Gegenstück in den USA, ein Medienhype, und dann noch die Sensation! Unvergesslich Haider, sein einsamer Sieg, sein Wandel zum Staatsmann – und dann: Alkohol, Raserei, Szenelokal, ein ganzes Bundesland im Schock. Dazwischen Immofinanz, Meinl – sitzt da eigentlich schon jemand? Und als ob das nicht alles für sich alleine als „Thema des Jahres“ reichen würde, diktieren seit Wochen Finanzkrise und nun auch Wirtschaftskrise unsere Arbeit. Eine journalistische Mega-Achterbahnfahrt mit erschreckenden Abgründen.

Die große ÜberraschunG 2008: die Wirtschaftsjournalisten, meist die fadesten in jeder Redaktion. Sie haben bewiesen, wie spannend ihr Thema ist. Ihre Berichte, Analysen und Kommentare waren gefragt wie nie. Exzellent hat unter anderem der „Kurier“ reagiert, der am ersten Höhepunkt der Krise das komplette Wirtschaftsbuch nach vorne gestellt hat.

Aus Respekt vor den Leistungen unserer „Langeweiler“ haben wir beschlossen, bei unserem traditionellen Ranking den Platz 1 „Wirtschaft“ auch als „Journalist des Jahres“ zu ehren. Eine hochkarätige Jury aus 28 Chefredakteuren und Journalisten hat „profil“-Ressortchef Michael Nikbakhsh ganz klar auf Platz 1 gesetzt. Er hat sich 2008 vor allem mit nationalen Themen hervorgetan. Zur weltweiten Finanzkrise sagt er: „Ich begegne ihr mit großer Demut. Sie hat die Grenzen des Wirtschaftsjournalismus aufgezeigt.“

Die beste Mannschaftsleistung hat 2008 die „Presse“ geliefert. Sie dominiert in Summe die Wirtschaft, die Innenpolitik und liegt in der Kultur auf Platz 2 und ist damit „Redaktion des Jahres“. Die kompletten Ergebnisse finden Sie traditionell in dieser Ausgabe, ein Spiegel der journalistischen Arbeit eines Jahres.

Hurra, wir leben noch! Das ist die eigentlich gute Nachricht in diesen Tagen. Sie gilt nur nicht für alle. Wut kommt hoch, wenn man sieht, was derzeit beim ORF passiert. Hier wird ein journalistischer Leitbetrieb zerlegt. Leider ist es unmöglich, die Schuldfrage auf Wenige einzugrenzen: Ein General, der anscheinend sein jahrelanges Geschick für Zahlen verloren hat (100 Millionen Jahresverlust! 1.000 Leute raus! Hallo?). Eine Führungscrew, die mehr mit sich selbst beschäftigt ist und bis auf wenige Ausnahmen (wie Nachrichtenchef Karl Amon) weder die Bezeichnung noch die Aufgabe verdient. Lächerlich, wenn die Herrschaften auf Bonifikationen verzichten und einer Nulllohnrunde zustimmen. Und dann noch die Politiker, denen einmal die Bedeutung eines Medienleitbetriebes erklärt werden sollte.

Nie hätte ich gedacht, dass ich diese Zeilen einmal schreiben werde: Krise auch bei der deutschen WAZ, mit Beteiligungen an „Krone“, „Kurier“ und News-Verlag eines der größten Medienunternehmen in Österreich. Tiefrote Zahlen im Stammwerk in Essen. Jeder dritte Journalist soll fliegen, Lokalredaktionen werden gesperrt, Zeitungen dünner, um Papier zu sparen, dpa gekündigt und, und, und. Wir dachten immer, die hätten den Keller voller Geld. War mal, jetzt liegen da überall Sorgen rum.

Sorgen auch bei einem regionalen Medienleitbetrieb, der Moser Holding in Tirol. Zuletzt extrem aggressiv am Markt, jetzt könnte der Motor bald stottern.

Entschuldigung: Wir hatten in der zurückliegenden Ausgabe einen Beitrag über Gert Edlinger und Ärger mit Geschenken. Wir hatten angedeutet, dass Edlinger als Mitarbeiter von „News“ Geschenke angenommen hätte. Das ist nicht durch Fakten gedeckt und es gibt auch keinen Hinweis, ihm Derartiges zu unterstellen. Daher ziehen wir diesen Vorwurf zurück und entschuldigen uns dafür.

Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik „Editorial“ auf Seite 3 bis 9. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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