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Titel

Der Journalist des Jahres

Es war das Jahr der Wirtschaft. BAWAG, AUA, ÖBB, die Affären um Meinl und die Immofinanz – und die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Das spiegelte sich auch in der Wahl der Journalisten des Jahres wider. Die oft belächelten Wirtschaftsjournalisten waren gefordert – und haben einen guten Job gemacht.

Mit großem Abstand gewann Michael Nikbakhsh, Ressortleiter Wirtschaft im „profil“ (Porträt Seite 44). Die hochkarätige Jury aus 28 Chefredakteuren und Medienjournalisten (siehe Kasten) war da eindeutiger als in den Vorjahren einer Meinung.

Ausgezeichnet wird einer, der schon zuletzt für Spitzenplätze gut war. Zwei Mal Sieger in der Kategorie Wirtschaft, zwei Mal Zweiter. Schon damals hat sich der nicht Uneitle sehr gefreut – und heuer natürlich besonders.

Mehr als 200 Kollegen standen zur Wahl. Da konnte nicht jeder gewinnen.

Die Sonderpreise und die Auszeichnung „beste Lokaljournalisten“ wurden von der „Journalist“-Redaktion vergeben. Neu war: Jury-Mitglieder durften für Leute ihrer eigenen Redaktion keine Punkte geben.

Die Ergebnisse im Detail: Freuen darf sich Hubert Patterer („Kleine Zeitung“), der erstmals zum Chefredakteur des Jahres gewählt wurde. Er hat aus dem früher eher lokal orientierten Blatt eine Tageszeitung gemacht, die österreichweit in der Branche mit Interesse gelesen wird. Im Vorjahr lag er noch auf Platz sechs. Um einen Platz verbesserte sich Alexandra Föderl-Schmid vom „Standard“ (zweiter Platz bei den Chefredakteuren).

Bei so einer Wahl gibt es auch Seriensieger: Wir gratulieren Rainer Fleckl (Sport im „Kurier“, er war im Vorjahr „Journalist des Jahres“), Frido Hütter (Kultur in der „Kleinen“) und Dominic Heinzl (ATV) in der Kategorie Unterhaltung.

Durchstarterin des Jahres ist wohl Eva Weissenberger („Kleine Zeitung“). Die junge Innenpolitikerin schaffte Platz zwei in der Innenpolitik – gegen Andreas Koller („Salzburger Nachrichten“) hatte sie freilich keine Chance. Wird vielleicht kommendes Jahr anders.

Verbessert hat sich auch Anneliese Rohrer. Sie schreibt zwar nur einmal in der Woche (im „Kurier“) einen Kommentar, wurde aber Dritte in der Königsdisziplin Kolumne.

Schwach abgeschnitten hat „Österreich“. Das verwundert freilich nicht. Die Hälfte der Artikel ist dort nicht gezeichnet, die restlichen vier Zehntel sind mit wirren Kürzeln versehen.

Aufgefallen ist trotzdem Wolfgang Ruiner, dritter Platz im Sport (im Vorjahr nicht unter den Top 10).

In der „Kronen Zeitung“ ist Michael Jeannée aufgefallen. Seine täglichen Kolumnen sind eine Klasse für sich. Das hat Zug. Er hat eine eigene Form entwickelt – und ist witzig. Für „Gespür und Schreibe“ bekommt er einen Sonderpreis. „Er hat meist an vier Tagen der Woche das richtige Thema (manchmal kann man auch irren), und ist selbst wenn er das falsche Thema hat lesenswert. Ganz simpel gesagt: Ein echter Vollprofi.“

In der Kategorie Kolumnisten gibt es einen neuen Sieger. Daniel Glattauer („Standard“) gewann vor Rainer Nikowitz („profil“). Es werden nur seine Stammleser Entzugserscheinungen bekommen. Glattauer macht ein Jahr Pause, um sich einem Buchprojekt zu widmen.

Und der ORF? Er dominiert wie seit Jahren das Ressort Außenpolitik. Sieger Eugen Freund, gefolgt von Raimund Löw. Und dann noch weitere drei Plätze unter den Top 10. Offenbar informiert sich die Jury vor allem per ZiB über das Weltgeschehen.

Für sein Lebenswerk wird ausgezeichnet Oscar Bronner. Er hat als „trend“- und „profil“-Gründer die heimische Medienszene nachhaltig verändert. Und dann kam der „Standard“. Und dann auch noch die Online-Version.

Die beste Gesamtleistung hat 2008 die „Presse“ abgeliefert und sie ist damit auch weit vor dem ORF und dem „Standard“ die „Redaktion des Jahres“.

Wie üblich gibt es Ende Jänner eine kleine, eher sehr familiär gehaltene Preisübergabe in Wien.

Ihre Stimme abgegeben haben:

Karl Amon, Conny Bischofberger, Johannes Bruckenberger, Harald Fidler, Rainer Fleckl, Alexandra Föderl-Schmid, Florian Klenk, Harald Knabl, Christoph Kotanko, Herbert Lackner, Andreas Lampl, Gerald

Mandlbauer, Thomas Martinek, Alexander Millecker, Hubert

Patterer, Peter Pelinka, Manfred Perterer, Meinrad Rahofer,

Christian Rainer, Claus Reitan, Bettina Roither, Richard Schmitt, Christoph Silber, Armin Thurnher, Andreas Unterberger, Wolfgang Unterhuber, Isabella Wallnöfer, Armin Wolf.

ANGEFRAGT waren auch, haben aber bis Redaktionsschluss kein

Voting abgegeben: Atha Athanasiadis, Christoph Dichand, Uschi Fellner, Wolfgang Fellner, Michael Fleischhacker, Euke Frank, Michael Lang, Christian Ortner, Frank Staud.

Erschienen in Ausgabe 12/2009 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 30 bis 43. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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